Heft 51/2005 | Sportwunderland ddr | Seite 1 - 9
Gunter Holzweißig
Sport – Gesellschaftliche Rolle und politische Funktion
1. "Sport ist nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck"
In allen Gesellschaftssystemen besaß und besitzt der Sport – insbesondere der Leistungssport – eine von der Allgemeinheit, aber auch von Sportfunktionären nicht immer wahrgenommene politische und gesellschaftliche Funktion. Ihrem Stellenwert in der SBZ/DDR gilt im Folgenden das Interesse. Dabei bleiben fachliche Besonderheiten des Leistungs-, Schul- und Freizeitsports weitgehend unberücksichtigt.
Charakteristisch für totalitär regierte Staaten ist der ideologisch-propagandistische Mißbrauch des Sports zur Machterhaltung der Herrschenden sowie zu deren innen- und außenpolitischer Selbstlegitimierung. Bei der Neuorganisation des Sports in den westlichen Besatzungszonen Deutschlands und in der Frühzeit der Bundesrepublik wollten Funktionäre und Sportler nach ihren Erfahrungen mit der Politisierung des Sports während der Hitler-Diktatur zunächst Lehren aus der Vergangenheit ziehen, indem sie vehement, jedoch realitätsfern die strikte Trennung von Sport und Politik propagierten. Solche Illusionen hegte die von der sowjetischen Besatzungsmacht angeleitete KPD/SED in der SBZ/DDR zu keinem Zeitpunkt. Sie unterband nicht nur die Neuformierung der bürgerlichen Traditionsvereine, deren Aktive und Anhänger man als "Nursportler" diskreditierte, sondern drangsalierte zugleich sozialdemokratische Arbeitersportler, die ihre von den Nationalsozialisten zerschlagenen Organisationsstrukturen wieder errichten wollten.
Für die grundsätzliche Übereinstimmung totalitärer Regime bei der politischen Instrumentalisierung des Sports lieferte bereits 1948 der damalige FDJ-Vorsitzende Erich Honecker einen schlagenden Beweis. Der spätere SED-Generalsekretär brachte auf der Gründungsversammlung des Deutschen Sportausschusses, dem Vorläufer des Deutschen Turn- und Sportbundes der DDR (DTSB), die bis 1989 gültige sportpolitische Handlungsmaxime der SED-Führung unverblümt auf den Punkt:
"Sport ist nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck. Jeder Versuch, die Sportbewegung außerhalb des gesellschaftlichen Geschehens zu stellen, ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Sie würde sofort ein Spielball in den Händen jener sportfeindlichen Kräfte werden, die in der Vergangenheit allzuoft die Sportbewegung für ihre kriegerischen Ziele mißbrauchten. Wir grenzen uns also bewußt von den Theoretikern einer sogenannten unpolitischen Sportbewegung ab."1
Welche Zwecke verfolgten die SED-Sportbürokraten? Im Vordergrund stand bei ihnen die Erziehung der Jugendlichen zu sogenannten sozialistischen Persönlichkeiten. Natürlich bemühten sie auch gesundheitspolitische Argumente – jedoch vorrangig in Verbindung mit der Begründung, damit zur Steigerung der Arbeitsproduktiviät und der Wehrkraft beizutragen. Schließlich glaubte die SED-Führung, sie könne die internationalen Erfolge ihrer Leistungssportler innenpolitisch als identitätsstiftende Elemente für die Anerkennung der "führenden Rolle" der Partei und die Herausbildung eines DDR-Staatsbewußtseins instrumentalisieren. In exemplarischer Weise finden sich diese allenfalls partiell erfüllten Ambitionen im Spartakiade-Eid der XI. Kinder- und Jugendspartakiade in den Wintersportarten vom Februar 1987 wieder:
"Wir, die Teilnehmer der XI. Kinder- und Jugendspartakiade der Deutschen Demokratischen Republik in den Wintersportarten, geloben:
– als junge Staatsbürger unsere ganze Kraft zur Stärkung der Deutschen Demokratischen Republik, des Sozialismus und für die Erhaltung des Friedens einzusetzen,
– in der Schule, im Beruf, in der Landesverteidigung und im Sport nach hohen Leistungen zu streben und einen würdigen Beitrag zur Verwirklichung der Beschlüsse des XI. Parteitages der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands zu leisten. Im fairen sportlichen Wettkampf werden wir unsere Kräfte messen und um den Sieg kämpfen zum Ruhme des Sports und zur Ehre unseres sozialistischen Vaterlandes."2
Solche öffentlich bekundeten Selbstzeugnisse für den Mißbrauch und die Instrumentalisierung des Sports für sportfremde Zwecke lieferte das SED-Regime bereits vor der Öffnung der DDR-Archive zuhauf. Dennoch halten noch heute einige west- und ostdeutsche Sporthistoriker diese bereits vor 1989 von bundesdeutschen Autoren unschwer aus offenen Quellen gewonnene Erkenntnis für zu einseitig.3
