HEFT 01/2003 | Editorial | SEITE 81

 

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

mit diesem Heft haben wir uns einige Wochen verspätet. Grund dafür war die Arbeit an dem Sonderheft "Matthias Domaschk", das Anfang des Jahres erschien und unseren Abonnentinnen und Abonnenten kostenlos zugesandt wurde: als Dankeschön für alle, die der Zeitschrift - teilweise über Jahre hinweg - die Treue gehalten haben.

Die Landwirtschaft spielt in den Veröffentlichungen zur DDR-Geschichte eher eine geringe Rolle. Dies ist insofern erstaunlich, als die Bevölkerungsgruppe, die in diesem Hauptzweig der DDR-Volkswirtschaft arbeitete, recht umfänglich war und die Lage der gesamten Bevölkerung in hohem Maße vom Charakter der Landwirtschaftspolitik und den Ergebnissen der Agrarwirtschaft beeinflußt wurde.

Es bot sich daher an, im Hauptteil der vorliegende Ausgabe von "Horch und Guck" zu versuchen, einige besondere Phänomene der DDR-Landwirtschaft zu beleuchten. Zwei Themenkomplexe stehen dabei im Mittelpunkt und werden unter verschiedenen Aspekten behandelt: die SED-Agrarpolitik und die Kollektivierung in den 50er Jahren sowie die daraus resultierenden, bis in unsere Zeit weiterwirkenden Konflikte bei den LPG-Umwandlungen nach 1990.

Bei unseren Recherchen zu diesem Heft stießen wir u. a. auf ein Manuskript, das genau eines unserer Themen, die Kollektivierung, zum Inhalt hat: "DER WIDERSPENSTIGEN ZÄHMUNG 1960 - ein Schwank mit Musik von Wolf Biermann - Mitarbeit: Brigitte Soubeyran - für das BERLINER ARBEITER-STUDENTEN THEATER b.a.t". Wir wollten Hintergrundinformationen zu dem Stück liefern, dessen Aufführung seinerzeit verboten wurde, und wir hätten sehr gern zu Ihrer Belustigung, wir gestehen es, daraus zitiert. Leider verwehrte man es uns mit dem Hinweis, daß es bisher nicht publiziert worden sei. Immerhin ließ Wolf Biermann ausrichten, daß er selbst eine Veröffentlichung plane. - Also ist Erkenntnis und Amüsement nur aufgeschoben. Hoffentlich nicht so lange, bis keiner mehr weiß, was die Abkürzung "LPG" bedeutet.

Vor Biermann schon hat einer der Großen der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts sich vom Thema "Landwirtschaft im Sozialismus" inspirieren lassen - Bertolt Brecht. Leitspruchartig heißt's bei ihm: "Hinaus auf's Feld! / Kurz ist der Tag / Was ihr für Genossen seid / zeigt der Ertrag!"


Im Namen der Redaktion
Werner Kiontke

 

Inhaltsverzeichnis Heft 41