HEFT 03/1995 | Friedensarbeit in der ddr | SEITE 1

 

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

Seit dem Erscheinen unseres letzten Heftes ist nun wieder unverhältnismäßig viel Zeit vergangen. Das, was wir uns vorgenommen hatten, nämlich "Horch und Guck" wieder alle zwei Monate erscheinen zu lassen, haben wir nicht geschafft und werden wir wohl, wenigstens in der allernächsten Zukunft, nicht zuwege bringen. Hauptgründe dafür sind die nach wie vor zeit- und kraftraubenden bürokratischen Klimmzüge, denen wir uns für das inzwischen auf fünf Personen geschrumpfte Gesamt-Projekt unterziehen müssen. - Für Menschen, die es ganz genau wissen wollen: Konkret geht es hier, vereinfacht dargestellt, um die Angleichung des Ost-249h AFG (Arbeitsförderungsgesetz) an den Gesamtdeutschen-242s AFG.

Im Mittelpunkt dieses Heftes steht, was Pfarrer Martin-Michael Passauer im Jahr 1988 als "Friedensarbeit in der DDR" bezeichnet wissen wollte. Selbstverständlich sind das nur einige wenige Aspekte eines ansonsten sehr umfangreichen und komplexen Phänomens; keineswegs soll hier DIE Friedensarbeit oder Friedensbewegung der DDR abgehandelt werden.

Schon im letzten Heft war Dr.Klaus Schwabe, Sachgebietsleiter im Mecklenburgischen Landeshauptarchiv Schwerin, mit einem Aufsatz über eine der Grundstrukturen von Machtund Repressionsausübung in der DDR vertreten: die Nomenkla-turkader der SED. Diesmal schrieb er, und darauf sei besonders hingewiesen, über die Bezirks- und Kreiseinsatzleitungen der SED in den Nord-Bezirken der DDR.

Zu den immer noch aktuellen und brisanten Themen gehört der sogenannte "Stasi-Spionage-Beschluß" des Bundesverfassungsgerichts. Wir wissen nicht, wer sich von unseren Leserinnen und Lesern der Zumutung aussetzte, den Original-Text zu lesen. Unser Autor, Herr Georg Kelm, hat sich die Mühe gemacht, den in einer besonders vertrackten juristischen Ausdrucksweise verfassten Beschluß durchzuarbeiten, ein Resümee des Inhalts zu geben und darüberhinaus - im Zusammenhang mit der bereits veröffentlichten Meinung - zu diskutieren. Seine Schlußfolgerungen seien hiermit zur Debatte gestellt.

Zu dem Fall Monika Maron fällt uns nichts weiter ein als dies: manches klärt sich eben im Laufe der Zeit. - Zum Beispiel, warum ihr Roman "Flugasche" das hatte, was man im DDRLiteratur- Unterricht einen »positiven Schluß« nannte... Und wieso diese simple Tatsache - seinerzeit - die bundesdeutsche Literaturkritik nicht abhielt, das Buch in den (Verkaufs-) Himmel aufmüpfiger DDR-Literatur zu schießen.

In der Beilage unseres vorletzten Heftes Nr.14 (Heft 1, 1995) haben wir darauf hingewiesen, daß die nächste Runde der Auseinandersetzungen um die "Gedenkbibliothek für die Opfer des Stalinismus" abzusehen ist. Dieses Ereignis hat inzwischen stattgefunden und, das steht zu befürchten, war - mit einiger Sicherheit - nicht das letzte. - Mit unserem Beitrag dazu - wir drucken die Konflikt-Beschreibung durch den ehemaligen Vorsitzenden des Fördervereins, Wolfgang Templin, ungekürzt, in seiner ganzen Länge ab - werden wir uns sicher dem Vorwurf der Unausgewogenheit aussetzen. Wir verweisen aber an dieser Stelle auf die kurioseTemplin-Replik von Dr.Achim Günther, Berlin-Dahlem (dem designierten Vorsitzenden des Fördervereins), die im ND vom 22.8.1995 stand. Wer lesen kann - lese!

Im Namen der Redaktion
Werner Kiontke

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