Heft 50/2005 | vermittlung von ddr-geschichte | Seite 9 - 13

Rainer Eckert

Die zweite deutsche Diktatur in Museen und Gedenkstätten: ein Überblick

Geschichtspolitik, Gedenkstätten und zeitgeschichtliche Museen
Geschichts- oder Vergangenheitspolitik kann als ein Bündel von Maßnahmen beschrieben werden, die nach dem Sturz einer Diktatur der kritischen Auseinandersetzung mit dieser und damit der Sicherung eines politischen Neuanfangs und der Gestaltung einer demokratischen Zukunft dienen. Zweimal mußten sich die Deutschen im 20. Jahrhundert mit einer solchen Vergangenheit auseinandersetzen – zuerst nach der Befreiung von der nationalsozialistischen Herrschaft durch die Alliierten und später nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Diktatur der SED, der friedlichen Revolution in Ostdeutschland.

Nach 1945 wurde diese Auseinandersetzung, oft falsch "Aufarbeitung" genannt, in beiden deutschen Staaten un­terschiedlich intensiv betrieben, man ging verschiedene Wege, und auch die Resultate differierten. Nach 1989 war aus den Erfahrungen zu lernen, die hier gesammelt werden konnten. Denn Norbert Frei definierte mit Blick auf die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus Ge­schichts- bzw. Vergangenheitspolitik in den westlichen Besatzungszonen und in der frühen Bundesrepublik als Rücknahme der politischen "Säuberungen" und als zu­mindest teilweise Aufhebung der Entnazifizierung.1 Nach 1989 sollte die Kritik der Diktatur sofort beginnen. Darin waren sich die Revolutionäre des Herbstes 1989 mit der Mehrheit der Bevölkerung und mit den westdeutschen Eliten weitgehend einig.

Der Klärung von Problemen der Vergangenheit und damit der Suche nach kollektiven Selbstbildern dienten in den vergangenen 15 Jahren: öffentliche Diskussionen, juristische Auseinandersetzungen, personelle Säuberungen, die historische Forschung, der Umgang mit Gedenkorten, Gedenkstätten und Gedenktagen, geistig-politische Kontroversen in Kunst und Massenmedien, Wiedergutmachung, die Rehabilitierung der Opfer sowie die Muse­ali­sierung. Dabei war wichtig, dass es keine Schamfrist im Kampf um die Vergangenheit gab und dass die materiellen Ressourcen und der politische Wille dazu vorhanden waren.

Die Musealisierung der gerade vergangenen Geschichte begann bereits im Verlauf der friedlichen Revolution.2 Die immer wieder zu hörende Meinung, dass mit der Auseinandersetzung mit der zweiten deutschen Diktatur auf deutschem Boden endlich begonnen werden müsse, ist unberechtigt. Sowohl die Forschungen zur DDR als auch die Darstellung ihrer Geschichte sind weit vorangeschrit­ten. Die theoretische Reflexion konnte damit jedoch nicht Schritt halten, die methodische und didaktische Diskussion zur Musealisierung von Zeitgeschichte steht noch ganz am Anfang.3 Ein spezielles Problem ergibt sich daraus, dass die "DDR im Museum" ganz überwiegend in den neuen Bundesländern lokalisiert ist, während im Westen nur vereinzelt die deutsch-deutsche Grenze, die deutsche Einheit oder der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 thematisiert werden.