2. Identitätsstiftung durch Feindbildpflege?
Wie sich die SED in der Praxis die Erziehung junger Sportler zu "sozialistischen Persönlichkeiten" vorstellte, die – so Günther Wonneberger – als überzeugte Marxisten-Leninisten ihre individuellen Fähigkeiten mit dem "sozialistisch Bedeutsamen" in Übereinstimmung bringen sollten,4 veranschaulicht ein Gutachten aus dem Jahre 1973, das die SED-ZK-Abteilung Sport zu einem Beitrag für ein Jugendweihe-Geschenkbuch des Verlages "Neues Leben" erstellte.5 Darin hatte der langjährige – noch heute unbelehrbare – Sportchef des "Neuen Deutschlands" Klaus Huhn (Pseudonym: Klaus Ullrich) eine Diskussion im Rahmen einer FDJ-Gruppenveranstaltung mit der Staffelläuferin und zweifachen Goldmedaillengewinnerin Monika Zehrt wörtlich aufgezeichnet.6 Der Abteilungsleiter Rudolf Hellmann lobte in seiner Stellungnahme zunächst Huhns Manuskript, da es "Denkanstöße für die weitere geistige Auseinandersetzung mit wichtigen Fragen der sozialistischen Persönlichkeitsentwicklung" vermittele. Um das "spezifische Anliegen gerade dieses Beitrages noch zu verstärken", schlug Hellmann jedoch vor, daß:
"1. Monika Zehrt in dem Beitrag auch eine Aussage macht, die zum Inhalt hat, daß die regelmäßige sportliche Betätigung die Gesundheit stärkt, die harmonische Persönlichkeitsentwicklung fördert und demzufolge zum Bedürfnis und zur Pflicht für jeden jungen Menschen werden sollte;
2. der auf Seite 5 [des Manuskripts; G. H.] formulierte Gedanke, die Teilnehmer eines Staffelwettbewerbes ›müssen gar nicht immer die besten Freundinnen sein‹ weggelassen wird und statt dessen unter dem Aspekt des Staffelwettbewerbes gezeigt wird, wie gerade der Sport dazu beiträgt, zu Disziplin, Freundschaft und Kollektivgeist zu erziehen."
Erstaunlicherweise ignorierten die Herausgeber des Bandes in dem sprachlich stark überarbeiteten und geglätteten Manuskript Huhns die normalerweise als verbindliche Weisung zu verstehende "Empfehlung" Hellmanns, mögliche private Unstimmigkeiten unter Sportlerinnen nicht zu erwähnen. Dafür legten sie jedoch Monika Zehrt die von ihr nicht gemachte Aussage in den Mund, "die Feinde unserer Republik" hätten 1957 den Start einer DDR-Leichtathletin in Paris verhindert.
