HEFT 02/2000 | Besetzung der Stasi-zentrale Berlin | SEITE 1

 

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

Hauptthemen dieses Heftes sind Ereignisse vor etwa zehn Jahren: die Besetzung der Stasi-Zentrale in Berlin im September 1990 sowie der anschließende Hungerstreik und die Mahnwache.

Wir sind uns natürlich im klaren darüber, daß das, was wir hierzu auf den folgenden 41 Seiten ausbreiten, nur der Versuch eines ersten Überblicks sein kann. Schon alleine eine wirklich zuverlässige Chronologie des damaligenGeschehens zu erstellen – was von vielen angesprochenen Zeitzeuginnen und Zeitzeugen als besonders wünschenswert bezeichnet wurde –, hat die zeitlichen Möglichkeiten einer redaktionellen Recherche hoffnungslos überfordert. Immerhin sind wir zum Beispiel bei den Fotos auf Grund verschiedener Hinweise (besonders akribisch von Barbara Timm; aber auch auf Grund von Fernsehsendungen und Zeitungsartikeln) zu genauen Datierungen gekommen. Ein anderes Problem war die Frage – so berechtigt und einfach wie kompliziert: Wer gehörte eigentlich zu den Besetzerinnen und Besetzern? Es gibt vermutlich wenigstens drei sich im Detail unterscheidende Unterschriftslisten! – eine vierte, aber zugleich sehr verbreitete, ist die unvollständige Kopie der dritten... usw. Diejenigen, die damals dabei waren, werden sicher vermissen, daß bestimmte Vorkommnisse nicht dokumentiert sind: Zum Beispiel die heftigen Diskussionen, die u.a. Bärbel Bohley mit Joachim Gauck hatte und die eher harm- bis belanglosen Politikergespräche mit Oskar Lafontaine, Walter Momper, Gregor Gysi usw. – Uns kam es aber mehr darauf an, etwas von der Atmosphäre jener Tage, dem vielleicht letzten Aufbäumen und späten Erfolg der Revolution des Herbstes von 1989, zu vermitteln.Die Geschichte der Mahnwache, deren Bedeutung wir ansatzweise zu dokumentieren versuchen, muß später noch einmal genauer gefaßt werden.

Ein besonderes Dankeschön an Barbara Timm, ohne deren Fotos und deren Flugblattsammlung die Dokumentation, speziell zur Mahnwache, nicht hätte erstellt werden können. Herzlichen Dank auch an Sigrun Werner für die Fotos und die Videos der Besetzerinnen und Besetzer. Und eigentlich wie immer: Schön, daß es das Matthias- Domaschk-Archiv gibt!

Im Namen der Redaktion
Werner Kiontke

Inhaltsverzeichnis Heft 30