Die zweite deutsche Diktatur im Museum
In Ostdeutschland war der konkrete erste Schritt zur "DDR im Museum", dass Demonstranten der großen Ost-Berliner Demonstration vom 4. November 1989 ihre Plakate und Spruchbänder zu Ausstellungszwecken aufbewahrten. Zu sehen waren sie bald darauf in dem im Aufbau befindliche Bonner Haus der Geschichte unter dem Titel "TschüSSED"4 und im Berliner Museum für deutsche Geschichte in den Räumen der schnell ausgeräumten vorherigen Dauerausstellung "Sozialistisches Vaterland DDR". Beide Ausstellungen erarbeitete die "Initiativgruppe 4. 11. 89" mit Hilfe des Bonner Museums. Bereits am 31. August 1990 eröffnete, konzipiert und gestaltet vom Bürgerkomitee Leipzig, in der ehemaligen Bezirksverwaltung Leipzig des Ministeriums für Staatssicherheit, der "Runden Ecke", die Ausstellung "Stasi – Macht und Banalität", die überarbeitet und erweitert bis heute zu sehen ist. Die erste größere Ausstellung zur friedlichen Revolution in der DDR entstand bis zum Herbst 1994 unter Federführung der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland5 in Leipzig und wurde da­nach auch in Berlin und in Bremen gezeigt.6 Die für diese Ausstellung verantwortliche Projektgruppe "Herbst ´89" ging dann in den Aufbaustab des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig dieser Stiftung über. Dieses Haus eröffnete zum 10. Jahrestag der friedlichen Revolution von 1989 am 9. Oktober 1999 mit einer Dauerausstellung zur Geschichte der DDR als Diktatur, zu Widerstand und Opposition in der zweiten deutschen Diktatur sowie zur friedlichen Revolution seine Pforten.7 Das Zeitgeschichtliche Forum präsentierte seit seiner Eröffnung zudem eine Vielzahl von Wechsel- und Foyerausstellungen zur Geschichte der DDR, die dann auch im Bonner Haus der Geschichte zu sehen waren. Ebenso wandern Bonner Projekte nach Leipzig. Die Gesamtgeschichte der DDR als Teil der deutschen Nachkriegsgeschichte nimmt die Dauerausstellung des Hauses der Geschichte in Bonn ins Visier,8 während das Deutsche Historische Museum in Berlin nach seiner vermutlichen Wiedereröffnung Anfang 2006 in seiner Dauerausstellung zur deutschen Nationalgeschich­te die DDR nur knapp  thematisieren wird.

Eine Ausstellung über die Geheimpolizei der SED wird seit 1998 unter dem Titel "Staatssicherheit – Machtinstrument der SED-Diktatur" im Informations- und Do­ku­men­tationszentrum der Bundesbeauftragten für die Un­ter­lagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR in Berlin gezeigt. Dazu kamen Sonder- und Wanderausstellungen und im Jahr 2002 eine Ausstellung zur Spionage- und Observationstechnik.9 Das Spektrum der Ausstellungen zur SED-Geheimpolizei wird ergänzt von Wechsel- und Wanderausstellungen in den Außenstellen der BStU.

Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden zeigt die Militärgeschichte der DDR. Aber auch Einrichtungen wie die Museen für Post und Kommunikation in vier Städten, das Berliner S-Bahnmuseum, das Dresdner Hygienemuseum, das Haus der Brandenbur­gisch-Preußischen Geschichte, Stadtmuseen oder Aufar­bei­tungsinitiativen, die aus der Bürgerbewegung der DDR hervorgegangen sind, leisten wichtige Beiträge zur "Mu­sealisierung" der DDR-Geschichte. Das Spektrum ergänzen Museen zu speziellen Sachverhalten wie das Alliierten-Museum in Berlin, die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde und das Deutsch-Russische Mu­seum Karlshorst – alle in Berlin. Andere Teilaspekte der DDR-Wirklichkeit sind etwa im Industriemuseum Chem­nitz, im Museum Kindheit und Jugend in Berlin, im Schulmuseum und im Sportmuseum in Leipzig oder im Filmmuseum Potsdam mit seiner Dauerausstellung "Ba­bels­berg – Gesichter einer Filmstadt" zu sehen.

Problematisch, da nur unzureichend finanziert und methodisch unzulänglich fundiert, bleiben die Versuche, Alltag und Sozialgeschichte der kommunistischen Diktatur zu zeigen. Am wichtigsten sind hier das Dokumen­tationszentrum Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt und die Sammlung industrielle Gestaltung in Berlin (ab 2005 in der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland) mit zahlreichen Ausstellungen zum DDR-Design; dazu kommt das "Haus der Geschichte" in Wittenberg.10 Die jetzt von der Stadt Pforzheim und vom Land Baden-Württemberg finanzierte Sammlung Knabe präsentiert in einem für die alten Bundesländern einmaligem DDR-Museum die Geschichte des Alltags unter der SED-Herrschaft, vor allem aber Zeugnisse der Repression, des Widerstands und der Propaganda.