Spezialisiert auf die "Feindbildpflege" im Sportverkehr mit westlichen Ländern waren die Mitarbeiter des Fachbereichs I (Kommunistische Erziehung der Jugend) des von der Öffentlichkeit strikt abgeschirmten Leipziger Forschungsinstituts für Körperkultur und Sport (FKS). In einer dort konzipierten Instruktion für die 1988 zu den Winterspielen nach Calgary entsandten Mitglieder der DDR-Olympiamannschaft gaben die dem Staatssekretär für Körperkultur und Sport Günter Erbach unterstellten FKS-Ideologen den Sportlern auf den Weg: "Die Festigung und Aktualisierung prinzipieller Feindbilder ist die Grundlage dafür, daß die Leistungssportler in ihren wichtigsten Gegnern die Repräsentanten unterschiedlicher Gesellschaftssysteme sehen und erleben."7
Immerhin sprachen dieselben FKS-Autoren in einer politisch-ideologischen Anleitung für die DDR-Teilnehmer an den Seouler Olympischen Sommerspielen 1988 nur noch zurückhaltender von "Gegnerbildern". Ihren Olympiateilnehmern erteilten sie nunmehr lediglich den "fürsorglichen" Rat, sie hätten sich darauf vorzubereiten, daß westliche "profihaft vorbereitete Athleten im Wettkampf wenig Skrupel kennen" würden.8 Nicht zuletzt aufgrund der berechtigten Sorge, der Inhalt derartiger Pamphlete könne über den Kreis der Sportler und Funktionäre hinaus bekannt werden und gar in den Westen gelangen, versachlichten 1988/89 die zuständigen Parteifunktionäre ihre Diktion nicht nur in öffentlichen Erklärungen, sondern weitgehend auch im internen Schriftverkehr. Zudem erfaßte die Sportfunktionäre und -ideologen in den beiden letzten Jahren der Existenz der DDR ebenfalls die allgemein verbreitete innenpolitische Verunsicherung und nicht zuletzt die Erkenntnis, daß die überdimensionierte materielle Ausstattung des Leistungssports, die auch zu Lasten der Freizeitsportler ging,9 finanziell nicht mehr zu verkraften war. Beispiele dafür finden sich in Hans Joachim Teichlers Dokumentation und Kommentierung der Monatsberichte von Institutionen, die dem Staatssekretariat für Körperkultur und Sport unterstellten waren.10
Ohne Frage hat sich für die SED-Machthaber ihre ökonomisch sehr belastende einseitige Förderung der für die DDR medaillenträchtigen olympischen Disziplinen außenpolitisch ausgezahlt. Unter sträflicher Vernachlässigung des Breitensports, mit pädagogisch bedenklichen und aufwendigen Selektionsmethoden zur Auslese von talentierten Kindern und Jugendlichen für den Spitzensport, horrenden Investitionen in den Trainingsbetrieb sowie in die streng geheime, vom MfS abgeschirmte sportmedizinische Forschung schufen sie das "Sportwunderland DDR" – eine Bezeichnung, deren öffentlichen Gebrauch der langjährige DTSB- und NOK-Präsident Manfred Ewald (1926-2002) angeblich nicht schätzte und die man deshalb in der propagandistischen Selbstdarstellung des DDR-Sports nicht gebrauchte.
Ungeachtet einer weit verbreiteten gegenteiligen Meinung gibt es jedoch keine überzeugenden Belege dafür, daß die SED die Erfolge des Hochleistungssports innenpolitisch im erwünschten Maße erfolgreich ideologisch und identitätsstiftend instrumentalisieren konnte. Vermutlich gelang ihr das deshalb nicht, weil in der DDR der Leistungssport der einzige gesellschaftliche Bereich war, in dem das für jedermann auf dem Papier als verbindlich erklärte Leistungsprinzip tatsächlich funktionierte. Doch dessen Nutznießer bekamen auch Neidgefühle zu spüren. Schließlich besaßen erfolgreiche Sportler und deren Trainer Privilegien – Reisen ins westliche Ausland, Bevorzugung beim Autokauf oder bei der Wohnraumversorgung –, von denen die Mehrheit der Bevölkerung nur träumen konnte. Deshalb richtete sich der Volkszorn im Herbst 1989 vereinzelt auch gegen prominente Sportler. Er traf sie aber nicht unbedingt zu Recht. Denn viele von ihnen profitierten zwar vom System, nicht wenige litten aber auch darunter physisch und psychisch erheblich. Die gesundheitlichen Schädigungen bei Leistungssportlern durch die staatlich sanktionierte Dopingpraxis und deren erst nach der "Wende" bekannt gewordene Spätfolgen sind inzwischen partiell juristisch verfolgt und geahndet geworden.11
Ein vom Politbüromitglied Egon Krenz am 20. Dezember 1988 genehmigter Arbeitsplan für das erste Halbjahr 1989, der von der ihm unterstellten SED-ZK-Abteilung Sport erstellt wurde, läßt bereits eine resignative Endzeitstimmung erkennen, wenn es dort beschwörend heißt:
"In der politisch-ideologischen Arbeit mit den Sportlerinnen und Sportlern kommt es vor allem darauf an, die Dialektik der Kämpfe unserer Zeit, die Werte und Vorzüge unserer Gesellschaftsordnung und die Perspektiven der Entwicklung der DDR noch bewußter zu machen und den eigenen Beitrag zur Stärkung des Sozialismus und zur Sicherung des Friedens zu fördern.
