HEFT 04/1995 | Knast | SEITE 1

 

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

Nun haben wir es doch geschafft, die Nummer 17 von "Horch und Guck" auf Ihren Gabentisch zu legen. Ehrlich gesagt, waren wir auch dazu gezwungen, da uns sonst der Bannfluch des Postzeitungsvertriebes (PZV) getroffen hätte. Die allgemeinen Geschäftsbedingungen dieses PZV sagen nämlich aus, daß nur eine mindestens quartalsmäßig erscheinende Zeitschrift auch eine richtige Zeitschrift ist. Der Vertrieb ohne PZV würde die Portokosten ins Uferlose steigern, was wir unseren geneigten Abonnenten natürlich nicht zumuten können und wollen.

Wir befinden uns gerade - für unsere Verhältnisse - in einer gnadenlosen PR-Offensive. Mit "Lettre international" konnten wir eine Austauschanzeige bzw. -beilage vereinbaren. Werfen Sie also bitte die Beilage nicht gleich weg, sondern prüfen Sie das Angebot dieser interessanten Zeitschrift. Der Spiegel-Verlag hat uns für seinen im Januar erscheinenden Spiegel special "Geheim - Die Welt der Agenten" eine kostenlose Spendenanzeige
zur Verfügung gestellt, wofür wir hiermit nochmals ausdrücklich danken wollen.

Bisher war "Horch und Guck" nur in den östlichen Berliner Bezirken am Kiosk erhältlich. Das ist seit diesem Heft anders. Wir konnten vier Großhändler, die verschiedene Städte und Landkreise in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen versorgen, für unseren Vertrieb gewinnen. An der "Erschließung" der restlichen Bundesrepublik werden wir arbeiten. Um an diesem Großhandel teilnehmen zu können, müssen wir aber ab Erscheinen dieses Heftes auf allen unseren Rechnungen Umsatzsteuer ausweisen. Der Preis für Sie wird sich dadurch
aber nicht ändern. Nun aber genug der technischen Details. Mit dem Titelthema "Knast" haben wir einen Bereich aufgegriffen, der bisher noch nicht sehr häufig in "Horch und Guck" angesprochen wurde. Die diesmal etwas früher begonnene Vorbereitung des Titelthemas ermöglichte unserer Meinung nach eine gute Auswahl von Beiträgen, die verschiedene Facetten der "Knast"-Problematik beleuchten. Angefangen mit den psychologischen Folgen des Strafvollzuges in der DDR über GULag-Verhältnisse und Gefängnisreform in Rußland bis zur Übernahme der Ost-Knäste durch die westdeutsche Verwaltung, dürfte für jeden Leser etwas Interessantes zu finden sein. Besonders möchten wir aber auf den Beitrag von Matthias Storck hinweisen, der seine persönlichen Erlebnisse in dem Buch "Karierte Wolken" niedergeschrieben hat, aus dem wir hier Auszüge veröffentlichen. Wir finden dieses Buch deshalb so bemerkenswert, weil es dem Autor gelingt, selbst schwierige Erlebnisse ohne "Schaum vor dem Mund" zu beschreiben.

Zu unserem Titelthema im letzten Heft (Friedensarbeit) haben wir noch einen Beitrag von Gerold Hildebrand bekommen, der den in Nummer 16 nicht behandelten Aspekt der "blockübergreifenden Solidarität" der Bewegung an einem Beispiel darstellt. Wir möchte diesen hier, sozusagen als Nachlese, anbieten.

Endlich ist es uns auch einmal gelungen, durch das Interview mit Reinhard Schult die aktuelle Geheimdienstproblematik anzusprechen. Da dieses Thema aber immer noch eines unserer unterentwickelten Standbeine ist, bitten wir alle  uns dazu kompetente Beiträge zur Verfügung zu stellen. Wir wünschen Ihnen ein frohes Fest und einen guten Rutsch.

Im Namen der Redaktion
Uwe Boche

Inhaltsverzeichnis Heft 17