Ein Schwerpunkt der musealen Auseinandersetzung mit der kommunistischen Diktatur in der DDR sind die Einrichtungen politischer Repression, die oft sowohl Mu­seum als auch Gedenkstätte sind. Dazu zählen Grenzmuseen und –gedenkstätten, Gedenkstätten in vormaligen Internierungslagern, Erinnerungsorte in Haftanstalten und Einrichtungen des MfS. Zu letzteren gehört das Haus 1 in der Berliner Normannenstraße, den ehemaligen Amtssitz des Ministers für Staatssicherheit, dessen Zukunft nach einer Auseinandersetzung zwischen einer vom Bun­des­beauftragten für Kultur und Medien bzw. der Berliner Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Kultur berufenen Expertengruppe sowie den im Haus arbeitenden Opfer- und Aufarbeitungsgruppen noch nicht entschieden ist.11 Im Haus 1 ist heute auch eine Ausstellung zur Geschichte von Opposition und Widerstand zu sehen; dem gleichen Thema ist die Gedenkstätte für die deutschen Freiheitsbewegungen in Rastatt gewidmet.12 Eine Wanderausstellung zu diesem Thema erarbeitete auch das Zeitgeschichtliche Forum. Das Material ging im Jahr 2004 teilweise in eine weitere Wanderausstellung ein, die das Forum gemeinsam mit der Stiftung Ettersberg unter dem Titel: "Wo das Unrecht alltäglich ist, wird Widerstand zur Pflicht – Opposition und Widerstand in der DDR unter besonderer Berücksichtigung von Thüringen"  im Jahr 2004 durch Thüringen und jetzt auch in einer deutsch-polnischen Variante nach Polen wandern lässt.13

Gedenkstätten

In Deutschland wurden lange Zeit Gedenkstätten mit Stätten des Gedenkens an die Opfer und Schrecken des Nationalsozialismus gleichgesetzt. Dagegen hatten und haben es auf die zweite deutsche Diktatur bezogene Gedenkorte weiterhin schwer, einen Platz im öffentlichen Bewusstsein zu erringen.14 Darüber hinaus ist die Diskussion über solche Gedenkstätten oft zu wenig methodisch und didaktisch reflektiert sowie zuwenig vernetzt, der Kontakt zur Wissenschaft ist unzureichend.15 Geradezu reflexartig bricht immer wieder der Streit darüber aus, ob in solchen Gedenkstätten der Opfer beider deutschen Diktaturen gemeinsam gedacht werden könnte. Wer ein solches Vorgehen vorschlägt, sieht sich fast automatisch mit dem Vorwurf konfrontiert, die Verbrechen des Nationalsozialismus zu relativieren sowie "Drittes Reich" und SED-Diktatur gleichzusetzen. Flankiert wird dies in der Regel von aufgeregten Kommentaren in der deutschen, aber auch der ausländischen Presse. Eine Folge solcher Auseinandersetzungen war auch der Auszug des Zentralrates der Juden und bestimmter Opferverbände aus den Gremien von Stiftungen oder Einrichtungen, die sich beiden gleichen Diktaturen wenn nicht gleichermaßen, so doch in einem organisatorischen Zusammenhang stellen wollen.

