Heft 49/2004 | Feuilleton | Seite 45 - 51
Reinhard Bernhof
RAUCHZEICHEN
(17. - 19. Dez. 1989)
Eine Frau rief mich an. War es am 17. Dezember? Am 18. Dezember? Sie wohne in Nähe der Emil-Fuchs-Straße und könne beobachten, daß dort unentwegt Qualm aus dem Schornstein einer Villa steige, Tag und Nacht, und wie es aussah, ginge es darin nicht mit rechten Dingen zu. Ein Gebäude der Staatssicherheit oder der Polizei mit aller Wahrscheinlichkeit ...
Warum rief sie mich an? Ich fragte nicht, ich versuchte Hubert Witt zu erreichen, ihn zu ermuntern mitzukommen, obwohl er nicht eben der Typ war, unvorbereitet an einer Aktion teilzunehmen. Witt, ehemaliger Lektor vom Reclam Verlag und Dozent für Weltliteratur am Literatur Institut in Leipzig, mit einem stets abwartenden und nachdenklichen Ausdruck, in dem ich zuweilen auch Mißvergnügen und Argwohn lesen konnte ... Wir waren befreundet und hatten uns auch einige Male bei der Montagsdemonstration getroffen. Er wohnte im selben Viertel wie ich, in Gohlis, und ich hätte in diesem Moment nicht gewußt, wen ich sonst anrufen sollte. Ich tat es zögerlich, da ich oftmals verunsichert war durch seine Skepsis und Einsilbigkeit, vielleicht sogar eingeschüchtert ... Wider Erwarten jedoch war er bereit mitzukommen, ohne zu fragen, was ich genau vorhätte. Er stand schon bereit, ich erkannte in der Dunkelheit seinen Umriß, als ich in der Nähe seiner Haustür in der Fechnerstraße am Schillerhain mit dem Auto hielt. Er lächelte sogar, als er einstieg.
Als ich unruhig losfuhr, begann er von allein zu sprechen. Wir diskutierten über Ceaucescues Flucht und alles, was plötzlich ins Rollen gekommen war. Er war von einer Munterkeit, wie ich sie vorher noch nie bei ihm erlebt hatte. Nun durchdrang es ihn, mußte ich denken, nun fühlte er sich beteiligt; vielleicht begaben wir uns aber in Gefahr ...
Die Anruferin wartete schon vor dem Gebäude, eine ältere Frau in einem taubenblauen Mantel. Seit Stunden beobachtete sie immer wieder den Qualm, der aus dem Kamin schlug. Sie zeigte hinauf, sicherlich würde dort etwas verbrannt, hundertprozentig würden hier Schriftstücke verbrannt. Wir klingelten mehrere Male am Tor - langanhaltend. Die Villa blieb dunkel, nur im obersten Geschoß, in einem der letzten kleinen Fenster, schimmerte Licht.
Ohne Staatsanwalt können wir nichts machen, sagte ich.
Hubert blieb zusammen mit der Frau vor der Villa stehen, ich fuhr währenddessen in die Braustraße. Im Raum des Bürgerkomitees saß eine langhaarige junge Frau an der Schreibmaschine und tippte. Ein Jugendlicher telefonierte. Ich fragte nach Frank Pörner, den ich vom Neuen Forum kannte. Er war nicht da.
Es klopfte an die Tür, ein Uniformierter der Nationalen Volksarmee trat herein. Ob ich vom Bürgerkomitee sei? Sein Gesicht finster, die Kiefer aufeinandergepreßt, rot die vor Aufregung gefärbten Backenknochen. Er sei empört über bestimmte Gerüchte in der Kaserne, zum Beispiel das eines Putsches. Was konnte er tun? Am liebsten hätte er einen Soldatenrat gegründet!
Ohne in diesen Sekunden gleich zu wissen, was ein Soldatenrat sei und was er bewirken solle und könne, sagte ich: Schreiben Sie einen Aufruf! Ein paar Zeilen. Lassen Sie das in der Kaserne kursieren und sammeln Sie Unterschriften. Die geben Sie im Bürgerkomitee ab. Machen Sie mit! Und dann sehen wir weiter.
Der Mann fragte mich nach meinem Namen. Ich nannte ihn. Er hob die flache Hand an die Schläfe, als wäre ich ein Vorgesetzter, und verließ den Raum. Innerlich lachte ich, denn ich hatte noch nie in meinem Leben eine Uniform getragen - und nun machte ein Uniformierter vor mir Männchen.
Ich fragte, ob wir einen Staatsanwalt zur Verfügung hätten. Die junge Frau schüttelte den Kopf, sie wisse nicht, wo einer zu erreichen sei. Der Junge hatte aufgehört zu telefonieren, sah mich neugierig an und fragte, ob er mitmachen dürfe. Ja, warum nicht, sagte ich.
