Heft 47/2004 | ddr - schulkonflikte | Seite 54- 61
Ulrich Wiegmann
Sicherungsraum Volksbildungswesen
Schule, Lehrerschaft und Staatssicherheit im bildungsgeschichtlichen Aufriss
Der Zugriff der DDR-Staatssicherheit auf das Schulsystem ist bislang in einem Maße als selbstverständlich vorausgesetzt worden, dass diese Annahme sogar für einen einschlägigen Buchtitel taugte.1 Dass die Stasi auch die Schule systematisch unterwandert hatte, scheint über jeden Zweifel erhaben. Der Verdacht, die Lehrerschaft habe intensiv mit der Stasi zusammengearbeitet, und die Mutmaßung, das herrschaftskonforme Volksbildungswesen sei mit dem Geheimdienst auf engste verstrickt gewesen, sind der Nachfrage kaum wert. So überrascht es dann doch, wenn im Ergebnis von Forschung die Schule lediglich für den Zeitraum ab den siebziger Jahren als ein bevorzugter Rekrutierungsraum jugendlicher IM vorgestellt und darüber hinaus über die sicherheitspolitische Kooperation mit dem Geheimdienst bei "besonderen Vorkommnissen" berichtet wird.2 Auch die vergleichsweise geringe IM-Quote in der Lehrerschaft irritiert.3 Andererseits hätte die inzwischen beschriebene Selbstdisziplinierung des Volksbildungssystems4 eine systematische und flächendeckende geheimdienstliche Aufmerksamkeit erst gar nicht veranlasst haben dürfen.
Die zugänglichen schriftlichen Quellen5 lassen ein kompromissloses Votum für eine dieser widerstreitenden Hypothesen nicht zu. Statt dessen dokumentieren sie die beinahe vier Jahrzehnte währende Geschichte gleichzeitiger Kooperation und Observation. Mit der hier folgende bildungsgeschichtlichen Skizze soll allerdings lediglich aufgewiesen werden, wie sich das Verhältnis von Staatssicherheit und Volksbildungssystem in den verfügbaren Dokumenten abbildet. Die Fragen etwa, auf welche Weise die Staatssicherheit in den Besitz der Informationen gelangte, welche Folgen die Berichterstattung für die Entwicklung des Schulsystems hatte, wie die Rekrutierung der Inoffiziellen Mitarbeiter unter der Lehrer- und Schülerschaft erfolgte oder wie das MfS seine Rolle als politische Polizei gegenüber dem Volksbildungswesen wahrnahm, sollen weitergehenden Untersuchungen und Darstellungen vorbehalten bleiben.
Schule und Staatssicherheit bis zum Mauerbau
Erwartungsgemäß ist das geheimdienstliche Interesse am Schul- und Hochschulwesen bereits für das Gründungsjahr des MfS nachweisbar. Erste überlieferte Gesamteinschätzungen der Situation im Volksbildungssystem datieren indes erst aus der Zeit vor und kurz nach dem Mauerbau. Von einer Kooperation mit Angehörigen des Volksbildungssystems über die "Abschöpfung" der GI (Geheime Informanten6 – U.W.) hinaus wird nicht berichtet. Vielmehr waren die Lehrer- und die Oberschülerschaft in das Visier der Staatssicherheit geraten. Vor allem das Ausmaß der Republikflucht von Angehörigen der "pädagogischen Intelligenz" hatte für angespannte Aufmerksamkeit gesorgt. Als entscheidende Ursache genannt wurde, "daß bei einer großen Zahl von Lehrern noch keine Klarheit über die Grundfragen der Politik der Partei und Regierung und der sich daraus ergebenden Maßnahmen und Perspektiven (polytechnischer Unterricht, Wissenschaftlichkeit des Unterrichts auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus, Ganztagserziehung, Schulgesetz, Schulordnung u.a.) auf dem Gebiet des Schulwesens besteht".7 Dieses in den fünfziger Jahren immer wieder zu hörende Urteil deckte sich mit der gängigen Bewertung durch die SED-Führung.8 Ob diese auf die Dienstleistung des MfS bei der Formulierung der notorischen Klage angewiesen war, lässt sich schwerlich entscheiden. Die Staatssicherheit jedenfalls erklärte letzten Endes die Lehrerbildner für den mangelnden Erziehungserfolg des pädagogischen Nachwuchses verantwortlich.9 Als Konsequenz stehe der sozialistische Erziehungsauftrag "bei vielen Lehrern nicht im Einklang mit ihrer inneren Überzeugung".10 "Ein bedeutender Teil der Lehrer" sei "mit den Grundfragen" der SED-Politik "nicht vertraut".11 Zudem verhalte sich ein größerer Teil des Lehrkörpers "zu den Fragen der politisch-ideologischen Erziehung der Schüler passiv", wenn Lehrkräfte nicht sogar z.B. das Verbot, "westliche Sender zu hören", ablehnen.12 Folglich diagnostizierte das MfS als "hauptsächlichstes Hemmnis bei der Durchsetzung der Schulpolitik" insbesondere an den Oberschulen "Mängel und Schwächen in der politisch-ideologischen und staatsbürgerlichen Erziehung" der Schuljugend. Eklatante Fehler wurden dem Unterricht in Staatsbürgerkunde und Geschichte attestiert.13
Die Berichterstatter des MfS verzichteten indes auf exakte Daten, die das beklagte Ausmaß unerwünschten, als gefährlich eingestuften Lehrerverhaltens hätten präzise belegen können. Statt dessen sollten üblicherweise vorgeblich typische Beispiele die schweren Vorwürfe stützen.
Der zuerst an Kurt Hager, den für Wissenschaft, Kultur und Bildung zuständigen Sekretär des ZK der SED, adressierte Bericht über die Lage an den allgemeinbildenden Schulen und an den Lehrerbildungseinrichtungen vom Juni 1962 markiert gleichsam den Gipfel und das Ende solcher Art geheimdienstlicher Lagebeurteilung. Zwar wurde in dieser Bilanz ca. ein Jahr nach dem Mauerbau erstmals eine gewisse Systematik angeboten, aber trotzdem keine neue Qualität erreicht. Die auf 31 Schreibmaschinenseiten zusammengedrängten Informationen über unzählige Vorkommnisse illustrieren in der Summe einen vorgeblich unverändert desolaten Zustand des Volksbildungssystems, für den allerdings der Adressat in seiner Funktion als Leiter der in diesen Jahren schulpolitisch allmächtigen Schulkommission beim ZK der SED14 zuallererst selbst verantwortlich zu machen gewesen wäre. Jedoch hatte die SED ausgerechnet unter Hagers unmittelbarer schulpolitischer Führung und unter weitgehender Ausschaltung des Ministeriums für Volksbildung an der Wende von den fünfziger zu den sechziger Jahren ihre Linie im Bildungswesen endgültig durchsetzen können. Der Bericht steht somit in krassem Gegensatz zu den tatsächlichen Resultaten der sozialistischen Entwicklung des Schulwesens in diesen Jahren,15 auch wenn die Vorkommnissammlung von Widerständen und Widersprüchen erzählt.
