HEFT 04/2001 | Editorial | SEITE 81

 

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

als die Redaktion im vergangenen Jahr die Titelthemen für 2001 plante, schien das Thema "Volkspolizei" einfach zu beackern. Jeder gelernte DDR-Bürger hatte Erfahrungen mit den grünen Genossen sammeln können; warum sollte es dann schwierig sein, schnell und ausreichend Texte für diese Nummer zu bekommen? Wir wurden eines Besseren – oder vielmehr Schlechteren – belehrt. Es stellte sich heraus, daß: 1. sich nur wenige Wissenschaftler mit diesem Thema beschäftigen oder beschäftigt haben, 2. die Quellenlage nicht sehr rosig aussieht und 3. es keine eigenständigen Veröffentlichungen über die VP gibt. Vielmehr sind fast alle Aufsätze zur VP in verschiedenen Sammelbänden erschienen. Wir weisen unsere Leser ausdrücklich auf diese "Marktlücke" hin: Schreiben Sie DAS BUCH über die Volkspolizei.

Letztlich ist es uns doch gelungen, Ihnen hier mehr als nur Schnurren über die VP anzubieten. Thomas Lindenberger und Richard Bessel, zwei der produktivsten Autoren auf dem Gebiet, geben mit ihren Beiträgen einen Einblick in die Geschichte der Volkspolizei, Hartmut Rosinger benennt das Politische an der VP und Fabien Jobard beschreibt die Schwierigkeiten bei der Vereinigung der beiden Berliner Polizeien. Besonders möchten wir Sie auf den Aufsatz von Harry Ewert hinweisen, der anhand verschiedener Beispiele die Rolle des Ministeriums des Innern (MdI) als extrem wendefähige Stütze des SED-Machtapparates definiert.

Das zweite für uns wichtige Thema in diesem Heft ist die Innere Sicherheit. Wir werden das Gefühl nicht los, daß sich mit den Terroranschlägen vom 11. September so ziemlich alles begründen läßt: Über Konjunkturflaute und Massenentlassungen in nicht betroffenen Branchen bis zur Beschneidung des Rechtsstaates durch die Politiker und die Sicherheitsbehörden auf Gebieten, die nichts mit der Ter­rorismusbekämpfung zu tun haben. Es ist Weihnachtszeit, da dürfen sich BND, BKA, BfV und Bundeswehr noch schnell etwas aus dem "Otto-Katalog" bestellen. Lesen Sie dazu den Beitrag von Thilo Weichert und die Parabel von Christian Bommarius.

Zuletzt ein Wort zum EURO: Mit Preisen von 4,08 € (dem 1:1 umgerechnete Preis eines Heftes) oder ähnlich krummen Summen wird auf Dauer niemand rechnen. Deshalb runden wir von Anfang an, und das kostenneutral in beide Richtungen. Das Einzelheft wird in Zukunft 4,50 € und damit mehr, die Abonnements 15.-, 20.- und 25.- € und damit weniger kosten. Dies kommt unseren Stammlesern entgegen und macht das Abo gegenüber dem Einzelkauf attraktiver, was sich hoffentlich auch in den Abon­nenten­zahlen niederschlägt. Mit diesen kaufmännischen Betrachtungen wollen wir Sie nun in das Heft entlassen. Wir wünschen Ihnen ein Frohes Weihnachtsfest und viel Zeit zum Entspannen und Lesen.

Im Namen der Redaktion
Uwe Boche

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