HEFT 10/1993 | Zur Roten Kapelle | SEITE 1

 

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

Allen Unkenrufen zum Trotz geht "Horch und Guck" unbeirrt seinen Weg weiter. Wer wissen möchte, wie es zur Trennung von einigen Mitgliedern der früheren Redaktionsgruppe kam - und Sie haben ein Recht darauf, es zu erfahren -, lese darüber in unserem Abschnitt "In eigener Sache" nach. An dieser Stelle nur so viel: Wir "Verbliebenen" setzen unsere ganze Kraft ein, für Sie eine Publikation zu machen, die nützlich, interessant und unterhaltsam ist. Dabei verzichten wir auf Sensationshascherei in der Art gewisser Boulevardzeitungen, auch wenn sie uns zeitweise vielleicht eine Reihe oberflächlicher neuer Konsumenten anlocken würde. Aber den endgültigen Schritt zu einer nur für wenige Spezialisten interessanten reinen Fachzeitschrift wollen wir nicht gehen; dennoch meinen wir, schon auf die Intelligenz unseres langsam, aber stetig wachsenden Leserkreises setzen zu können, ohne dabei dessen Bedürfnis nach Stories und kultureller Lesekost zu vernachlässigen. Und: Wir lassen uns auch weiterhin gern von Ihnen beraten, wie wir unser Anliegen noch besser verwirklichen können.

Seit einigen Heften steht jeweils ein besonderes Thema im Vordergrund. Ist es diesmal eine vielseitige Stellungnahme zum erstmals im Heft 8 behandelten Problemkreis "Rote Kapelle", wird das Heft 11 sich wieder mit kulturellen Fragen beschäftigen (so haben wir zum Beispiel gerade einen Maler in Halle besucht, um uns mit ihm unter anderem über seine Observierung durch die Stasi zu unterhalten, haben wir den Redebeitrag eines Kunstwissenschaftlers vor der Enquetekommission ausgesucht, der auf gewisse subkulturelle Erscheinungen in der DDR-Kunst eingeht, und beschäftigen wir uns mit dem Phänomen "Singebewegung" in der vormaligen ostdeutschen Republik. Für das Heft 12 haben wir geplant, Fragen des Rechtswesens in der DDR in den Vordergrund zu stellen. Welche Rolle der Jazz im Osten Deutschland spielte und wie - um einen Ausdruck Wolf Biermanns zu verwenden - die "maßgeblichen Kahlköpfe" auf ihn reagierten, wird im Heft 13 vorrangig behandelt werden. Weiter haben wir derzeit noch nicht geplant - aber es gibt unzähligeThemen rund um die Komplexe Stasi und Geschichte der DDR, denen wir uns zukünftig widmen können. Und natürlich wird es neben den genannten Schwerpunktthemen vieles andere in den Heften geben, was für Sie interessant sein könnte.

Bleiben Sie uns also weiterhin gewogen, und seien Sie im Namen der Redaktion herzlich gegrüßt!
Josh Sellhorn

PS: Daß wir nunmehr von der bislang vorwiegend verwendeten 12-Punkt-Schrift zur etwas kleineren 10-Punkt-Schrift gewechselt haben, ist ersichtlich: das gibt uns die Möglichkeit mit weniger Kosten auf weniger Raum genau so viel Text wie vorher auf mehr Seiten zu bringen. Auch für etwas Sehschwächere dürfte das ein akzeptabler Kompromiß sein...

Inhaltsverzeichnis Heft 10