HEFT 01/2001 | Editorial | SEITE 81

 

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

als wir Ihnen im vorletzten Heft des letzten Jahres unsere Themenliste für dieses Jahr bekanntgaben, war uns natürlich nicht bis in die letzten Konsequenzen klar, welche Schwierigkeiten damit verbunden sind, zu versuchen, die jeweiligen Themen in ihrer Aktualität und Vielfalt darzustellen. Es war zum Beispiel beim Thema Vergangenheitsaufarbeitung in Osteuropa so, daß wichtige Artikel darüber zum Jahresanfang schon in anderen Zeitschriften erschienen waren. In Anlehnung an die Tagung der Evangelischen Akademie Berlin im Juni 2000 "Sammeln, Bewahren, Erinnern", versuchten wir unseren Blick über Europa hinaus, auf Beispiele der Wahrheits- und Versöhnungskommissionen weltweit und speziell auf Südafrika und Chile zu richten. Es ist wohl eine der angenehmsten Erfahrungen, zu sehen, wie sehr sich in verschiedenen Weltteilen das Herangehen und die Antworten auf Fragen nach Repression, Wiedergutmachung und Oppposition ähneln. Ja, daß ein Gedanke  überall oder sehr oft anklingt, ob nun in Südafrika, in Polen, in Rußland: Menschen, erzählt euch eure Geschichten selbst und laßt sie euch (also eure eigenen Geschichten) nicht von anderen erzählen oder interpretieren – von wem auch immer. Wir waren daher, in diesem Zusammenhang, sehr froh, daß uns Ralf Karolus Wüstenberg als Beispiel ein Protokoll für eine Anhörung vor der Wahrheitskommission in Südafrika übersetzte und uns zum Abdruck zur Verfügung stellte.

Dieses Heft ist das erste des zehnten Jahrgangs – eigentlich ein Grund zum Feiern oder auch nicht: Es ist so bedeutsam wie die Frage, wann denn nun wirklich das zweite Jahrtausend begonnen hat. Denn viel wichtiger ist doch: Ob und was wir zu sagen haben. Jedenfalls sind wir noch voller Elan und Ideen. Daß wir, um diese Ideen auch umsetzen zu können, unsere Redaktion erweitert haben, mögen Sie bitte dem Impressum entnehmen.
Und hier noch eine Bitte: das Heft 3 in diesem Jahr hat zum Hauptthema "Blick auf Berlin". Gemeint ist damit der Berlin-Zentrismus der DDR: Realität, Legenden, Vorurteile – aber mehr mit dem Blick aus der sogenannten Provinz. (Etwas ausführlicher dazu im Editorial des grünen Heftes mit dem Entwerter/Oder-Titelbild). Wir suchen dazu noch gehaltvolle berichtende, wissenschaftliche oder auch skurrile Beiträge.

Zum Schluß noch ein herzliches Dankeschön an unsere fleißigen und nimmermüden Korrekturleserinnen und Korrekturleser: Marie-Luise, Anke, Eva, Ronald und Fritzing (speziell zu den polnischen Sonderzeichen).
Etwa seit einem Monat sind wir auch im Internet präsent unter: www.buergerkomitee.org mit ausgewählten Beiträgen, eventuell notwendig werdenen Korrekturen und unserer seit Anfang des Jahres geltenden Anzeigen-Preisliste Nr. 1.

In der gleichen Web-Site, die von Uwe Boche gestaltet wurde,  erfahren Sie auch mehr über das Bürgerkomitee "15. Januar" e.V. und besonders über die vielfältigen Aktivitäten der vom Bürgerkomitee betriebenen Media­thek des Hauses 1.

Im Namen der Redaktion
Werner Kiontke

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