Nicht gelungen ist es bisher, eine zentrale Gedenkstätte für die kommunistische Diktatur am historischen Ort, eine "Anatomie der SED-Diktatur" zu schaffen.16 Als Ort bietet sich hier konkurrenzlos Berlin an, wo an Widerstand und Repression im Verbund zwischen dem Amtssitz des Ministers für Staatssicherheit im Haus 1 dieses Komplexes17, der zentralen MfS-Untersuchungshaftanstalt Ber­lin-Hohenschönhausen und der Mauergedenkstätte in der Bernauer Straße erinnert werden könnte. Allerdings machen die Bemühungen um die Etablierung eines solchen Gedenkstättenverbundes kaum Fortschritte. Im Mai 2005 berief die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Christina Weiss, eine Expertenkommission ein, die bis zum Herbst des Jahres ein Konzept für einen dezentralen Geschichtsverbund "Aufarbeitung der SED-Diktatur" unter besonderer Berücksichtigung von Widerstand und Opposition vorlegen soll. Schwierigkeiten bereiten u.a. die Finanzierung, Personalquerelen und die Entscheidung über die museale Gestaltung sowie die Trä­ger­schaft.

Grenz- und Fluchtmuseen
Ebenfalls mit der Repressionsgeschichte setzen sich mehr als dreißig Grenz- bzw. Fluchtmuseen und Gedenkstätten auseinander. Besonders wichtig sind unter ihnen die Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn, das deutsch-deutsche Museum Mödlareuth, die Arbeitsgemeinschaft 13. August mit ihrem "Haus am Checkpoint Charlie" und die Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße. Andere solcher Museen sind das Grenzhus in Schlagsdorf, das hessisch-thüringisches Grenzmuseum Schifflers­grund, das Grenzland Museum Eichsfeld, das Grenzmuseum Philippsthal/Werra und das Grenzmuseum Rhön "Point Alpha". Insgesamt leiden viele dieser Museen darunter, dass sie weniger Grenzlandmuseen als Grenz­trup­pen­museen sind. Oft sind die Ausstellungen auch wissenschaftlich ungenügend fundiert, oder die verwendete Terminologie entspricht nicht den Ansprüchen der Zeitgeschichtsforschung. In der Zukunft wird sich erweisen müssen, ob alle diese Museen und Gedenkstätten wirklich benötigt werden, aber auch, ob nicht an weiteren Orten wie am Brandenburger Tor in Berlin zusätzlich an die Berliner Mauer erinnert werden muß.

Ausstellungen in sowjetischen Spezial- bzw. Internierungslager
Besonders heftig waren immer wieder die Streitigkeiten um die doppelte Vergangenheit von Konzentrations- bzw. Internierungslager. Zu den umstrittenen Orten gehören Buchenwald mit dem Versuch, die Geschichte der ersten und der zweiten deutschen Diktatur gemeinsam zu schreiben, und Sachsenhausen. Hier protestierten bei der Eröffnung des Museums Speziallager Nr. 7/Nr. 1 am 9. September 2001 die Vertreter verschiedener Opferverbände gegen "Geschichtsfälschung", da sich das Museum außerhalb des Kerngebietes des ehemaligen Lagers befände und so die Häftlinge des Speziallagers als zweitrangig behandelt würden. Außerdem würden sie zu "Nazis" degradiert. Andererseits protestierte das russische Außenministerium gegen eine unterstellte Relativierung des Nationalsozialismus.

Weitere Gedenkorte für ehemalige Speziallager sind Bautzen mit der Gedenkstätte Bautzen (II), Berlin-Hohenschönhausen, Torgau, die Gedenkstätte Speziallager Nr. 1 des NKWD/MWD in Mühlberg, die Gedenkstätte zur Erinnerung an das sowjetische Speziallager Nr. 5 in Ket­schendorf, die Gedenkstätte Waldfriedhof und Dokumen­ta­tionsstätte Sowjetisches Speziallager Nr. 6 Jamlitz und die Gedenkstätte zur Erinnerung an das sowjetische Spe­ziallager Nr. 7 Weesow bei Werneuchen.