Die Beispiele, die der Geheimdienst für alle ausgemachten "Tendenzen" und "Erscheinungen" jeweils als repräsentativ vorstellte, kamen aus fast allen Regionen der Republik. Die Notwendigkeit flächendeckender Lagebeobachtung stand somit außer Frage, zumal die Vorkommnisdichte mitunter auf eine vorgebliche, aber nicht einmal ansatzweise bewiesene "Feindeinwirkung" zurückgeführt wurde. Ohnehin schien die im Statut des MfS verankerte Generalvollmacht, "alle Versuche, den Sieg des Sozialismus aufzuhalten oder zu verhindern – mit welchen Mitteln und Methoden es auch sei –, vorbeugend und im Keim zu ersticken", den Zugriff auf das Volksbildungssystem hinreichend zu rechtfertigen.16
Diese Anmaßung war kompromisslos. So beklagte der Bericht über die Lage unter der pädagogischen Intelligenz aus dem Jahre 1962, "daß es bisher die Lehrerkollektive und Schulleitungen aller Oberschulen und Institute für Lehrerbildung nicht verstanden haben, das Interesse sämtlicher Schüler und Studenten an den Unterrichtsfächern Gesellschaftswissenschaften und Russisch zu wecken."17
Mit dem Ende der Lagebeurteilung in dieser für die fünfziger Jahre charakteristischen Weise hörte die eigentümliche geheimdienstliche Kritik nicht auf. Vielmehr wiederholten sich die mittlerweile standardisierten Klagen auch in den weiteren Lageberichten bis gegen Ende der DDR. Durch die Schwerpunktverlagerung hin zur "Bearbeitung" "negativ-dekadenter" und "feindlicher" jugendlicher Subkulturen sowie durch den Verzicht auf das bis dahin üblich gewordene Konglomerat vorgeblich typischer Beispiele für einen angeblich im Ganzen unheilsschwangeren Zustand des Bildungssystems nahmen sich die Einzelklagen in der Folge lediglich weniger dramatisch aus.
"Politisch-operatives Zusammenwirken" in spannungsarmer Zeit
Je mehr es jedoch nach der Abriegelung der DDR gegenüber dem Westen und insbesondere seit der Übergabe des Ministeramtes an Margot Honecker 1963 tatsächlich gelang, das Schulsystem in der Regie des Ministeriums für Volksbildung (MfV) zuverlässig politisch zu sichern, desto deutlicher trat nicht nur der SED-Apparat von seiner ansonsten beanspruchten führenden Rolle zurück.18 Auch für eine flächendeckende geheimdienstliche Überwachung existierten fortan schwerlich hinreichende sicherheitspolitische Argumente. Geheimdienstliche Lagebeurteilungen gerieten nun moderater, betrafen nicht mehr das System an sich und im Ganzen, sondern zunehmend nur noch "einige" Schulen, Personen und "Erscheinungen". Der bis dahin für selbstverständlich gehaltene Sicherungsauftrag des MfS gegenüber dem Volksbildungssystem war unter der Hand in Frage gestellt.
Als Antwort auf dieses unterschwellige Legitimitätsproblem kristallisierte sich ein verändertes Verständnis von der Verantwortung des MfS für die öffentlichen Erziehungsverhältnisse heraus. Das Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungssystem vom 25. Februar 1965 bot die geeignete Rechtsgrundlage dafür, die geheimdienstliche Rolle als arteigenen Beitrag zum Zusammenwirken aller staatlichen Institutionen, gesellschaftlichen Organisationen und der Familie "bei der sozialistischen Bildung und Erziehung" zu deuten.19 Dieses Selbstverständnis etablierte sich nachhaltig. Noch Mitte der achtziger Jahre rechtfertigte ein MfS-Mitarbeiter seine "vorbeugende und zurückdrängende politisch-operative Arbeit ... unter der Schuljugend" mit der Floskel von der "gesamtgesellschaftlichen Verantwortung aller Erziehungsträger und in diesem Rahmen durch die spezifische Verantwortung für die klassenmäßige Erziehung der jungen Generation".20
Im Zusammenhang mit dem veränderten Selbstverständnis wurde nach dem Mauerbau auch die Grundfunktion des MfS in Bezug auf das Schulwesen neu bestimmt. Sie verlagerte sich von der Aufklärung systemeigener Gefahren, die angeblich von einer beunruhigend großen Zahl resistenter, die Erziehungsambitionen des Staates ablehnender Schüler(inne)n und Lehrer(inne)n ausgingen, hin zur Abwehr der politisch-ideologischen Diversion (PID) des Westens.21 Beobachtete "Fehlentwicklungen" galten entweder als "Wirkungserscheinungen" der PID, oder sie wurden zu den sie begünstigenden Bedingungen gerechnet. "Die pädagogische Intelligenz und die Jugend" schienen trotz hermetisch gesicherter Staatsgrenze zu bevorzugten "Zielgruppen des Gegners" geworden zu sein. Die Behauptung, dass sich "in der Vielfalt der Vorkommnisse im Bereich Volksbildung/Schulen ... auch die Vielfalt der Wirkungserscheinungen der PID" zeige,22 besaß nach dem Machtwechsel von Walter Ulbricht zu Erich Honecker möglicherweise den zusätzlichen Vorteil, angeblich sicherheitspolitisch relevante Tatsachen nicht der zur mächtigen "First Lady" aufgestiegenen Volksbildungsministerin anlasten zu müssen.