Wir fuhren in Richtung Connewitz. Ein smogähnlicher Dunst, vermischt mit den Phenolgerüchen von Böhlen her, ließ den Dezemberabend besonders bedrückend wirken. Ich dachte erneut an Staatsanwalt Jürgen Hempel, der mir bereits in der Sache Loest geholfen hatte. Ich stand vor Hempels Wohnung und klingelte. Niemand rührte sich. Ich läutete gegenüber. Eine ältere Frau öffnete und sagte: Bestimmt sind Hempels beim Elternabend in der Schule. In welcher Schule, das konnte sie nicht sagen. Aus ihrem Wohnzimmer drang die Erkennungsmelodie der Tagesschau, mit der fast alle DDR-Bürger den allabendlichen Grenzübertritt am Fernsehschirm vollzogen.
Zusammen mit dem Jungen suchte ich mehrere Connewitzer Schulen ab. Nirgends ein erleuchtetes Klassenzimmer, ein Hinweis. Schließlich hielt ich erneut vor dem langen Wohnblock in der Dölitzer Straße, in dem der Staatsanwalt wohnte. Der Junge stieg aus und klingelte noch einmal heftig. Ich blieb im Auto sitzen. Nach wenigen Augenblicken trat zu meiner Überraschung der Staatsanwalt vor die Haustür. Der Junge begann aufgeregt mit ihm zu diskutieren und wies auf meinen Wagen. Ich war schon halb ausgestiegen und wollte Hempel die Situation erklären, da erkannte er mich, setzte sich sofort zu mir, faßte sich an die Brust und sagte: Mir fällt ein Stein vom Herzen. Ein Glück, daß Sie es sind. Ich dachte schon, der Junge hätte mir eine Falle gestellt und ich sollte entführt werden ... Ich stehe Ihnen jederzeit zur Verfügung.
Es könnte lange dauern, sagte ich.
Das macht nichts.
Ich sauste los, die Fritz-Austel-Straße entlang in Richtung Stadtzentrum. Die Reifen wimmerten oder kratzten wie Katzen auf einer Mauer, als wir scharf die Kurve an der "Runden Ecke" nahmen und endlich, die Jahn-Allee überquerend, in die Jakobstraße einbogen. Ich war gespannt, nun mit einem Staatsanwalt an der Seite, in diesem Villenrätsel herumzustochern ...
Die Frau im taubenblauen Mantel und Witt standen noch immer vor der Villa und blickten auf nach jedem Auto, das in die Emil-Fuchs-Straße einbog.
Endlich kommen Sie! rief mir die Frau beim Manövrieren meines Wagens auf dem Bürgersteig ins halboffene Fenster entgegen, ein wenig vorwurfsvoll, als säßen die Staatsanwälte im Bürgerkomitee nur so herum und warteten darauf, gefragt zu werden. Es qualmt immer noch, sagte sie und sah nach oben.
Aber sogleich verabschiedete sie sich eiligst und ging davon, als hätte sie ihre Pflicht erfüllt. - Verwundert blickten wir ihr hinterher.
Wir klingelten Sturm, rüttelten am Tor. Im Obergeschoß schimmerte nach wie vor hinter einem verhangenen Fenster mattes Licht.
Auf einmal standen wir alle im Hellen. Die Hofbeleuchtung war eingeschaltet worden, und ein breitschultriger Mann an der Haustür rief uns zu, daß wir schleunigst verschwinden sollten.
Schon gar nicht mit einem Staatsanwalt! riefen wir.
Neugierig kam der Mann ans Hoftor, blaue Arbeitsjacke, die Ärmel umgekrempelt, rußgeschwärzte Hände. Hempel hielt ihm seinen Dienstausweis entgegen. Bitte öffnen Sie! Aber der Mann, ohne die Situation zu begreifen, reagierte barsch, zornig, abweisend, stumpfsinnig, er wiederholte, daß wir hier nichts verloren hätten. Nach einer langen Schimpfkanonade hielt er inne, als sei er aus dem Stumpfsinn aufgeschreckt, und fragte plötzlich, was denn eigentlich los sei.
Verbrannt? Hier wird nischt verbrannt.
Unterlagen, Akten, sagte Witt.
Was denn für Unterlagen? Akten? Wir haben hier keine Akten.
Ein Uniformierter trat aus der Villa. Nervös gestikulierte er, mit den Händen die Luft schaufelnd, als wollte er Hühner und Gänse verscheuchen. Langsam kam er näher. Gehen Sie nach Hause. Stören Sie hier nicht die Ruhe und Ordnung. Außerdem - das ist ein bewaffnetes Objekt!
Der Staatsanwalt hob wieder seinen Dienstausweis und sagte: Die Herrschaften sind vom Bürgerkomitee. Lassen Sie uns sofort in die Villa!
Der aufgeplusterte Polizist reagierte sofort, erschrocken. Er schloß das Hoftor auf und sagte: Warten Sie. Ich gehe telefonieren.
Wir warteten im Hof. Im Hintergrund mehrere Garagen. Das Licht ging wieder aus. Wir erkannten nur noch unsere Umrisse.
