HEFT 02/1995 | pds UND gESCHICHTE | SEITE 1

 

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

Das Hauptthema dieses Heftes wird durch den Aufsatz von Dr. Rainer Eckert angeschnitten: Die PDS und ihr Verhältnis zur Geschichte. Wir sind der Meinung, daß diese Problematik, besonders im Zusammenhang mit einer - mehr oder weniger - von der PDS initiierten oder wenigstens gebilligten Revision der neueren und der DDR-Geschichte, auch im Zusammenhang mit der sogenannten Schlußstrichdebatte, immer wieder aufs Trapez gebracht und neu diskutiert werden sollte. Daß es dabei nicht um den berühmten Sturm im Wasserglas geht, sondern um handfeste Politik, sollte besonders den Bürgerbewegten immer wieder ins Stammbuch geschrieben werden. Das ist es, wenn Jürgen Fuchs schreibt: "Die PDS klaut das 'Dissidentendeutsch' und nennt sich plötzlich 'demokratische Sozialisten',..." (H&G,14/95,Beilage). Oder wenn Uwe-Jens Heuer (MdB/PDS) Heiner Geißler zitiert: "Revolutionen werden heute nicht mehr herbeigeführt, indem man Telegrafenämter und Bahnhöfe besetzt, sondern indem man Begriffe besetzt" (GEHEIM, 1/95, S.20).

Welch eine Ehre! Die letzte Nummer von "Horch und Guck" (Nr. 14, 1/1995) fand eine Besprechung im "Neuen Deutschland" vom 27.1.1995. Der Rezensent äußert sich im wesentlichen zu zwei Sachen: (1) zur "Verdrängung" des Werner (Josh) Sellhorn aus der Redaktion von "Horch und Guck" und (2), daß sich das Heft, im Gegensatz zu den von Sellhorn redigierten Nummern, "fast durchgängig linientreu im Sinne der Herausgeber" präsentiert.

Der Rezensent schreibt nirgends ausdrücklich, daß Sellhorn Stasi-Spitzel war und aus diesem Grunde von seinem Amt suspendiert wurde. Stattdessen kommt ein Satz, bei dem die Sprache und somit das Bewußtsein transparent wird: "Auch zur Person Werner Sellhorns wurde eine Akte gezogen, die man zum Anlaß nahm, ihn zu verdrängen." Der Satz klingt nicht nur falsch, sondern er ist falsch. Es ist der schamlose Versuch, nicht vorhandenes Unrechtsbewußtsein ("Stasiauflösergewürge") in politisches Kapital umzumünzen.

Daß das "ND" nun nicht gerade entzückt davon ist, daß nach der Dienstenthebung des Sellhorn mehr das bürgerbewegte Profil von "Horch und Guck" sichtbar wird, ist verständlich. Unser Mitgefühl hält sich allerdings in Grenzen.

Und nun zu dem, was sehr an eine abgeschmackte Hinterhof-Posse erinnert: In dem "ND"-Artikel gibt es ein dickes Lob (es ist das einzige!) für den Abdruck einer Rezension des Buches von Ralf-Georg Reuth und Andreas Bönte "Das Komplott. Wie es wirklich zur deutschen Einheit kam". Als Rezensent zeichnete ein Herr Heinrich Pfauberger. Aber "Pfauberger", so kam später heraus, ist eher als ein Deckname zu verstehen und verbirgt, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, einen altbekannten und, durch seine "Reue"-Kritik, nicht gerade rühmlich-bekannten "ND"-Redakteur: Herrn Dr.Harald Wessel... - Ärgerlich ist nicht, daß und was er geschrieben hat (Warum auch nicht! Allerdings hätten wir ihn gerne zu anderen Themen gehört...), sondern daß er uns, von dem damaligen "Chefredakteur" von "Horch und Guck", regelrecht untergeschoben worden ist.

Im Zusammenhang mit der Diskussion um die "Rote Kapelle" und um die Namen "Robert-Havemann-Oberschule" beziehungsweise  "Hilde-und-Hans-Coppi-Oberschule" für das 6. Gymnasium in Berlin-Lichtenberg wurde im Heft 11/ 1994 von "Horch und Guck", auf Seite 63, eine Karikatur publiziert, die ein hinterhältiges Spiel mit den Familien-Namen von zweien der Diskussionsteilnehmer versucht. Zu diesem Vorgang gibt es von zwei Mitgliedern der Redaktion, die seinerzeit, unter der Federführung von Werner (Josh) Sellhorn, an dem Heft 11 beteiligt waren, eine Erklärung. Peter Rösch erinnert sich, daß ihm die Karikatur überhaupt nicht vorgelegt worden war und Uwe Boche stellt fest, daß er in der Hektik beim Erstellen des Layouts den beleidigenden Bezug einfach übersehen hatte. Wir bitten Herrn Peter Klepper und Herrn Ulrich Ballon um Entschuldigung.

Im Namen der Redaktion
Werner Kiontke

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