Noch umfassender und zugleich differenzierter ist das politische Gespräch in allen Bereichen des Sports in Vorbereitung der Kommunalwahlen am 7. Mai 1989 und des 40. Jahrestages der DDR zu führen."12
Selbst solche nur für den internen Gebrauch bestimmten Papiere bedürfen der aufmerksamen Lektüre . Wenn hier verlangt wird, das politische Gespräch müsse "differenzierter" geführt werden, so geschah das zweifellos unter dem hautnahen Eindruck der dramatisch verschlechterten Stimmungslage unter den nominell 3,6 Millionen DTSB-Mitgliedern.
Es zeigte sich zugleich, daß bei Jugendlichen Ende der achtziger Jahre von einer Vertiefung der erhofften identitätsstiftenden Wirkung der internationalen Sporterfolge auf das Staatsbewußtsein keine Rede mehr sein konnte. Zu DDR-Zeiten unter Verschluß gehaltene Erhebungen des Leipziger Zentralinstituts für Jugendforschung belegen dies. Die Jugendforscher ermittelten im März 1989, bei 15- bis 16jährigen Schülern habe die vermeintlich prestigeträchtige Medaillenausbeute des DDR-Sports bei internationalen Wettbewerben keineswegs mehr das "DDR-Staatsbewußtsein" der Jugendlichen beflügelt. Während sich 87 Prozent der Befragten unter 19 vorgegebenen Parametern für "Familie/Freundschaften" als Bindeglied zur DDR entschieden, ließen das nur 37 Prozent für "Erfolge im Sport" gelten.13
3. "Bereit zur Arbeit und zur Verteidigung der Heimat"
Seit ihrem Machtantritt war die SED-Führung bestrebt, flankierend mit dem Schul- und Massensport die Wehrertüchtigung beziehungsweise die Vorbereitung der Jugendlichen auf den Wehrdienst zu unterstützen. Symptomatisch für die unverhüllte Militarisierung des Sports war das nach sowjetischen Vorbild gewählte Motto des DDR-Sportabzeichens: "Bereit zur Arbeit und zur Verteidigung der Heimat". Als man im Zuge der schon seit 1952 nicht mehr verdeckt betriebenen Remilitarisierung der DDR die Gesellschaft für Sport und Technik (GST) gründete, propagierte die SED bereits im Vorfeld gegen teilweise heftigen Widerstand in der eigenen Mitgliedschaft die vormilitärische Ausbildung der organisierten Sportler. So sollte beispielsweise vom Deutschen Sportausschuß unter strenger Geheimhaltung geprüft werden, "ob in der demokratischen Sportbewegung eine Ausbildung im Schießen, Handgranatenwerfen, Hindernislaufen, Gepäckmarsch, Motorsport, Geländekunde durchgeführt werden kann."14
Im Gegensatz zu der 1978 an den Schulen eingeführten obligatorischen Wehrerziehung, bei der sich beispielsweise Schüler weigerten, an der Schießausbildung teilzunehmen,15 erfreute sich die GST jedoch durchaus einer gewissen Beliebtheit, weil man dort auch exklusive Sportarten wie Motorradfahren und Segelfliegen ausüben oder den Führerschein erwerben konnte. Schon die Nationalsozialisten setzten mit den Sonderformationen der Hitler-Jugend – Flieger-, Marine-, Motor- und Nachrichten-HJ – auf die technische Begeisterungsfähigkeit der Jugendlichen.16 Nicht anders verfuhr die SED, die mit der breiten GST-Angebotspalette technisch interessierte Jugendliche systemkonform einzubinden und als Nachwuchs für die bewaffneten Organe zu werben suchte.
Die Militarisierungskampagnen der SED korrespondierten in der Regel mit Phasen höchster innenpolitischer Instabilität. Ausgelöst wurden solche Spannungsperioden durch repressive Maßnahmen der SED-Führung gegenüber der gesamten Bevölkerung (Niederschlagung des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953 und Mauerbau) sowie immer wiederkehrende Kampagnen gegen Oppositionelle, Bürgerrechtler, Intellektuelle und Künstler.