Es kann länger dauern, sagte ich zu Hempel.
In der Nachbarvilla ging immer wieder mal die Hofbeleuchtung an. Ein junges Mädchen stand am Tor, blickte zu uns rüber. Ich lief zum Zaun, das Mädchen trat näher. Ich fragte: Ist Ihnen etwas aufgefallen an der Villa.
Nicht viel, sagte sie, nur daß ständig junge Männer in Anoraks ein- und ausgehen.
Kommen Sie mit, sagte ich. Verstärken Sie uns. Wir sind vom Bürgerkomitee. Ich bedachte sie mit einem Lächeln, das ihr deutlich machen sollte, daß ich ein sehr netter Bursche bin - ein Bursche, dem man vertrauen kann. Sie lächelte zurück. War bereit mitzumachen. Ich sagte: Wenn Sie jemand fragt, dann sagen Sie, Sie gehören zum Bürgerkomitee. Jeder, der sagt, er sei vom Bürgerkomitee, der ist beim Bürgerkomitee. Es gibt keine Telefone, um Absprachen zu treffen. Es gibt keine Hierarchie. Das Bürgerkomitee ist eigentlich nur ein lockerer Haufen. Dennoch, wir sind legitimiert durch die zehntausendfachen Rufe der Demonstranten. Und zu Hempel sagte ich, als die Dame das Hoftor passierte, sie gehöre mit dazu, sie habe sich nur mal in der anderen Villa umgeschaut ...
Damen sind immer willkommen, sagte er. Sie wirken entspannend. Oder besser gesagt, in unserer Situation können wir gut einen Schutzengel gebrauchen.
Witt sah mich erstaunt an, wußte vielleicht nicht, was er von meiner Eskapade halten sollte. Lächelte aber freundlich zu der Frau hin.
Kurz darauf kam ein "Wolga" vorgefahren. Die Hofbeleuchtung ging aus und gleich wieder an. Zwei Männer in Zivil und zwei Polizeioffiziere betraten das Grundstück. Wir gingen ihnen entgegen. – Meine Herren, verlassen Sie bitte unverzüglich das Gelände der Deutschen Volkspolizei! rief es uns entgegen.
Nicht in Begleitung eines Staatsanwaltes, rief Witt.
Wieso Staatsanwalt? fragte ein Offizier.
Hempel wies sich aus: Meine Herren, wir möchten das Haus inspizieren. Diese Damen und Herren hier sind vom Bürgerkomitee. Ihre Arbeit hat höchste Priorität.
Priorität? Bürgerkomitee? Sie sahen uns mit erstarrten Gesichtern so ungläubig an, als wären wir gerade vom Mars gelandet und bereiteten eine Invasion auf die Erde vor. – Am Eingang stand wieder der breitschultrige Heizer in seiner verspeckten Arbeitskleidung.
Es gibt nichts zu diskutieren, sagte ich. Wir betreten jetzt das Objekt. Einer von ihnen hielt mich am Ärmel fest. Ich riß mich los. Ein anderer klammerte sich an meinen Mantel. Nach einem kurzen Handgemenge sagte der eine Offizier: Na gut, wir lassen Sie zu einer kurzen Stippvisite ins Objekt. Was wollen Sie besichtigen?
Fangen wir im Kellerbereich an, sagte Hempel.
Der Heizer und wohl auch Hausmeister in einer Person, der uns noch immer mit zornigen Blicken traktierte, ging voran. Eine angenehme Wärme schlug uns entgegen, als wir die Stufen zum Heizungsraum hinunterstiegen. Um den Ofen herum lagen schwarz gewordene Metallhalterungen, die der Heizer aus der Asche genommen hatte, Überreste verbrannter Aktenordner. Ein ganzer Haufen Schrott lag da. Als ich mit einer Feuerzange die heiße Ofenklappe öffnete, schlugen mir stoßweise aufglimmende Papierreste entgegen.
Ich pustete in die Lamellen des verbrannten Papiers und sagte: Sehen Sie, daß hier unliebsames Material verbrannt wird? Ich griff nach einer zusammengeknüllten Kaffee-Mix-Tüte aus Silberfolie, die in einer der Kisten lag, öffnete sie, fuhr mit der Feuerzange in den Ofen, stocherte darin herum, fand weitere Schichten noch unverbrannten Papiers, klemmte einen kleineren glimmenden Packen davon ein und beförderte ihn in die Tüte.
Der Heizer beteuerte nach wie vor, nur Kohlen verbrannt zu haben ... Wir wandten uns vom Ofen ab. Witt fragte, was sich hinter der feuersicheren Tür mit dem Kreuzgriff befinde. Die Zivilen und die Offiziere murmelten im Hintergrund. Letztendlich willigten sie ein, die Tür zu öffnen.
In dem Raum befanden sich Regale voller Karteikästen. Wir zogen an mehreren. Namen und Adressen auf den rosafarbenen Kartons: Bewerber und Vorgemerkte für den Polizeidienst. Uninteressant. Wir verließen den Kellerbereich und stiegen weiter hinauf in die erste Etage.