Auch nach dem Mauerbau wurde zwar unablässig über einen unzureichend entwickelten "Klassenstandpunkt bei verschiedenen Lehrern und Erziehern", das "Ausweichen vor Auseinandersetzungen mit aufgetretenen feindlich-negativen Argumenten des Gegners" und die "Konzentration auf eine reine (nur fachliche) Wissensvermittlung durch einzelne Lehrer und Lehrausbilder" berichtet.23 Hinzu kam aber seit den sechziger Jahren die Klage über ungenügenden pädagogischen Takt und fehlende Rücksichtnahme auf die jugendliche Psyche: "Mangels wirksamer Überzeugungsmittel" würde Jugendlichen "mit unpädagogischem und drohendem Auftreten begegnet".24 Berichte über unterrichts- bzw. fachdidaktische und pädagogische Unzulänglichkeiten mehrten sich. Das unterdessen gewachsene allgemeine Qualifikationsniveau der geheimdienstlichen Berichterstatter und vornehmlich das an der Juristischen Hochschule des MfS betriebene Studium jugendpsychologischer Standardliteratur förderten die Kritikbereitschaft und -fähigkeit. Als häufige Mitursache des Fehlverhaltens von Schülern diagnostizierten die Berichterstatter fehlenden pädagogischen Sachverstand und mangelndes Feingefühl. Mitunter stellten sie ein gestörtes Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern fest:
"Diese Lehrer und Erzieher erfassen zum Teil nicht die besondere Problematik des Umgangs mit Schülern (besonders höherer Klassen) und Lehrlingen und reagieren auf bestimmte für die jeweilige Altersgruppe typische Erscheinungen falsch. Einige Lehrer erkennen offensichtlich auch nicht, welche Wandlungen sich in der Persönlichkeit, den Interessen, Neigungen und Einstellungen der Schüler über längere Zeit vollziehen".25
Geheimdienstmitarbeiter kritisierten ebenfalls, wenn Pädagogen den Jugendlichen "die nötige Anerkennung ... versagt(en)" und sie von Lehrern und Erziehern nicht als gleichwertige Gesprächspartner akzeptiert würden. In ihrem Streben nach Anerkennung reagierten manche Jugendliche mit "rowdyhaften Verhaltensweisen".26
Beanstandet wurde in den achtziger Jahren auch, dass Chancen zur Einflussnahme auf Jugendliche in öffentlichen Erziehungseinrichtungen nicht hinreichend verwertet würden. Eigenen Untersuchungen zufolge würden sich gesellschaftswidrige Verhaltensweisen im Verlaufe von vier bis sechs Jahren "zu einer verfestigten feindlich-negativen Haltung" entwickeln. Dies aber wären dieselben Zeiträume, in denen "zumindest ein Teil dieser Jugendlichen für die sozialistische Gesellschaft zurückzugewinnen" gewesen wäre.27
Kontinuierlich wiederum blieben die Beschwerden über "einzelne" Lehrer und Schüler der Vorstellung verpflichtet, unerwünschtes Verhalten habe seine Hauptursache im Nichtwissen. Für die beobachtete Nonkonformität heranwachsender Staatsbürger meinten MfS-Mitarbeiter daher die Vernachlässigung der staatsbürgerlichen Schulung und Erziehung gegenüber der fachlichen Ausbildung mitverantwortlich machen zu müssen.28 Immer wieder monierten Geheimdienstangehörige einen "zu geringe(n) Einfluß von marxistisch-leninistischen Grundlagenfächern". Bei "angefallenen" Jugendlichen wären häufig "kaum Erkenntnisse zum Verständnis gesellschaftlicher Prozesse vorhanden".29 Allerdings bedauerte ein MfS-Offizier auch, "daß die politische Wissensvermittlung nach wie vor vielfach den Staatsbürgerkundelehrern überlassen wird und die Möglichkeiten der Fachlehrer ungenügend genutzt werden".30 Ausnahmsweise wurden straffällig gewordene Jugendliche sogar durch das Argument entlastet, dass erst im Alter von 14 Jahren im schulischen Staatsbürgerkundeunterricht Rechtskenntnisse vermittelt würden.31 Die allgemeine Hoffnung, eine effiziente politisch-ideologische Erziehung vor allem im Geschichts- und Staatsbürgerkundeunterricht würde dazu befähigen, "den Einwirkungen des Feindes, wie er auch immer auftreten mag, entgegentreten zu können",32 starb erst mit dem Untergang der DDR.
Der "Sicherungsbereich Volksbildung" im Zeichen von Glasnost und Ost-West-Entspannung
Werden die überlieferten Archivalien als Indiz für die Intensität der Überwachung des Volksbildungssystems durch die Staatssicherheit genommen, dann hatte das geheimdienstliche Interesse hier seit etwa Mitte der sechziger und besonders in den ersten siebziger Jahren deutlich nachgelassen. Selbst die Niederschlagung der Reformbewegung des Prager Frühlings – zynisch unter dem Decknamen "Genesung" betrieben –, führte zu keiner nachweislichen Vorkommnishäufung. Die Pädagogischen Kongresse, die in diesem Jahrzehnt veranstaltet wurden, berichteten ohnehin von stetem Erfolg. Am Beginn der siebziger Jahre beobachtete Entwicklungen kündeten von einem unaufhaltsamen Voranschreiten des Sozialismus in der DDR, während der von W. I. Lenin vorausgesagte Fäulnisprozess des Kapitalismus die baldige Überlegenheit des Realsozialismus lediglich zu einer Frage der Zeit zu machen schien.33 Dem alles in allem reibungsarm funktionierenden Bildungssystem mangelte es an sicherheitspolitischer Brisanz, zumal der für dieses Jahrzehnt beschriebene Beginn des Mentalitätswandels der Heranwachsenden erst schrittweise auch in den Schulen als problematisch erfahren wurde.
Als der VIII. Pädagogische Kongress 1978 gleichsam das Ende dieses in sicherheitspolitischer Beziehung spannungsarmen Jahrzehnts einläutete, waren auch den Verantwortlichen im MfV nicht alle Wandlungen im Generationenverhältnis entgangen. Selbst in der betont optimistischen Ansprache Margot Honeckers wurden einzelne "Fehlentwicklungen" eingeräumt, auch zeitweilige Schwierigkeiten und Misserfolge.34 Die erlesenen Delegierten des Kongresses reagierten dem Protokoll nach auf das Eingeständnis beifällig. Dabei hatte sich das systembedrohliche Konfliktpotenzial des obligatorischen Wehrkundeunterrichts in den Schulen noch kaum gezeigt.35
Bis zur Mitte der achtziger Jahre nahm den überlieferten Quellen zufolge das Interesse der Staatssicherheit am Bildungssystem wieder deutlich zu. In der Wahrnehmung des MfS hatte die politisch-ideologische Diversion des Gegners "einen Teil" der Jugendlichen in der DDR erreicht. Es war die Rede von der "steigenden Verantwortung für die Sicherung der Jugendpolitik".36 Die jahrelange relative Enthaltsamkeit nötigte nun zu systematischen Bestandsaufnahmen. Sie dokumentieren das inzwischen entstandene beachtliche Defizit an Informationen über die Funktionsweise des Bildungssystems. Charakteristisch für die Mitte des Jahrzehnts sind Inventuren über "Objekte" im "Sicherungsbereich Volksbildung" des jeweiligen "Verantwortungsbereichs" und Funktionsanalysen des Systems. 1987 erklärte der Leiter der Linie XX/8 die Staatssicherheit "operativ" "objektmäßig zuständig gegenüber
– dem Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen, seinen nachgeordneten Einrichtungen und die dem Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen unterstehenden Universitäten, Hoch- und Fachschulen sowie Akademien
– dem Ministerium für Volksbildung, der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften, den 9 Pädagogischen Hochschulen und weiteren dem Ministerium für Volksbildung nachgeordneten Einrichtungen bis zu den 5895 allgemeinbildenden Schulen."37
Gut nachweisbar ist diese Entwicklung für die Stadt Dresden. Zum Sicherungsbereich Volksbildung dieser sächsischen Metropole zählte die Staatssicherheit mit dem Stand vom Jahresende 1985 147 Polytechnische Oberschulen, 6 Erweiterte Oberschulen, 247 Kindergärten, 9 Heime der Jugendhilfe und 4 Kommunale Berufsschulen, in denen insgesamt 75 619 Personen arbeiteten, lernten oder untergebracht waren. In die Kategorie "Auswirkungen der politisch-ideologischen Diversion" gerechnet wurden im Jahr 1985 18 "politische Provokationen" ("Fehlverhalten und Schmierereien"), 5 erfolgreiche und 6 unterbundene Fälle von Republikflucht, 38 "Übersiedlungsersuche" in den Westen und 61 registrierte Delikte in der Kategorie "Allgemeine Jugendkriminalität", wobei die Zahl der tatsächlichen, aber durch die Schuldirektoren nicht angezeigten Rechtsverletzungen weitaus höher eingeschätzt wurde. Besonders beunruhigte, dass der noch zu Beginn der achtziger Jahre rückläufige Trend in der Jugendkriminalität sich nicht weiter fortsetzte und vor allem die Zahl der Delikte "Benutzen von KfZ und Rowdytum" 1985 um beinahe 10 Prozent angestiegen war.
