HEFT 03/2002 | Editorial | SEITE 81

 

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

Anfang Juni war ich als Vertreter des Bürgerkomitees "15. Januar" beim 6. Kongreß der Opferverbände und Aufarbeitungsinitiativen in Leipzig. Eine der Veranstaltungen dort hat mich nachhaltig beeindruckt: die Aufführung des Films "Der Ober­schülerprozeß. Werdau/Sachsen 1951". Einer der damals verurteilten Werdauer Schüler, Achim Beyer, in diesem Heft als Autor präsent, war anwesend, stand für Fragen zur Verfügung. Es war zu spüren, wie nahe ihm diese ein halbes Jahrhundert zurückliegenden Geschehnisse immer noch gingen, wie tief und nachhaltig politisch motivierte Verfolgungen ins Leben eingegriffen haben.

Die Redaktion von "Horch und Guck" hat sich des Themas "Repressionsfolgen und ihre Überwindung" schon mehrmals ausführlich angenommen, zuletzt im Heft 33 (1/2001) unter dem Aspekt der Ver­gangenheitsaufarbeitung in Rußland und Osteuropa. An die Verantwortung für die jüngste Geschichte und deren Folgen zu erinnern ist ja ein grundsätzliches Anliegen, ein ständiges Element unserer Redaktionsarbeit. Im Hauptteil des jetzigen Heftes steht ein spezieller Aspekt der Rehabilitierung im Vordergrund, der jedoch vom gesellschaftlichen Klima in Sachen Geschichtsauf­ar­beitung, dem wir uns hier ebenfalls widmen, nicht zu trennen ist: der Ausgleich der vielfältigen Benachteiligungen Verfolgter, die auch nach dem En­de der Ver­fol­gungszeit fortbestehen, die Rehabilitierung im engeren Sinne. Selbst da, wo unter hiesigen Bedingungen ein Ausgleich solcher Benachteiligungen am ehesten möglich ist, im finanziellen Bereich, sind die Regelungen unzulänglich. Obendrein werden sie von den Behörden, wie ich selbst erlebt habe, häufig zu Ungunsten der Betreffenden gehandhabt.

Dem Heft 2 hatte die Redaktion einen Fragebogen beigelegt, um die Meinungen der Leserschaft zur Qualität und zu den Schwerpunktsetzungen unseres Blattes zu erkunden. Eine Reihe zum Teil ausführlicher Antworten, denen wir wertvolle Hinweise entnehmen konnten, ist bereits eingegangen; wir hoffen, daß weitere folgen. Die Auswertung soll in Heft 4 erscheinen.

Für Unterstützung und ausführliche Beratung habe ich dieses Mal meiner Kollegin Sybille Ploog von der Redaktion des "Stacheldraht" zu danken, für Hilfe bei der Bebilderung Herrn Jan Hoesch von der Roger-Loe­wig-Gesellschaft.

Im Namen der Redaktion
Erhard Weinholz


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