Ein ranghoher Offizier, der sich nicht vorstellte, war noch hinzugekommen. Epauletten, weißes Haar, braungebrannter Teint. Er wirkte wie eben vom Schwarzmeerurlaub zurückgekommen, überlegen, ironisch.
Wenn Sie die medizinische Einrichtung unbedingt besichtigen wollen...
Er ließ sich vom Heizer den Schlüssel holen und öffnete selbst die Tür. Weiße Wände. Weiße Möbel. Weißlackierte Blechschränke. Es roch nach Desinfektionsmitteln. Alles aufgeräumt. Wir öffneten einen Schrank, darin nur ein Blutdruckmeßgerät. Auf dem Schreibtisch Staub. Wir warfen einen kurzen Blick durch alle Räume, nickten. Es sah alles so sauber und aufgeräumt auf wie in einem Krankenhaus; wahrscheinlich sah es immer so sauber aus ...
Wir wollten ins Obergeschoß; denn von dort oben hatten wir ja draußen am Fenster das matte Licht gesehen. Also mußte jemand anzutreffen sein. Die Polizisten drängelten uns zurück. Dort sei absolut nichts mehr. Dennoch gelang es uns, hinaufzukommen und zu klingeln. Ein Geräusch an der Tür machte uns stutzig, als verberge sich jemand dahinter.
Machen Sie auf!
Dem älteren Offizier kam die Sache possenhaft vor. Er sagte, wir sollten uns gedulden. Er wolle telefonieren.
Nach einem Moment öffnete sich die Tür wie von allein. Ein junger Mann in dunkelrotem Dynamo-Dreß grinste. Das Grinsen demonstrierte eine Persönlichkeit, die aus Feuer und Eis und aus Wolframstahl geboren war. Seine Schultern waren so breit wie die eines Hebers im Mittelschwergewicht, und der Kopf über ihm wirkte zu klein, um wirklich ihm zu gehören. Er lasse keinen rein, bestimmt nicht! Mit verschränkten Armen baute er sich vor uns auf und zeigte seine Oberarmmuskeln. Dabei grinste er noch immer und wiederholte selbstsicher, daß keiner hereinkäme ...
Schon einmal hatte ich einem Mann in solchem Dreß gegenübergestanden. Es war 1982 gewesen, zum Deutschen Turn- und Sportfest in Leipzig. Im Rosental hatte ich gegen das Rad eines Armee-Lasters gepinkelt, nachts. Plötzlich befand ich mich im grellen Kegel eines Scheinwerfers. Ich griff erschrocken nach einem Stein, warf ihn in die Richtung, aus der ich angeblendet wurde, und lief davon. Doch ein Schatten verdichtete sich, ein Mann verfolgte mich, und im Umsehen erkannte ich einen weinroten Trainingsanzug.
Hau bloß ab, rief er halblaut, los! Ich soll dich festnehmen.
Ich rannte davon ...
Der Mann hier allerdings, wie er sich demonstrativ mit verschränkten Armen vor uns aufgebaut hatte, schien viel eher bereit, jeden Befehl auszuführen. Man sah es an seinem unentwegten Grinsen, das vor Selbstbewußtsein nur so strotzte, und ich sah bereits mein Gehirn auf meinem Jackett kleben.
Wir weichen nicht von der Tür, und wenn unsere Mandeln sauer werden, sagte der Staatsanwalt, als wollte er beweisen, daß er nicht nervös war. Die Situation war mehr als heikel. Da schlug der Dynamo-Mann die Tür vor unserer Nase zu und war verschwunden. - Unsere Entschlossenheit, das gesamte Gebäude zu inspizieren, wurde dadurch nur noch stärker. Die Augen des Staatsanwalts blitzten. Er schien wirklich engagiert und selbst interessiert zu sein, wie dieses Spiel nun weitergehen würde. Daß seine Anschrift zehn Jahre lang in meinem Notizbuch gestanden, daß ich seinen Namen nicht ausgelöscht hatte, daß er sensibel und ansprechbar war, wie ich vermutet hatte, und daß er allmählich Spaß zu bekommen schien an unserer Revolution, das freute mich in diesem Augenblick besonders.
Der Heizer schlug vor, derweil das Dach zu inspizieren. Ich staunte über seine plötzliche Forschheit, was war los? Das Dach? Ein Ablenkungsmanöver?
Das Mädchen, Witt und der Staatsanwalt bewachten weiterhin die Tür des Dynamo-Mannes. Ich war überzeugt davon, daß die Anwesenheit der Frau aus der Nachbarvilla in allen ein Gefühl der Besonnenheit aufkommen ließ. Sie sagte zwar keinen Ton, blickte nur mit ihren hübschen Augen die eine oder andere Partei an und schien alle zu besänftigen. Und etwas Parfüm umgab ihren Körper, ein so schwaches Parfüm, daß ich nicht genau wußte, ob es wirklich eins war. Vielleicht duftete sie auch einfach.