Für sicherheitspolitisch bedeutsam angesehen wurde ebenfalls, dass alle Antragsteller auf Übersiedlung in den Westen jünger waren als der Staat, dem sie entkommen wollten. Es handelte sich also durchweg um "Personen, die die Schulen unserer Republik besuchten, ausgebildet wurden und studiert haben". Auch die Übersiedlungsersuche von "pädagogischen Kräften" hatten zugenommen.38 Schüler, die an der Republikflucht gehindert wurden, gaben bei ihrer Vernehmung zu Protokoll, "›freier‹ leben" zu wollen. Gemäß geheimdienstlicher Interpretation verstanden sie darunter, "dass sie nicht ›bevormundet‹ werden bzw. gesagt bekommen, was sie zu tun hätten, sondern allein nach ihren Vorstellungen leben könnten".39 Die Zeichen, die Margot Honecker noch 1978 als ein wachsendes Drängen nach größeren jugendlichen Gestaltungsspielräumen gedeutet hatte,40 wiesen in der Wahrnehmung des MfS auf beunruhigende Reibungsverluste, wenn nicht gar auf gefährliche Misserfolge des Volksbildungssystems hin.
Dass in den achtziger Jahren ausgerechnet auch aus den Reihen der ansonsten ausgesprochen dienstbaren Lehrerschaft Anträge auf Übersiedlung vor allem in die Bundesrepublik gestellt wurden, veranlasste die Kreisdienststelle Dresden Stadt zu einer außerordentlichen und ungewöhnlich aufwändigen "Sicherheitsüberprüfung" von ausgewählten Pädagogen mit persönlichen Kontakten zu Verwandten in der Bundesrepublik oder zu Bürgern anderer nichtsozialistischer Staaten.
Die Analyse erbrachte, dass es "in der schulischen Aufgabenerfüllung ... bei den meisten Lehrern keine größeren Probleme (gibt), was die Vermittlung des Lehrstoffes betrifft". Allerdings wäre bei der Hälfte der überprüften Pädagogen "eine politische und gesellschaftliche Inaktivität vorhanden". "Fast 80% der Lehrer" hätten ihre "Verbindungen dazu genutzt, ihren materiellen Lebensstandard zu heben". Ein nicht näher quantifizierter "Teil der Lehrer" vertrete "kleinbürgerliche Ansichten in Bezug auf das persönliche und gesellschaftliche Leben".41
Als Rechtfertigung für das gewachsene sicherheitspolitische Interesse der Staatssicherheit am Volksbildungssystem taugte die Analyse mindestens in zweierlei Hinsicht. Zum einen konnten die Ergebnisse bedenkenlos hochgerechnet werden auf alle Lehrer der Stadt, insofern das Auswahlkriterium ohne eine Vergleichsuntersuchung beliebig, zufällig blieb und lediglich dem Zweck gedient haben mochte, nicht alle der rund 4 700 Lehrer Dresdens einer "Sicherheitsüberprüfung" unterziehen zu müssen. Zum anderen ließ sich damit ein ohnehin seit Jahrzehnten unterstellter Einfluss auf das politische und erzieherische Engagement der Lehrer für den Fall intensiver Westkontakte ohne weiteres beglaubigen.
Die Lagebeurteilungen aus den letzten beiden Jahren der Existenz des MfS schließlich gestanden mindestens implizit die über Jahrzehnte vergebliche sicherheitspolitische (Liebes-) Müh’ ein. Die mitunter in Berichten auch zugegebene eigene Unfähigkeit, die SED-Jugendpolitik noch sichern zu können,42 hatte geradezu zwangsläufig nach den Ursachen und Bedingungen für die wachsenden Schwierigkeiten fahnden lassen. Zwar wurden diese nach wie vor primär der politisch-ideologischen Diversion angelastet, aber auch dem Volksbildungssystem und vor allem der Schule attestierten MfS-Mitarbeiter jetzt wieder und sogar mit abnehmender Zurückhaltung, versagt zu haben. In ihren Analysen räsonierten sie, dass die Schule dem "politisch-ideologisch" resistenten Verhalten Heranwachsender nicht konsequent genug begegnet sei.43 Lehrer machten kein Geheimnis mehr daraus, "Schülern überzeugende Antworten auf ihre Fragen" nicht mehr geben zu können.44
Auch eine ebenso realitätsferne wie abenteuerliche Selbstgefälligkeit wurde nun rückhaltlos moniert. Beispielsweise beschrieb eine Studie, dass ein Skinhead die Schulpraxis "zynisch diskutiert", die dem Faulsten noch die Versetzung erlaubt, "weil es keine Sitzenbleiber geben darf".45
Während sich gegen Ende der DDR die Einsicht durchzusetzen begann, dass das Volksbildungssystems der Strahlkraft des Westens immer wenig entgegen zu arbeiten vermochte, ging nach dem Urteil der Staatssicherheit andererseits von den Bildungseinrichtungen immerhin keine Existenzbedrohung für den Staat aus. Die Selbstdisziplinierung des Systems funktionierte bis zum Zusammenbruch des realsozialistischen Staates, auch wenn Anzeichen sich mehrten, die von einer Erosion traditioneller Dienstbeflissenheit des Lehrpersonals kündeten.46
"Stimmungen und Meinungen" im Jahr des Mauerfalls
Noch im Frühjahr 1989 konnte das MfS mit Blick auf die Schule im Großen und Ganzen eine sicherheitspolitisch unbedenkliche Lage vermelden. In Vorbereitung auf den für Juni 1989 einberufenen und mit großem Aufwand vorbereiteten IX. Pädagogischen Kongress hatte sich allerdings geheimdienstlichen Berichten zufolge eine kritische Erwartungshaltung aufgebaut. So würde ein nicht näher quantifizierter Teil der Lehrerinnen und Lehrer vermuten, dass die wirklichen Schwierigkeiten einmal mehr nicht angepackt werden. Zu diesen wichtigsten Problemen des Volksbildungswesens gerechnet würden von den Pädagogen vor allem die angeblich geringe gesellschaftliche, gemeint war die nicht zufrieden stellende finanzielle Honorierung der eigenen Leistungen, die rigide reglementierte und daher selbstbetrügerische Leistungsbewertung (Zensierung und Versetzung), die übergebührliche Inanspruchnahme des pädagogischen Personals in den Schulferien und im Vorrentenalter, die Einführung des unterrichtsfreien Samstags und die ungenügenden pädagogischen Differenzierungsmöglichkeiten des Einheitsschulsystems. Bedrohlich wirkte das nicht.
