HEFT 03/1994 | KoKo-ausschuss | SEITE 1

 

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

Im Editorial des vorigen Heftes hatten wir sie bereits über eine einschneidende Veränderung in der Zusammensetzung der Redaktion unserer Zeitschrift informiert, Ihnen aber die Gründe dafür nicht mitgeteilt. Diese befremdende Verhaltensweise ist nur aus der Situation heraus zu verstehen, in der wir uns damals befanden und die der Klärung bedurfte. Es hat sich nämlich herausgestellt, daß der bisher hauptverantwortliche Redakteur von HORCH UND GUCK ein Stasi-Spitzel war. Was anzumerken ist zu diesem hanebüchenen Vorfall, einmal von Werner (Josh) Sellhom (GI/IM "Zirkel") und zum anderen vom Bürgerkomitee, finden Sie unterder Rubrik "In eigener Sache".

Die Suspendierung von Josh Sellhom, der innerhalb des Bürgerkomitees ausschließlich und nur mit der Redaktion von HORCH UND GUCK beschäftigt war  brachte das neue/alte Redaktionsteam in eine verzwickte Lage, die es (verhältnismäßig) schnell und vor allem auch einigermaßen gut zu meistern galt. Ob wir unsere eigenen, ehrgeizigen Ziele erreicht haben, oder daran gescheitert sind, werden wir spätestens bei den Reaktionen und der Kritik auf dieses Heft erfahren.

Bisher stand, gewissermaßen als Devise der Zeitschrift, am Anfang der letzten Seite zu lesen: FÜR PLURALISTISCHEN MEINUNGSSTREIT UND TOLERANZ IM UMGANG MITEINANDER. Wir haben diesen Spruch ersatzlos gestrichen; nicht etwa, weil wir ihn für falsch halten (im Gegenteil!), sondern für zu dick aufgetragen. Wir möchten genau diese Haltung praktizieren, sie uns aber nicht mit großen Lettern an die Brust heften und so (denn das steckt dahinter) jede Form von Kritik an uns selber vorauseilend verhindern. Hauptsächlich auf Grund von Urheberrechten, die sich außerhalb des Bürgerkomitees befinden, sahen wir uns genötigt, das Äußere von HORCH UND GUCK zu ändem. Ebenso wurden die Wanzen durch allerlei merkwürdige (Stasi-)Kraken ersetzt. Da wir durch die Ereignisse in unserer Redaktion so ziemlich aus dem Tritt geraten waren, ist schon heute abzusehen, daß in diesem Jahr nur vier Hefte von HORCH UND GUCK erscheinen werden. Wir bitten dafür um Verständnis. Die nächste Nummer, also Heft 14, mit dem vorgesehenen Schwerpunkt IM-Poblematik, dürfte somit kurz vor Weihnachten herauskommen. Danach, im nächsten Jahr, hoffen wir, den gewohnten zweimonatigen Erscheinungsrhythmus einhalten zu können.

Diese Zeitschrift ist kein Unternehmen einer einzelnen Person oder weniger Personen und nicht ausschließlich historisch rückwärtsgewandt - sie lebt und fällt mit der Mitwirkung und vor allem auch der Kritik ihrer Leserinnen und Leser; und ihrer Verbindung zum lebendigen Heute. Wenn Ihnen zum Beispiel in dieser Nummer der Bezug zur Gegenwart und einigen wichtigen Themen fehlen sollte, so liegt das weniger an uns, oder unserem guten Willen, oder gar konzeptioneller "blinder Flecken", sondem schlicht daran, daß uns keine geeigneten Texte beispielsweise zur aktuellen Geheimdienstproblematik vorliegen.

Im Namen der Redaktion
Werner Kiontke

Inhaltsverzeichnis Heft 13