HEFT 03/2001 | Editorial | SEITE 81

 

Editorial

Bis vor einigen Wochen waren wir uns gar nicht so sicher, ob das Thema "Berlin - ‘Provinz‘" für einen thematischen Schwerpunkt in der H&G hinreichend ertragreich sein würde. Die Antworten auf unsere knapp zwei Dutzend Anfragen an mögliche Autorinnen und Autoren, von denen einige in überregionalen DDR-Basisgruppen tätig waren, bestätigen jedoch, daß es zu diesem Thema weitaus Interessanteres gibt, als das launige Aufwärmen immergrüner Ressenti­ments.

Zu keinem Zeitpunkt ließen wir uns vom Aberwitz leiten, das Thema erschließend abhandeln zu wollen. Wir hofften auf aussagekräftige Manuskripte und wurden auch nicht enttäuscht. So bietet die vorliegende Ausgabe eher eine Collage, die jedoch, wie wir meinen, den Vorwurf mangeln­der Authentizität nicht befürchten muß. Natürlich nehmen wir gern weitere Anregungen zu diesem Thema entgegen.

Unsere erste Ausgabe des neuen Jahres beschäftigt sich mit dem Thema: "Tote Zeit, verlorene Generation?" Nachdem in H&G bisher vor allem die Oppositions- und Repressionsgeschichte der 70er und 80er Jahre themati­siert worden ist, sollen nunmehr Aspekte der Zeit zwischen 1958 und 1968 im Vordergrund stehen.

Auch die H&G-Redaktion fühlt sich von den grauenhaften Terroranschlägen am 11. September in New York betroffen. Unsere Gedanken sind bei den Opfern. Anschläge solcher Art sind durch nichts zu rechtfertigen und müssen geächtet werden. Wer ein solch barbarisches Verbrechen begeht, kann nicht erwarten, daß er ohne Strafe bleibt. Wir sehen jedoch in der Einschränkung demokratischer Rechte und in Planungen für einen "Krieg der Kulturen" keinen Beitrag zu Förderung der Menschen und Bürgerrechte. Langfristig kann Terrorismus nur durch eine Wirtschaftspolitik, die weltweit tatsächlich auf Gleichberechtigung, auf die Emanzipation der Kulturen, Völker, Religionen und Geschlechter orientiert, ausgetrocknet werden. Kurzfristig ist die Suche nach den Tätern und ihre Anklage vor einem internationalen Strafgerichtshof die dringliche Aufgabe der internationalen Staatengemeinschaft. Noch im Schock über die Barbarei des Anschlags, fühlen wir uns in den Intentionen, wie sie auch in der Friedens- und Menschenrechtsbewegung beider deutscher Nachkriegsstaaten am Anfang der achtziger Jahre vertreten wurden, bestätigt.

Im Namen der Redaktion
Dirk Moldt

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