Sicherheitspolitisch beunruhigen dürfen hätte allenfalls das ausnahmsweise geforderte Mitspracherecht bei der Berufung von Direktoren und das mehrfach laut gewordene Verlangen nach Durchsetzung des Leistungsprinzips.47 Wiederum beschwichtigend konnte das MfS vermelden, dass das Gros der Lehrerschaft auch wenige Tage vor dem IX. Pädagogischen Kongress "die praktizierte Politik von Partei und Regierung" der DDR sogar begrüßen würde.48
Nach dem Kongress registrierte das MfS fortgesetzte "Angriffe von feindlich-negativen Kräften auf die Bildungspolitik". Die zuständige Hauptabteilung XX informierte intern darüber, "dass sich die feindlich-negativen Kräfte nach wie vor intensiv darum bemühen, Mitarbeiter des Bildungswesens unterschiedlicher Ebenen für ihre Aktivitäten zu interessieren und zur Unterstützung zu gewinnen". Das sei ihnen "bislang allerdings nicht gelungen". Lediglich aus Leipzig wurde bekannt, dass eine Lehrerin und ein Lehrer als Mitglieder einer regimekritischen Basisgruppe sich zum Zwecke der "Abfassung eines Schreibens an den Pädagogischen Kongreß" in der Nikolaikirche eingefunden hatten.49 Nicht ohne weiteres vertraute das MfS zudem "intern vorliegenden Hinweisen" darauf, dass bereits im März 1989 in der Berliner Golgathakirchgemeinde auch "15 im Bereich Volksbildung tätige Personen" an einer Veranstaltung zum Thema "Konzepte und Zielstellungen in der Volksbildung" teilgenommen hatten.50 Statt dessen wusste die Abteilung XX der BV Berlin zu berichten, dass eine Schuldirektorin aus Berlin-Marzahn auf einem "Forum zu Volksbildungsfragen" des "Friedenskreises Weißensee", das vom 26.-28. Mai 1989 stattfand, die herrschende Bildungspolitik gegen die Kritik aus den Reihen der DDR-internen Opposition verteidigt hatte.51
Am Schuljahresende 1988/89 schätzte die Staatssicherheit die Situation im "Sicherungsbereich" Volksbildung nach wie vor "insgesamt als stabil" ein. "Politisch-negative Diskussionen aus Kreisen der pädagogischen Intelligenz (wurden) nur in äußerst geringem Umfang bekannt".52 Lagebeobachter befürchteten jedoch, dass gegnerische Argumente früher oder später auch in der Pädagogenschaft Gehör finden könnten.
Mit schwerwiegenden Konflikten war allerdings angesichts der bevorstehenden langen Sommerferienzeit in den Monaten Juli und August 1989 kaum zu rechnen. Erst als sich das Lehr- und Erziehungspersonal zu Schuljahresbeginn 1989/90 größtenteils wieder einfand, war die kleine pädagogische Welt der DDR eine andere geworden. Das noch auf dem Pädagogischen Kongress gelobte, mehr als vierzig Jahre währende Erziehungsprojekt war im Sommer 1989 medienwirksam implodiert: Tausende über Jahre umsorgter jugendlicher und jungerwachsener Hoffnungsträger53 hatten sich unübersehbar einer realsozialistischen Gegenwart und Zukunft verweigert und vor den Augen der Weltöffentlichkeit die Flucht in den Westen angetreten.