Haftanstalten
Zu den wichtigsten Gedenkorten in ehemaligen Haftanstalten gehören die bereits erwähnten Museen für die Internierungslager in Buchenwald und in Sachsenhausen, die zentrale Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit in Berlin-Hohenschönhausen, die Do­ku­men­tationsstelle Zuchthaus Brandenburg/Havel und das Dokumentations- und Informationszentrum Torgau (Wehrmachtsstrafsystem, NKWD-Speziallager und DDR-Straf­vollzug). Hier in Torgau tobt ein Streit um den Vorwurf, dass die Opfer der nationalsozialistischen Justiz  zugunsten der Opfer der SED an den Rand gedrängt werden würden. Weitere Museen oder Gedenkorte gibt es in der Untersuchungshaftanstalt des MfS in Potsdam-Lindenstraße 54, der Untersuchungshaftanstalt des MfS in Dresden-Bautzener Straße, im Landgericht und in der Hinrichtungsstätte Dresden-Münchner Platz, im Gefängnis Waldheim und in der Frauenhaftanstalt Hoheneck. Dort konnte gerade ein Versuch abgewehrt werden, das Gefängnis zu einem Freizeit- und Erlebnisareal umzubauen.

Dazu kommen die von einem Bürgerkomitee verwaltete Gedenkstätte in der Zentralen Hinrichtungsstätte der DDR in Leipzig, die Gedenkstätte Amthordurchgang mit einer Ausstellung im MfS-Gefängnis Gera , die Gedenkstätte Haftanstalt "Roter Ochse" in Halle an der Saale, die Gedenkstätte Moritzplatz in Magdeburg mit der neuen Dauerausstellung "Im Namen des Volkes? Über die Justiz im Staat der SED" und schließlich das Dokumentationszentrum des Landes Mecklenburg-Vorpommern für die Opfer beider Diktaturen im ehemaligen Gefängnis am Schweriner Demmlerplatz.

Schwierigkeiten und internationale Zusammenhänge
Anhaltende Probleme ergeben sich in der inzwischen etablierten Museumslandschaft weiterhin durch die unterschiedliche Qualität der musealen Gestaltung, der Qualifikation der jeweiligen wissenschaftlichen Arbeit und bei der Finanzierung. Zwar besteht mit der Stiftung zur Aufar­beitung der SED-Diktatur erstmals eine realistische Chance, die gesellschaftliche Aufarbeitung "von unten" durch antistalinistische Opferverbände und durch Aufarbei­tungs­initiativen der Bürgerbewegung materiell abzusichern. Schwierigkeiten macht, dass die Stiftung nur Projekte, nicht aber Institutionen fördert. Auch der Wert der vorgelegten Ergebnisse wird noch zu klären sein.

In der Zukunft sollte die Auseinandersetzung mit der kommunistischen Vergangenheit als gesamt- (mittelost-) europäische Aufgabe gesehen und betrieben werden. Da­bei ist zu begreifen und zu vermitteln, dass besonders Widerstand und Opposition mit der Zeitperspektive des 19. und des 20. Jahrhunderts – oder  anders ausgedrückt Zivilcourage und Widerstandstraditionen (bis hin zum Samizdat und zu den verschiedenen Gegenkulturen)18 – Kernbestandteile europäischer Identität und von univer­salgeschichtlicher Bedeutung sind.19 Geschichtspolitik ist ein neues Feld internationaler Politik geworden. Und dies könnte eine Brücke zwischen den Selbstbildern der europäischen Völker sein. Aber hier gibt es noch viel zu tun.

Rainer Eckert
, Dr. phil. habil., geb. 1950 in Potsdam, Historiker, 1989 Mitbegründer des Unabhängigen His­to­ri­kerverbandes. Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig der Stiftung "Haus der Geschichte", Privatdozent für politische Wissenschaften am Otto-Suhr-Institut der FU Berlin.

