HEFT 28/1999 | besetzung der bezirks- und kreisämter des mfs/afns | SEITE 1

 

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

Wie im letzten Heft angekündigt, gibt es in dieser Ausgabe zwei Hauptteile: Sascha Anderson und die Stasi- Besetzungen im Herbst 1989. Wir haben den umfangreichen Artikel über Anderson an den Anfang gestellt, weil er – exklusiv für HORCH UND GUCK geschrieben – augenblicklich das Beste ist, was bisher zu diesem Thema erschienen ist. Wir bedanken uns bei Holger Kulick und beim Matthias-Domaschk-Archiv Berlin, besonders bei Tom Sello, für die ausgezeichnete Zusammenarbeit. An den Text, so wie er hier vorliegt, wurden bis zum allerletzten Augenblick Erweiterungen bzw. Korrekturen angefügt, die sich besonders durch die neuen in Zirndorf zusammengesetzten Anderson-Akten ergaben. Dieser Umstand hatte zur Folge, daß einige Beiträge, die geplant waren, leider verschoben werden mußten.

Der Autor Holger Kulick, geboren 1960 in Nordhessen, lebt seit 1983 als freier Journalist in Berlin und hat lange Zeit für Fernsehmagazine und KENNZEICHEN D, ASPEKTE oder KONTRASTE gearbeitet – immer wieder "illegal" in der DDR. Er schreibt außerdem für mehrere Zeitungen und arbeitet für die 3 Sat-Kulturzeitredaktion. Im Zusammenhang mit der Kontroverse zwischen der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und den Unabhängigen Archiven (siehe Seite 91ff.) wurde uns, besonders zu dem von uns nachgedruckten Artikel von Frank Ebbinghaus (Seite 92), ein Brief zum Abdruck übermittelt, den wir unseren Lesern zur Kenntnis geben möchten:

An den Vorsitzenden des Stiftungsrates und den Vorsitzenden und die Mitglieder des Vorstandes. [...] Datum 17.12.99 [Betreff:] Artikel in der FAZ vom 17.12.99 [...] In dem Artikel der FAZ vom 17.12.99 "Parkinsons Gesetz" wird eine Konstruktion, eine Legende über den Anlass für den Konflikt zwischen Stiftung und unabhängigen Archiven formuliert, die geeignet ist, den Konflikt auf Dauer zu stellen. [/ ] Nach dieser Legende ist Frau Kubina "schuldig", zitiert wird ein Brief an die Bürgerrechtler dessen zitierte Endformulierung mir bekannt ist. Sie stammt nicht aus einem Brief im Wortsinn, sondern es war ein Informationsblatt, dass am schwarzen Brett des Forschungsverbundes aushing und mit der unsere frühere Kollegin bat, Materialien die für den Forschungszweck nicht mehr benötigt werden, der Bibliothek der Stiftung zu übereignen. [/] Dieses Informationsblatt als Provokation darzustellen, dass die unabhängigen Archive zum Handeln zwang, ist nicht nur absurd, sondern sie beinhaltet auch eine böswillige Unterstellung, die eine Initiative der Bibliothekarin im Rahmen ihrer Arbeit zu einer politischen Aktion der Stiftung umwertet. Da diese Legende geeignet ist, den Streit zwischen Stiftung und Archiven auf Dauer zu stellen, muss ihr aus meiner Sicht öffentlich widersprochen werden. Ich bitte Sie, auch Ihre soziale Verantwortung gegenüber einer Mitarbeiterin, die sich in der Probezeit befindet, zu bedenken. [/] Festzustellen ist: Einen formlosen Brief zur Sammlung von Materialien für die Stiftung an die Bürgerrechtler (wer ist das?) hat es nicht gegeben. [/] Ich bitte den Vorstand zu prüfen, ob Frau Kubina gegenüber der FAZ eine Gegendarstellung abgibt oder mindestens einen Leserbrief schreibt – hilfsweise bin ich bereit, einen solchen Leserbrief zu unterzeichnen. [...] gez. Prof. Dr. Manfred Wilke Mitglied des Stiftungsrates [...]

Zum Schluß noch ein Hinweis für unsere Abonnenten: Dieser Ausgabe liegt ein Faltblatt des Archivs Bürgerbewegung Leipzig e.V. bei.

Im Namen der Redaktion
Werner Kiontke

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