Bald nach Schuljahresbeginn steuerte die Ausreisewelle ihrem Höhepunkt zu. Am 11. September 1989 hatte Ungarn seine Grenze für DDR-Flüchtlinge geöffnet. Immer mehr DDR-Bürger fanden Zuflucht in bundesdeutschen Botschaften. In den Lehrerkollegien wurde über das begonnene Ende politischer Gewissheiten heftig debattiert. Den in der MfS-Zentrale eingehenden Berichten zufolge bestimmte Anfang Oktober 1989 die Empörung "über Bürger, die die DDR illegal verlassen" hatten, die "Stimmungen und Meinungen". Allerdings wurde Kritik an der politischen Lethargie der Regierung lauter.54 Die Dienstpflichten blieben trotz allem weithin unverletzt. Beflissen nahm beispielsweise die Stasi Ermittlungen auf, nachdem der Stadtschulrat in Wismar darüber informiert hatte, dass an einer Schulturnhalle der sich schon wenig später bewahrheitende Satz geschrieben stand: "Leute bleibt hier, Erich geht sowieso".55
Eine auf den 6. Oktober 1989 datierte Information über "Stimmungen, Meinungen zur aktuellen innenpolitischen Lage" suchte die eigentümliche Verunsicherung "von Mitarbeitern aus dem Bereich Volksbildung (Berlin)" zusammenzufassen: Beherrschend sei die Auffassung, dass die Ausweisung tausender Botschaftsflüchtlinge – zumal in Relation zu den üblichen Haftstrafen für so genannte Grenzverletzer (Republikflüchtlinge) – nicht rechtens gewesen sei. Auch wollte man innerhalb der Pädagogenschaft offenbar einerseits noch glauben, dass die Fluchtwelle durch die bundesdeutsche Regierung angestiftet worden war. Gleichzeitig aber wurden bereits systemeigene Ursachen diskutiert. Die Regierung musste sich vor allem den immer lauter werdenden Vorwurf gefallen lassen, sich gegenüber der Realität zu verschließen und zu spät auf die Ausreisewelle reagiert zu haben.56
Mitglieder des Kollegiums einer Oberschule in Berlin-Marzahn hatten kurz vor dem 40. Jahrestag der DDR die Frage aufgeworfen, ob "wir in der Erziehung Fehler gemacht" haben. Immerhin seien jene, die "die Republik verlassen und sich vor den westlichen Medien produzieren", "junge Staatsbürger der DDR, die in unserer Republik aufgewachsen und erzogen" wurden. Der Berichterstatter ging ferner davon aus, "daß Unruhe und ,Bedenken‘ zur weiteren Verschärfung der Situation vorhanden waren". Lehrerinnen und Lehrer verlangten Reformen, und zwar "an erster Stelle die Durchsetzung des Leistungsprinzips". Außerdem hätten sie die Medienpolitik heftig kritisiert. Gewiss entwickelten sich "keine feindlichen Haltungen bzw. Auffassungen", doch die Stimmung wirkte "bedrückend". Gefragt wurde z.B.: ",Wie werden wir diese Situation bewältigen‘? Gelingt es der Partei- und Staatsführung, die unterschiedlichsten Auffassungen zur Entwicklung des Sozialismus in der DDR zum einheitlichen Handeln zusammenzuführen oder wird sich eine ,Opposition‘ formieren (Diskussion zum ‚Neuen Forum‘)".57
Mehrmals ist in solchen "Informationen" die Rede davon, dass die Personalveränderungen in der SED-Spitze vom 18. Oktober 1989 in Pädagogenkreisen im Allgemeinen positiv aufgenommen wurden. Von besonderem sicherheitspolitischem Interesse war offenbar, wie Lehrerinnen und Lehrer den Machtwechsel von Erich Honecker zu Egon Krenz beurteilten. Am 25. Oktober vermeldete auch die Hauptschulinspektion im MfV allgemeine Zustimmung zur Inthronisierung des langjährigen Kronprinzen. Das Wendeverhalten z.B. des langjährigen Gewerkschaftschefs Harry Tisch und des SED-Chefideologen Kurt Hager hingegen wurde den inoffiziellen Stimmungsberichten zufolge in der Regel kritisch bedacht. Der bis dahin unerhörte Fall einer Lehrerin, die den Gründungsaufruf des Neuen Forums in ihrem Unterricht zur Diskussion stellte und sich mit ihm identifizierte, war der BV Frankfurt/Oder noch am 17. Oktober 1989 eine Eilmeldung an die Zentrale in Berlin wert.58
Bis zur Öffnung der Berliner Mauer am 9. November 1989 hatte die Reformbereitschaft innerhalb der Lehrerschaft allen Berichten zufolge wohl Schritt gehalten mit den zögernden politischen Veränderungen ("von oben"). Voran war sie nicht gegangen. Sogar im Moment des Zusammenbruchs des alten Systems hatte das alles in allem loyale Verhalten der Pädagogenschaft also keinen geheimdienstlichen Handlungsbedarf provoziert. Mithin taugte nicht einmal der Herrschaftskollaps dazu, das jahrelange geheimdienstliche Misstrauen gegenüber dem Schulsystem rückblickend sicherheitspolitisch zu rechtfertigen.
Ulrich Wiegmann, geboren 1952, studierte Geographie und Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin, promovierte 1983 an der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften, habilitierte 1990 ebendort und arbeitet seit 1991 als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschungsstelle Berlin des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) Frankfurt a.M. Seit 1994 ist er zudem als Privatdozent an der Humboldt-Universität zu Berlin tätig. Außerdem arbeitet er als Lehrbeauftragter an der Technischen Universität Chemnitz. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Bildungsgeschichte im Nationalsozialismus und in der DDR.
Anschrift: Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung/Bildungsgeschichtliche Forschungsstelle, Postfach 17 11 38, 10203 Berlin.
1 Behnke, Klaus/Wolf, Jürgen (Hrsg.): Stasi auf dem Schulhof. Der Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch das Ministerium für Staatssicherheit. Berlin 1998.
2 Ebd., S. 21.
3 Untersuchungen gehen von einem Anteil zwischen 2,5 und 5 % aus. In der Polizei waren es 14 %, bei der Post über 21 % und bei der Armee 15 %. Plato, Alexander v.: "Entstasifizierung" im Öffentlichen Dienst der neuen Bundesländer nach 1989. Umorientierung und Kontinuität in der Lehrerschaft. In: Jahrbuch für Historische Bildungsforschung, Bd. 5. Bad Heilbrunn 1999, S. 313-342.
4 Geißler, Gert: Das schulpolitische System in der SBZ/DDR. In: Geißler, Gert/Wiegmann, Ulrich: Pädagogik und Herrschaft. Die parteilichen, geheimdienstlichen und vormilitärischen Erziehungsverhältnisse. Frankfurt a.M. 1996, bes. S. 153.
5 Zur Verfügung stehende Archivalien stammen überwiegend aus der Hauptabteilung (HA) XX und den Abteilungen XX der Bezirksverwaltungen, aber auch aus der HA bzw. den Abteilungen IX (Untersuchungsorgan), seltener aus den Kreisverwaltungen der Staatssicherheit. Produziert wurden zusammenfassende Einschätzungen überwiegend durch die AKG (Auswertungs- und Kontrollgruppe) der HA XX bzw. die ZAIG (Zentrale Auswertungs- und Informationsgruppe) des MfS. Für die Untersuchung des Verhältnisses von Pädagogik (d.h. im weitesten Sinne von Theorie und Praxis der Erziehung) und Staatssicherheit unverzichtbar sind zudem an der Juristischen Hochschule des MfS entstandene Habilitationen, Dissertationen, Diplom- und Fachschularbeiten.
6 Der Begriff Inoffizieller Mitarbeiter (IM) wurde erst 1968 verbindlich. Vgl. Müller-Enbergs, Helmut (Hrsg.): Inoffizielle Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit. Richtlinien und Durchführungsbestimmungen. Berlin 19962, S. 14.
7 BStU-A – Analyse zu Ursachen und Bedingungen der Republikflucht von Pädagogen (1960). Sign. MfS-ZAIG, Nr. 247.
8 Geißler, Gert: Geschichte des Schulwesens in der Sowjetischen Besatzungszone und in der Deutschen Demokratischen Republik 1945 bis 1962. Frankfurt a.M. 2000.
