HEFT 04/1993 | Krimis | sEite 1

 

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

Wir wollten immer Streit, wollten immer Auseinandersetzung, denn schon die alten Griechen sagten: "Der Streit ist der Vater aller Dinge" (nicht zu verwechseln mit der Übersetzung "Der Krieg ist de Vater aller Dinge", die einige immer wieder daraus machten - aber das ist nicht unsere Sache). Und nun haben wir ihn. In unserer Rubrik "Korrespondenz" wird er diesmal heftig ausgetragen. Das könnte uns froh stimmen; daß aber in einem Punkt wir ihn selbst durch eine kaum verzeihliche Unterlassungssünde auslösten, macht uns andererseits betroffen. Dennoch: Es wird gestritten, und das bringt uns alle weiter. Bei aller Moderatheit wollten wir eckig und kantig sein, hier und da auch einmal provozieren. Denn: Wem nützt eine Zeitschrift, in der nur von allen - gewissermaßen auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner - Akzeptiertes zu finden ist? Ein solches Blattwürde in die Langeweile fallen; und wer will das schon? Die Auseinandersetzungen finden sich so massiv bei den Leserbriefen, daß wir getrost für dieses Hett auf den Abschnitt "Diskussionsforum" verzichten konnten.

Aber ansonsten bleiben wir bei der bewährten Konzeption. Apropos Konzeption: Es gibt kritische Stimmen, die uns Konzeptionslosigkeit vorwerfen, zu unrecht, wie wir glauben. Vielleicht sollten diese Kritiker einmal überlegen, ob sie nicht selbst ein gebrochenes Verhältnis zum praktizierten Pluralismus haben  Die alte Zeit der verordneten monolithischen Einheitsmeinung haben wir glücklicherweise überwunden. Und Pluralismus und Toleranz müssen nicht Prinzipienlosigkeit bedeuten; wir glauben, daß in "Horch und Guck" durchaus eine Linie erkennbar wird, nur eben keine "Einheitsmeinung". Natürlich gibt es bei uns auch Fehler, und dafür ernten wir zu Recht Kritik; nur derjenige, der nichts probiert und nichts wagt, macht keine Fehler. Aber dafür erntet er auch nichts als gelangweiltes Gähnen.

Dieses Heft, das zweite unseres zweiten Jahrgangs (also wieder im gelben Gewand), stellt sehr Kultur und Literatur in den Vordergrund. Das hat sich nicht nur eben so ergeben, sondern trifft sich auch mit unseren Wünschen. Besonders der "Krimi"-Teil dürfte reges Interesse finden, meinen wir. Natürlich kommen aber auch viele andere Themen zur Sprache, zum Beispiel das lange Gespräch mit dem IM "Kiste", der Beitrag zur CIA, der Blicknach Rußland, das nachgedruckte Interview mit Jürgen Fuchs gewissermaßen als Gegenmeinung zum Artikel von Ulrich Greiner in Heft 7, die Ausführungen zur Roten Kapelle und und und... Wer mit herzhaftem Lachen von der Vergangenheit Abschied nehmen will, lese Petersdorfs Geschichte vom "Picknick im Walde".

In diesem Sinne grüßt Sie herzlich im Namen der Redaktion
Josh Sellhorn

PS: Einen Wermutstropfen konnten wir Ihnen leider nicht ersparen - "Horch und Guck" mußte teurer werden. Lesen Sie dazu bitte den Beitrag "Ein unvermeidlicher Schritt". Dank im voraus für Ihr Verständnis!

Inhaltsverzeichnis Heft 8