Die Zivilen und die Offiziere wurden plötzlich nach unten gerufen, während der Junge und ich hinter dem Heizer über eine ausgezogene Leiter auf das Dach stiegen.
Wind fegte mir ins Gesicht. Die Stadt in einer anderen Perspektive. Das Dächermeer, die Silhouette des Uni-Riesen, die Kuppeln des Neuen Rathauses. Ich kletterte die angerostete Feuerleiter zur Esse hinauf. Alles ganz warm, alles voller Rußpartikel, alles voll von zentimetergroßen Faltern verbrannten Papiers. Auf einmal kam ich mir vor wie in einer Groteske. Und inmitten dieses dunklen Märchens, das schon Stunden dauerte, bewegte ich mich mit Schornsteinfegerhänden.
Ganz schön was durch die Esse gegangen, rief ich.
Der Heizer lachte zynisch. Der Ofen ist nur kurz entschlackt worden.
Ja, ja, sagte ich ...
Ich kletterte wieder von der Kaminleiter. Wir verließen das Dach. Geräusche auf der Treppe. Ein neuer wichtiger Mann in Zivil, der eine hinaufkommende Gruppe anführte und wohl wirklich Ameisen im Hintern zu haben schien, rief uns entgegen, daß wir die Etage nun doch betreten dürften. Er hatte kleine lustige Ohren, die eng am Kopf anlagen, und kleine, schwarzfunkelnde Augen auf dem Grund überschatteter Höhlen. Der Mann mußte tatsächlich wichtig sein; denn diesmal sperrte sich der Dynamo-Aufpasser nicht mehr, grinste nur noch verhalten und ließ uns passieren ...
Im Korridor eine Sesselgruppe, ein Fernseher, an der Wand ein Plakat: der Schnappschuß eines lachenden Mädchens in Shorts und Pulli; daneben der Aufruf "Für unser Land!". Wir zählten die Unterschriften: zirka dreißig. In einem der Räume mehrere Spinde. Ein Nierentisch aus den Sechzigern, lindgrüne und fleischfarbene Haubenlampen. Im Konferenzzimmer ein zusammengestellter langer Tisch, darüber der neue Staatsratsvorsitzende: Krenz. Als er gewählt wurde, wußte ich, daß die Genossen mit dieser Wahl die Todesglocken für die DDR ausgelöst hatten. Das hieß: Versteinerungen ohne Inhalt. Das gebundene Spiel geht weiter ... Da nützen auch Unterschriften von Prominenten nichts mehr ... Der Sturz ging unvermindert weiter, aber die Gefahr eines Militärputsches, der ihn aufhalten könnte, schwebte noch wie ein Damoklesschwert über unseren Köpfen ... Wir betraten noch mehrere Räume im Club-Charakter: zwischen Polstersesseln tiefe Sprelacart-Tische, dann ein wuchtiger Schreibtisch. Unter der Glasplatte ein Kalender. Die Monate Oktober und November – die entscheidenden – kaum noch zu erkennen, die Tageszahlen vollgekritzelt, wegradiert – vielfältige Aktivitäten ... Während ich vor dem Schreibtisch innehielt, musterte mich der neue wichtige Mann mit den lustigen Ohren mit einer Art angestrengter Gelassenheit. Ich merkte, daß er sich sehr ernst nahm, und er erwartete, daß sein Gegenüber ihn nicht minder ernst nahm.
Ich zog an einer Schublade, nichts darin, nichts. In anderen Barock-Durchschlagpapier, leere Ordner mit unkenntlich gemachten Aufschriften, es mußte wohl eine Rasierklinge am Werk gewesen sein. Die Art, wie das Wenige dalag, ließ darauf schließen, daß es für uns vorbereitet worden war. – Neben dem Schreibtisch ein Fernschreiber, RFT, die Steckschnur darüber gelegt. Immer wieder fragten wir, um was für eine Spezialeinheit es sich handelte, die hier Freizeiträume besaß, und wo ansonsten die Leute schliefen? Aber der neue Mann zuckte die Achseln, bei so einer aufdringlichen Frage kroch ihm das Gehirn sogleich hinunter und versteckte sich hinter einem Rückenwirbel.
Im nachhinein petschierten wir den Panzerschrank, mehrere Schränke und Spinde. Gegen zwei Uhr dreißig nachts verließen wir die Etage. Der Mann im roten Dreß stand wieder an der Tür, als wollte er uns verabschieden, und griente diesmal wie ein Porzellanchinese, nur daß er dabei nicht nickte.
Auf dem Hof entdeckten wir noch ein weiteres Gebäude, schräg gegenüber, eingerüstet. Wir wollten es sehen. Plötzlich war der Hof ausgeleuchtet bis zum anderen Haus. Wir stiegen durch das abgeschlagene und unverputzte Treppenhaus, in dem es nach Kalk und feuchtem Putz roch. Ich war vorangestiegen, in der dritten Etage rief ich: Marsch, Kehrtwendung! bevor uns noch jemand Zement um die Zehen gießt und uns in der Kanalisation entsorgt ...