9 BStU-A – Analyse zu Ursachen und Bedingungen der Republikflucht von Pädagogen (1960). A.a.O., Bl. 91.
10 BStU-A – Materialien zum Problem der Republikflucht von Pädagogen aus dem Jahre 1960. MfS-Sekretariat des Ministers, Nr. 1228, Bl. 261.
11 BStU-A – Hinweise zur Lage an den Universitäten und Oberschulen vom 1.12.1961. Sign. ZAIG, Nr. Z 508, Bl. 17.
12 Ebd., Bl. 15.
13 Ebd., Bl. 14.
14 Mit der Schulkommission wurde anlässlich der Schulkonferenz der SED am 24. April 1958 ein Machtinstrument wiederbelebt, das auf höchster Ebene die Richtlinienkompetenz der SED in der Bildungspolitik nachhaltig sicherte. Vgl. Wiegmann, Ulrich: SED-Führung – Administration – erziehungswissenschaftliche Zentrale. Zur Entwicklung des Machtverhältnisses im Volksbildungsbereich der DDR an der Schwelle zur "entwickelten (real-)sozialistischen Gesellschaft". In: Transformationen der deutschen Bildungslandschaft. Lernprozeß mit ungewissem Ausgang. Hrsg. von Peter Dudek und Heinz-Elmar Tenorth. Zeitschrift für Pädagogik. 30. Beiheft. Weinheim und Basel: Beltz Verlag 1993, S. 75 - 88.
15 Durchgesetzt wurde insbesondere die Polytechnisierung der Allgemeinbildung und der Übergang zur zehnklassigen Pflichtschule. Am 1. September 1958 wurde der so genannte Unterrichtstag in der Produktion eingeführt und durch einen technologischen Unterricht ergänzt. Die dem am 2. Dezember 1959 in Kraft getretenen Gesetz über die sozialistische Entwicklung des Schulwesens zugrunde liegenden gleichnamigen Thesen entstanden ebenfalls unter Führung der Schulkommission. Ferner wurde die so genannte Volksdiskussion zum Schulgesetz und zum neuen Lehrplanwerk der zehnklassigen polytechnischen Oberschule durch die Schulkommission geleitet. Mit der Ernennung Margot Honeckers zur Volksbildungsministerin im Jahre 1963 verlor die Schulkommission rasch an Bedeutung.
16 Zit. in: Vollnhals, Clemens: Das Ministerium für Staatssicherheit. Ein Instrument totalitärer Herrschaftsausübung. Hrsg. vom Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU). Berlin 1995, S. 1.
17 BStU-A – "Die Lage unter der pädagogischen Intelligenz an den allgemeinbildenden polytechnischen und erweiterten Oberschulen sowie den Lehrerbildungs-Einrichtungen" vom Juni 1962. – Sign. Z 618, Bl. 16 (kursive Hervorhebung von mir – U.W.).
18 Geißler, Gert: Das schulpolitische System in der SBZ/DDR. A.a.O., S. 155.
19 Quellen zur Geschichte der Erziehung. Ausgewählt von Karl-Heinz Günther u.a. Berlin 19788, S. 539-546.
20 BStU-A – Körschner, Siegfried: Anforderungen an die operative Lageeinschätzung im Verantwortungsbereich der KD Delitzsch unter dem Aspekt der vorbeugenden Verhinderung und Bekämpfung der PID unter der Schuljugend sowie die zielgerichtete Suche und Auswahl jugendlicher IM-Kandidaten für die Bekämpfung der PID und den perspektivischen Einsatz in negativ-dekadenten Personenkreisen. Fachschulabschlußarbeit. Juristische Hochschule Potsdam 1985. Sign. JHS VVS 1939/84, Bl. 13.
21 BStU-A – Pommer, Heinz/Schäfer, Ewald/Schwanitz, Wolfgang: Die Qualifizierung der politisch-operativen Arbeit zur Bekämpfung von feindlichen Erscheinungen unter jugendlichen Personen in der DDR. (Forschungsergebnisse). 2 Bde. Juristische Hochschule Potsdam 1974. Sign. VVS MfS 160-817/72 S. 21.S. 48 ff u. 149 ff.
22 BStU-A – Häcker, Hans-Joachim: Die Befähigung und der Einsatz der IM/GMS aus dem Bereich Volksbildung/Schulen zur aktiven Bekämpfung und Zurückdrängung von Wirkungserscheinungen der politisch-ideologischen Diversion. Fachschulabschlußarbeit. Juristische Hochschule Potsdam o.J. (1977). Sign. JHS VVS 777/77.
23 BStU-A – Tendenzen der Wirkung der politisch-ideologischen Diversion des Gegners auf Jugendliche im Bezirk Frankfurt/O vom November 1978. Sign. MfS AKG, Nr. 501, Bl. 69.
24 BStU-A – Bericht über Gruppierungen Jugendlicher in der DDR vom November 1965. Sign. MfS-ZAIG Nr. 4608, Bl. 37f u. 55.
25 BStU-A – Bericht über einige politisch-ideologische Erscheinungen unter Schülern an Oberschulen, Erweiterten Oberschulen und Betriebsberufsschulen des Bezirkes Frankfurt (O) vom 19. Juni 1978. Sign. MfS AKG, Nr. 501, Bl. 192.
26 BStU-A – Münchow, Wilfried: Praktische Erfahrungen bei der Suche und dem Erkennen von geeigneten Ansatzpunkten einer eventuellen Bereitschaft Jugendlicher mit gesellschaftswidrigen Verhaltensweisen zur inoffiziellen Zusammenarbeit mit dem MfS. Fachschulabschlußarbeit. Juristische Hochschule Potsdam. Sign. JHS VVS 912/84, S. 25 f.
27 BStU-A – Übelacker, Heinz: Die zielstrebige Unterbindung und Zurückdrängung von Übersiedlungsersuchen Jugendlicher im Kreis Altenburg. Diplomarbeit. Juristische Hochschule Potsdam 1985. Sign. JHS VVS 341/85, Bl. 28 f.
28 BStU-A – Bericht über MfS-Untersuchungsverfahren gegen Schüler, Lehrlinge und Studenten im Zeitraum vom 1.1.1966 bis 31.10.1966 vom Januar 1967. Sign. MfS-HA IX, Nr. 11993 MF, S. 6.
29 BStU-A – Dießler, Hellfried: Pazifistische und pseudopazifistische Erscheinungen unter jugendlichen Personenkreisen im Raum Dresden und ihre differenzierte Bewertung im Prozeß der politisch-operativen Arbeit. Diplomarbeit. Juristische Hochschule Potsdam 1984. – Sign. JHS 20104, Bl. 20.