1        Frei, Nobert: Vergangenheitspolitik: Die Anfänge der Bundesrepublik und die NS-Vergangenheit.  München, 1996.
2        Die Musealisierung durch Kunst-, Foto- und Karikaturenausstellungen wird hier nicht berücksichtigt.
3        Erste Ansätze etwa in: Alltag und soziales Gedächtnis: Die DDR-Objektkultur und ihre Musealisierung / Hrsg.: Gerd Kuhn und Andreas Ludwig. Hamburg, 1997; SBZ/DDR als Ausstellungsobjekt: Gedenkstättenseminar 28./29. November 1996 in Berlin. Berlin, [1996]. = Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen; 2; Deutsche Teilung, Repression und Alltagsleben: Erinnerungsorte der DDR-Geschichte / Hrsg.: Heidi Behrens und Andreas Wagner. Leipzig, 2004.
4    TschüSSED 4. 11. 89: Ausstellung der "Initiativgruppe 4. 11. 89" im Museum für Deutsche Geschichte, Berlin-Ost und im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bonn. Berlin; Bonn, 1990.
5    Grundsätzlich zur Stiftung "Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland": Interview mit deren Präsidenten, Hermann Schäfer, "Es geht uns nicht darum, Identität zu stiften", in: Die Welt, 11. Juni 2004.
6    Zum Herbst ´89: Demokratische Bewegung in der DDR; Begleitbuch zur Ausstellung / Hrsg.: Bernd Lindner unter Mitarb. von Manfred Leyh [u.a.]. Leipzig, 1994.
7    Einsichten: Diktatur und Widerstand in der DDR / Hrsg.: Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Zeitgeschichtliches Forum Leipzig. Leipzig, 2001.
8    Erlebnis Geschichte. 4., neu bearbeitete und ergänzte Auflage / Hrsg.: Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Bonn, 2003.
9    Spionage- und Observationskameras: Fototechnik d. MfS. Berlin, 2002.
10    "Alltag in der DDR": Fotoausstellung im Haus der Geschichte, in: Wochenkurier Leipzig, 1. September 2004.
11    Die Zentrale: Das Hauptquartier des Ministeriums für Staatssicherheit in Berlin-Lichtenberg. Berlin, [o.J.]; zur Auseinandersetzung um die Zukunft dieses Komplexes gibt es zwei unterschiedliche Gutachten: Anatomie der SED-Diktatur: Staatspartei u. Staatssicherheit d. DDR; Bericht und Empfehlungen der Fachkommission Haus 1" Berlin, 2001; Haus 1 des Ministeriums für Staatssicherheit: Konzeptionen und Gestaltungsvorschläge zur Arbeit in der ehemaligen Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR unter nationalen und internationalen Aspekten. Berlin, 2001.
12    Einigkeit und Recht und Freiheit: Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte; Katalog der ständigen Ausstellung, Bönen, 2002.
13    "Wo das Unrecht alltäglich ist, wird Widerstand zur Pflicht": Opposition und Widerstand in der DDR. Erfurt, 2004; Polen und Deutsche gegen die kommunistische Diktatur. Erfurt, 2004.
14    Faulenbach, Bernd: Diktaturerfahrungen und demokratische Erinnerungskultur in Deutschland, in: Orte des Erinnerns: Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR / Hrsg. von Annette Kaminsky. Leipzig, 2004, S. 18-30 (in diesem Buch auch bisher beste Übersicht zu den Gedenkorten der zweiten deutschen Diktatur).
15    Dazu allgemein: Gedenken, Nach-Denken, Voraus-Denken: Gedenkstätten, Dokumentationszentren und andere Einrichtungen. Halle/Saale, 2.000.
16    Vgl.: Henke, Klaus-Dietmar: Anatomie des SED-Staates: Mielke und Co.: Die Stasi-Erinnerung braucht einen Ort, in: Frankfurter Rundschau, 19. März 2002; ders.: Formen der Erinnerung – Archive, in: Materialien der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages: "Überwindung der Folgen der SED-Diktatur im Prozeß der deutschen Einheit", VI, Baden-Baden, 1999, S. 180-185.
17    Wegweiser durch die Ausstellungen im Haus 1 des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit der DDR / Hrsg.: Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße. Berlin, [o.J.].
18    Samizdat: Alternative Kultur in Zentral- und Osteuropa; Die 60er bis 80er Jahre / Hrsg.: Forschungsstelle Osteuropa. – Bremen, 2000. = Dokumentationen zur Kultur und Gesellschaft im östlichen Europa, 8.
19    Faulenbach, Bernd: Konkurrierende Vergangenheiten? Zu den aktuellen Auseinandersetzungen um die deutsche Erinnerungskultur, in: Deutschland Archiv, Bielefeld, 37 (2004) 4, S. 648- 659.

 

 

 

 

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