Wir verabschiedeten uns von der jungen Frau, vielleicht eine Studentin. Ihre Augen waren eher grün als blau, schwer von dem verträumten Blick, der mit einer Gefühlsaufwallung einhergeht. Ihr Gesicht war Zentimeter von dem meinen entfernt, und ihre Lippen waren voll und weich und leuchteten ein wenig. Wäre sie nicht dabei gewesen, hätte sie uns in dieser heiklen Situation gefehlt, wäre der eine oder andere der Anwesenden möglicherweise ausgerastet ...
Während wir den Staatsanwalt nach Hause fuhren, unterhielt sich Hubert lebhaft mit ihm. Die ziehen jetzt überall ihre Leute zusammen. Die Internierungslager sind längst vorbereitet ...
Nicht ausgeschlossen, pflichtete ihm Hempel bei. Er hielt es für möglich, daß wir uns von nun an in ernster Gefahr befänden.
Als wir Hempel absetzten, versicherte er uns, daß er jederzeit, nicht nur im Bezirksgericht in der Beethovenstraße, für uns erreichbar wäre. Zu jeder Zeit, betonte er. – Zuvor hatten wir noch den Jungen in Connewitz abgesetzt.
Witt saß wieder neben mir. Wir fuhren durch die nächtliche Stadt. Nein, es verfolgte uns kein Fahrzeug. Nur eine Taxe hinter uns, als wir über die Karl-Liebknecht-Straße den Innenstadtring erreichten. Wir wollten noch zu Frank Pörner, den ich vom Neuen Forum kannte. Unsere Erlebnisse der letzten Stunden als Geheimnis zu wahren, hätte den Druck und die Ungewißheit über die Gefahr, in die wir uns begeben hatten, noch verstärkt. Wir wollten ein wenig davon loswerden, sofort.
Es war bereits vier Uhr morgens, als wir bei Pörner gleich in der Nähe der Kohlgartenstraße klingelten. Schlaftrunken öffnete uns seine Frau.
Wenige Minuten später waren wir bereits in einer heftigen Diskussion. An wen, fragten wir uns vor allem, konnten wir unser Wissen weitergeben?
Langsam sickern sie ein, mutmaßte Pörner. In Bademantel und Hausschuhen wirkte er nicht so groß, wie er tatsächlich ist: vielleicht 195 oder zwei Meter.
Spezialtruppen, die in allen Stadtvierteln ihre Nester und Unterschlüpfe hüten, ergänzten wir. Wir redeten noch eine Weile aufgeregt, rieten einander zur Vorsicht, dann verabschiedeten wir uns. Pörner brachte uns zur Haustür und beobachtete noch, wie wir mißtrauisch unter das Auto sahen.
Gegen fünf war ich zu Hause. Meine Frau war aufgewacht und wollte noch einiges wissen. Ich bin müde und stinke nach Polizisten, sagte ich, aber das ist nichts, was eine Dusche nicht wieder richten könnte. Im Bett aber fand ich keinen Schlaf, stand wieder auf, lief durch die Wohnung. Ging zu den Kindern, schüttelte die Betten auf und deckte sie zu. Strich ihnen über die Haare. Ich wurde ruhiger, dämmerte langsam ein.
Morgens klingelte scharf das Telefon. Oder vielleicht schien es nur so zu klingeln. Ich hob ab und sagte: Ja. Hallo? - Hier ist die Bezirksbehörde der Deutschen Volkspolizei, verkündete eine sächselnde Stimme. Gegen siebzehn Uhr Entsiegelung! Ich wollte noch fragen, wer dran war. Aber es war sofort aufgelegt worden. Meine Frau sagte: Ich kann nur hoffen, daß euer Tun gut ausgeht. Nicht daß sie euch gewaltig hochgehen lassen.
Witt und der Staatsanwalt standen schon vor der Villa, als ich um die Kurve bog und mein Auto parkte. Gespannt warteten wir noch eine Weile, bis wir von einem Polizeioffizier in den Hof gelassen wurden. Mit der gleichfalls wartenden Gruppe von Zivilen und Uniformierten stiegen wir ins Obergeschoß hinauf. Im Flur flimmerte ein Bildschirm. Männer in T-Shirts saßen oder standen davor und verfolgten staunend die immer offener geführten Parteitagsdiskussionen. Der Heizer saß im Sessel, stand auf, als er mich sah, mit schweren Bewegungen, als hätte er Bolzen anstelle von Gelenken und Eisenstäbe anstatt Knochen.