30 BStU-A – Henke, Frank: Hauptangriffsrichtungen und wesentliche Auswirkungen der von den Massenmedien der BRD ausgehenden politisch-ideologischen Diversion auf jugendliche Personenkreise in der vormilitärischen Ausbildung der GST unter den gegenwärtigen Lagebedingungen. Fachschulabschlußarbeit. Juristische Hochschule Potsdam 1986. - Sign. JHS-VVS 803/85, Bl. 16.
31 BStU-A – Kühn, Wolfgang: Das politisch-operative Zusammenwirken des MfS mit der FDJ und anderen jugendspezifischen gesellschaftlichen Organisationen zur vorbeugenden Verhinderung des feindlichen Mißbrauchs gesellschaftswidriger Verhaltensweisen Jugendlicher. Diplomarbeit. Juristische Hochschule Potsdam 1979. Sign. JHS VVS 338/79, Bl. 32.
32 BStU-A – Heinze, Bernd: Die Nutzung der Potenzen der Abteilung Volksbildung beim Rat der Stadt für die Lösung politisch-operativer Aufgaben. Diplomarbeit. Juristische Hochschule Potsdam 1986. - Sign. JHS VVS 765/85, Bl. 5.
33 Vgl. Honecker, Margot: Referat des Ministers für Volksbildung. In: VII. Pädagogischer Kongreß der Deutschen Demokratischen Republik vom 5. bis 7. Mai 1970. Protokoll. Berlin 1970, S. 35-95.
34 Honecker, Margot: Der gesellschaftliche Auftrag unserer Schule. In: VIII. Pädagogischer Kongreß der Deutschen Demokratischen Republik vom 18. bis 20. Oktober 1978. Protokoll. Berlin 1979, S. 56-118, insbes. S. 105-109.
35 Geißler, Gert/Wiegmann, Ulrich: Wehrfähig und allseitig. Zu einigen Aspekten der schulischen Wehrerziehung in der DDR. In Häder, Sonja/Tenorth, Heinz-Elmar: Bildungsgeschichte einer Diktatur. Bildung und Erziehung in der SBZ und DDR im historisch-gesellschaftlichen Kontext. Deutscher Studienverlag, Weinheim 1997, S. 99 – 118.
36 Heinze, Bernd: Die Nutzung der Potenzen der Abteilung Volksbildung beim Rat der Stadt für die Lösung politisch-operativer Aufgaben. A.a.O., Bl. 9 u. 11.
37 BStU-A – Spezielle Probleme der politisch-operativen Sicherung der Volksbildung und des Hochschulwesens sowie der Hochschulforschung. (Vortrag vor einem Fachschulfernstudienlehrgang am 8.4.1987). Sign. MfS-HA XX, Nr. 292, Bl. 2.
38 Ebd., Bl. 13.
39 Ebd., Bl. 12.
40 Honecker, Margot: Der gesellschaftliche Auftrag unserer Schule. A.a.O., S. 99.
41 BStU-A – Materialien und Berichte zu Vorkommnissen im Zeitraum 1984/85 im Bereich Volksbildung des Bezirkes Dresden. Sign. KD Dresden - Stadt, Nr. 64110, Bl. 46.
42 BStU-A – Einschätzung der HA XX zu aktuellen Erscheinungsformen gesellschaftswidrigen Auftretens und Verhaltens Jugendlicher vom 23.3.1989. Sign. MfS-HA XX/AKG, Nr. 448, Bl. 87.
43 BStU-A - Material der BV Halle des MfS betr. Analyse negativ-dekadenter Jugendgruppen vom November 1987. Sign. MfS-HA XX, Nr. 900.
44 BStU-A – Information betr. Erscheinungen und Vorkommnisse im Bereich Volksbildung des Rates der Stadt Schwerin vom 8. Dez. 1988. Sign. MfS-BV Schwerin/AKG, Nr. 18 b, Bl.120.
45 BStU-A – Problemhintergründe für die Lebensweise junger Bürger, die zu Punk- und Skin-Head-Gruppen gehören. O.O., o.J. (1987/88). MfS-HA XX/AKG, Nr. 482, Bl. 9.
46 Siehe auch Wiegmann, Ulrich: Die Lehrerschaft der DDR aus der Perspektive des MfS. Zu "Stimmungen und Meinungen" von Lehrerinnen und Lehrern im Zeitraum vom IX. Pädagogischen Kongreß bis zum Mauerfall. In: Häder, Sonja/Ritzi, Christian/Sandfuchs, Uwe (Hrsg.): Schule und Jugend im Umbruch. Analysen und Reflexionen von Wandlungsprozessen zwischen DDR und Bundesrepublik. Hohengehren 2001, S. 71-82.
47 BStU-A – Information betr. einige Aspekte der Reaktion ausgewählter Personenkreise zur Lage auf dem Gebiet der Volksbildung, verbunden mit Erwartungshaltungen an den 9. Pädagogischen Kongress vom 20. April 1989. Sign. MfS-BV Schwerin/AKG, Nr. 02 a.
48 BStU-A – Information betr. die sicherheitspolitische Lage in den Einrichtungen der Volksbildung im Bezirk Schwerin sowie weitere Reaktionen und Erwartungshaltungen an den 9. Pädagogischen Kongress vom 2. Juni 1989. Sign. MfS-BV Schwerin/AKG, Nr. 02 b.
49 BStU-A – "Machtstrukturen und Funktionsprinzipien der Volksbildung - Volksbildung im gesamtgesellschaftlichen Kontext". – Sign. MfS HA XX/4, Nr. 1804, Bl. 66.
50 BStU-A – Information über einige Aspekte zu Vorgehensweisen und Vorhaben politisch negativer und kirchlicher Kräfte in der DDR bezogen auf den IX. Pädagogischen Kongress im Juni 1989. – Sign. Z 3764.
51 BStU-A – "Machtstrukturen und Funktionsprinzipien der Volksbildung – Volksbildung im gesamtgesellschaftlichen Kontext". A.a.O., Bl. 21.
52 BStU-A – Information über politisch-operativ zu beachtende Probleme im Zusammenhang mit dem IX. Pädagogischen Kongress in der DDR. – Sign. MfS HA XX/AKG 88, Bl. 49 u. 53.
53 Vgl. Honecker, Margot: Unser sozialistisches Bildungssystem – Wandlungen, Erfolge, neue Horizonte. Organisationsbüro des IX. Pädagogischen Kongresses (Hrsg.): Bulletin Nr. 2. Berlin 1989, S. 2.
54 BStU-A – Information und Materialien über die Situation des Volksbildungswesens im Herbst 1989. Sign. MfS-HA XX, Nr. 4507, Bl. 3.
55 Ebd., Bl. 4.
56 Ebd., Bl. 8.
57 Ebd., Bl. 22.
58 BStU-A – Berichte zur Lage unter Lehrern im Herbst 1989. Sign. MfS-ZAIG, Nr. 20201, Bl.13.
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