Ein Mann stellte sich als Hauptmann Mayer vor. Seine Stimme war tief, dennoch seltsam flach und trocken wie ein alter Knochen. Aber er sprühte vor Agilität und rückte uns in einem Raum die Stühle zurecht. Am Ende des Tisches standen eben eingetroffene Männer in Zivil. Einer, phantastisch energiegeladen, blickte jeden einzelnen an, richtete die Krawatte, stellte sich als Generaloberst Müller vor. Wer sind Sie?
Ich grinste innerlich, denn alle hießen sie Müller oder Mayer ...
Hempel wies mit dem Kopf zu uns. Diese Herren sind vom Bürgerkomitee.
Die Namen bitte?
Sein Tonfall besagte, daß wir alle Trottel sind, als wäre er das Gesetz, als wolle er eine schnelle und respektvolle Antwort.
Ich bürge für diese Herrschaften. Namen werden nicht genannt, rief Hempel.
Ich grinste und bedachte den General mit einem Stirnrunzeln – das letzte in der Welt, das er erwartet hatte. Dabei sah er mich verdutzt an, ohne mich zu erkennen. Was zu erwarten war, da er mich meines Wissens nie zuvor gesehen hatte.
Wir sind legitimiert, nicht Sie, sagte Witt.
Irritiert überging der General den Einwurf, bedachte uns plötzlich mit einem freundlichen Lächeln, das so leer war wie das Nachthemd einer Braut in der Hochzeitsnacht, und kam zur Sache, und seine Wangen schienen sich abzukühlen.
Meine Herren, Sie sind in einen äußerst sensiblen Bereich eingedrungen, den noch nie ein Außenstehender, geschweige denn jemand vom Bürgerkomitee betreten hat.
Wie sich die Zeiten ändern, warf ich ein.
Er sah mich eindringlich an, seine Augenbrauen schoben sich scharf zusammen, und seine Stimme klang schon abgemildert. - Ich möchte an Ihr Feingefühl appellieren. Er begann über die vielen Aufgaben und die große Verantwortung zu sprechen, die er für seine Einheit trüge, die er als "seine Jungs" bezeichnete. Dazwischen bekamen wir Kaffee oder Tee gereicht. Sobald wir den Generaloberst unterbrechen wollten, wischte er unsere Einwände mit einer flüchtigen Geste weg und wurde energisch: Lassen Sie mich bitte ausreden!
Von Sicherheitsmaßnahmen redete er, von Schwerstverbrechens-Bekämpfung, unentwegt sich wiederholend, von bald über uns kommenden Drogenbanden, Verbrecherbanden – und von den vielen Funktionen, die bei "seinen Leuten" zusammenliefen, die nicht zur Observation der Bevölkerung dienten, sondern der Sicherheit des Staates. Diese spezielle Einheit war also nur und ausschließlich zum Schutz der Bevölkerung da.
In uns rumorte es. Versuche zu unterbrechen, mal von Witt, mal von mir, scheiterten. An den Mann war schwer heranzukommen, er wußte sich hermetisch zu machen und genoß sich selbst beim Sprechen. Bis es schließlich doch gelang.
Einheiten gegen die Bevölkerung? Wie viele in der Stadt? Wo sollten die sein? Wer hat Ihnen solche Flöhe ins Ohr gesetzt? Mit der augenblicklichen politischen Lage haben wir nichts zu tun.
Wir lachten.
Der General wies, ohne nervös zu werden, jeden Verdacht zurück und variierte von neuem sein Thema. Schließlich sah er auf die Uhr und sagte: Verschwenden wir keine Zeit. Wir sollten jetzt zur Entsiegelung schreiten, damit wir wieder ungestört arbeiten können. Im übrigen wird nur einer von Ihnen an der Entsiegelung teilnehmen.
Nur einer?
Aus Sicherheitsgründen.
Wir lachten. Gingen zu einer kurzen Beratung ins Nebenzimmer.
Na, entschieden? grinste danach der General.
Entschieden? fragte Witt ironisch zurück. Wir haben uns nur mal die Füße vertreten.
Wieso? Also was nun?
Alle oder gar nicht. Hatten Sie etwas anderes erwartet? fragten wir.
Der General, ein flüchtiges, aber direktes Lächeln im Gesicht, fing sich sofort und sprach wieder mit modulierter Stimme, holte aus, wurde pathetisch. Wir sollten uns doch der Verantwortung für unser sozialistisches Vaterland bewußt sein.
Witt sah mich an. Wir verständigten uns mit Blicken. Der Staatsanwalt zog die Augenbrauen nach oben und starrte an die Decke.
Und daß wir mit keinem Menschen auf der Welt darüber sprechen sollten. Mein Gott, wie mühselig es gewesen sei, für "seine Jungs" so gute und klimatisierte "Freizeiträume" zu bekommen. Diese Einrichtung wolle er um nichts in der Welt aufs Spiel setzen. Dabei sah er uns bohrend an, als wollte er seine indirekte Drohung wirken lassen.
Wir protestierten sofort. Daß wir nichts von dem hier Gesehenen der Öffentlichkeit vorenthalten dürften und würden und daß wir "seine Jungs" nicht als einen Verein zur Pflege des Psalmengesangs ansähen, allein schon angesichts ihrer Muskelpakete. Selbstverständlich würden wir ein Protokoll schreiben ...
Nun noch die bange Frage, was sich in dem Tresor befand, während der Staatsanwalt sein Dienstsiegel zerbrach. Zu unserer Überraschung eine Vipa-Flasche, als wäre der Tresor ein Kühlschrank, eine leere Kurierdiensttasche, als wäre der Tresor eine Garderobenablage, ein Schnellhefter mit matrizierten Brandschutzvorschriften, als wäre der Tresor eine Schreibtischablage. Eine tote Fliege nur - der Tresor war ihr zur Falle geworden. Aber was hatten wir denn erwartet? Warum die lange Vorrede des Generals, der extra aus Berlin angereist war: der Chef? Er hätte doch Order für die Entsiegelung von Berlin aus geben können.
In einem der Schränke hing eine Kalaschnikow, aus einem Fach blickte mich das 9mm-Auge einer Makarow an. Hauptmann Mayer, der neben mir stand, bekam von einem Mann ins Ohr geflüstert: Die Kuriere müssen weg. War diese Szene nur für uns inszeniert, um uns Angst einzujagen, um uns abzuschrecken?
Angst durchzuckte mich tatsächlich. Sollten wir wirklich ein Protokoll schreiben? Wer im Bürgerkomitee sollte es in Empfang nehmen? Wem konnte man trauen? Es wimmelte doch überall von Leuten aus dem alten Apparat, die nun versuchten, sich an die Spitze der Bewegung zu stellen ...
Es war Mitternacht geworden. Der General begleitete uns nach unten, im Ton zwischen Ernst und gespielter Freundlichkeit. Ich merkte ihm an, wie demütigend dieser Abend für ihn gewesen sein mußte. Wir hatten ihm nicht nur eine Lektion erteilt, wir hatten etwas enttarnt, was er sicher geglaubt hatte. Eine geheime letzte Reserve, die auf einen bestimmten Befehl wartete, etwas, das Beständigkeit besaß oder versprochen hatte, die Möglichkeit eines Verstecks. All das war hohl geworden.
Ich fuhr langsam durch die Stadt. Im "Kreml" brannte noch Licht, als wir am großen Gebäude der SED-Bezirksleitung in der Karl-Liebknecht-Straße vorbeifuhren.
Sie werden unentwegt telefonieren und die Welt nicht mehr begreifen, spöttelte Witt. Und wir sind die neuen Marsmenschen und bereiten eine neue Zivilisation vor, spöttelte ich ... Ich war erstaunt, daß er diese Aktion mitgemacht hatte. War es wirklich die Befürchtung eines Putsches? Gerüchte hatte es ja genügend gegeben. Ich mußte nachdenken über ihn. Er hatte manchen unbequemen Autor im Reclam-Verlag durchgeboxt - auch mein Buch "Tägliches Utopia" - und zugleich im Kollektiv den Nationalpreis der DDR aus der Hand von Willi Stoph entgegengenommen. Wer hätte sich nicht gefreut über so eine Auszeichnung? Doch Witt würde sich bei Kampfausgang nicht zu den Siegern stellen, zu jenen Leuten, die sich kurze Zeit für das Neue Forum ausgesprochen und dann wieder von der Bürgerbewegung abgewandt hatten, gefährlich offen plötzlich für das neue Alte, und die sich immer zu den momentan Stärkeren und Jublern schlagen, selbst wenn Pharao in seiner Sänfte über den Karl-Marx-Platz getragen werden würde.
Die DDR, soviel war klar, war weit weggedriftet - und eine andere, geläuterte oder demokratisierte, würde nicht mehr entstehen, das wußten wir ...
Hempel saß nach hinten gelehnt, er schien erschöpft und müde. Gingen ihm ähnliche Gedanken durch den Kopf?
Als wir uns in Connewitz verabschiedeten, stiegen wir mit aus. Ein dicker Brocken Mond stand am Himmel, und man konnte die Sterne sehen, wenn man sich anstrengte. - Hempel war wieder hellwach und sagte: Meistens erfährt man nur im Spontanen und nur durch das Gewissen, was man zu tun und zu lassen hat.
Reinhard Bernhof, geb. 1940 in Breslau, 1963 aus familiären Gründen Übersiedlung in die DDR, Studium am Leipziger Literaturinstitut, Lyriker und Prosaautor. 1988/89 Herausgeber der illegalen Literaturzeitschrift Umfeldblätter, 1989 Mitbegründer des Neuen Forums in Leipzig. "Rauchzeichen" wurde dem 2004 im Hallenser Projekte-Verlag erschienenen Band "Die Leipziger Protokolle" entnommen (ISBN 3-937027-38-6; 14,50 ). Im gleichen Verlag erschien von ihm 2005 "Wegen Schweigens zeige ich mich an" (ISBN 3-938227-27-3; 10,50 ).
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