"Konterrevolutionäre" Ereignisse in den benachbarten ost- und mitteleuropäischen "Bruderländern" verunsicherten die SED im höchsten Maße. Die Furcht vor unerwünschten Auswirkungen der Reformbestrebungen des "Prager Frühlings" auf die DDR dürfte beispielsweise zu einem Beschluß des Sekretariats des ZK der SED vom 19. Juni 1968 über "Die Aufgaben der sozialistischen Wehrerziehung" geführt haben.17 In dem als "parteiinternes Material" klassifizierten und nur für die 1. Sekretäre der SED-Bezirks- und Kreisleitungen bestimmten Beschluß bezog man das 1970 in das Staatssekretariat umgewandelte Staatliche Komitee für Körperkultur und Sport unmittelbar in die Landesverteidigung ein:
"In Verantwortung des Staatlichen Komitees für Körperkultur und Sport ist der physischen Vorbereitung besonders der wehrfähigen Bürger zunehmende Bedeutung beizumessen. Die körperliche Erziehung muß stärker den hohen physischen Anforderungen des Dienstes in den bewaffneten Kräften und den Bedingungen einer modernen bewaffneten Auseinandersetzung gerecht werden. Verstärkt sind solche Elemente zu fördern, die Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Gewandtheit entwickeln. Das Staatliche Komitee für Körperkultur und Sport hat in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Nationale Verteidigung die physischen Anforderungen des Wehrdienstes an die Soldaten zu erarbeiten und der Weiterentwicklung von Körperkultur und Sport zugrunde zu legen. Zur weiteren Koordinierung aller Bereiche bei der sozialistischen Körpererziehung im Sinne der für den Schutz der DDR erforderlichen physischen Eigenschaften wird die Bildung einer ehrenamtlichen Arbeitsgruppe Sozialistische Wehrerziehung beim Staatlichen Komitee für Körperkultur und Sport empfohlen."18
Tatsächlich stand es in der DDR um die sportliche Leistungsfähigkeit vieler Jugendlicher schon aufgrund der unzureichenden Ausstattung mit Sportstätten, -geräten und -bekleidung nie zum besten. Diese Defizite traten beispielsweise bei der Abnahme des Achtertests zu Tage, der Mindestanforderungen in acht militärischen Disziplinen zur Aufnahme in die NVA vorsah. Auch der Wettbewerb zur Kür des "sportlichsten Mädchens" und des "stärksten Lehrlings", den die NVA-Wochenzeitung "Volksarmee" jährlich veranstaltete, erfreute sich durchaus nicht der vorgetäuschten breiten Resonanz. Vorsichtige Kritik an der materiellen Vernachlässigung des Breitensports, aber auch an dem kaum vorhandenen wehrsportlichen Interesse der Jugendlichen fand sich allenfalls in wenig verbreiteten wissenschaftlichen Zeitschriften.
Einen 1988 veröffentlichten Aufsatz über die Wehrerziehung an Rostocker Schulen beginnt der Autor mit der parteifrommen Verkündigung: "So stellt die Verwirklichung des Klassenauftrages, den der XI. Parteitag der SED der Nationalen Volksarmee erteilte, gegenwärtig insbesondere höhere Anforderungen an die politische, ideologische und physische Vorbereitung der Jugend auf den Wehrdienst, an die Sicherung des militärischen Berufsnachwuchses und an die Wehrfähigkeit der Reservisten".19 Kritisch vermerkt der Verfasser jedoch, "bei aller Freude über das Erreichte", hätten einige "Einrichtungen" nur einen geringen Anteil bei der Erfüllung der gestellten Aufgaben. Außerdem sei die außerschulische wehrsportliche Betätigung sehr unterschiedlich:
"Einerseits gibt es Schulen, die auf eine sehr gute und regelmäßige wehrsportliche Betätigung, sei es im Rahmen des Übungs-, Trainings- und Wettkampfbetriebes oder im Rahmen massenwehrsportlicherAktivitäten verweisen können; andererseits ist die Anzahl jener Schulen sehr hoch, die neben den zentralen Anforderungen (,Hans-Beimler-Wettkampf‹, wehrsportliche Ausbildung im Rahmen der Zivilverteidigung der 9. Klassen, Sportabzeichen u.a.) keine wehrsportlichen Aktivitäten aufzuweisen haben."
Es verwundert keineswegs, daß sich bei Lehrern und Schülern, soweit sie nicht für militärische Rituale empfänglich waren, die Begeisterung für den Sportunterricht in engen Grenzen hielt. Ein Auszug aus einem für Pädagogen bestimmten Standardwerk über die Methodik des Schulsports illustriert die groteske Adaption der militärischen Formalausbildung auf den Schulsport.
"Die im Sportunterricht zur Anwendung kommenden Ordnungsformen entsprechen denen der Nationalen Volksarmee. Sie werden gleichfalls in allen gesellschaftlichen Organisationen (DTSB, FDJ, GST usw.) einheitlich angewendet. Die Ordnungsformen sind Bestandteil des Lehrplanes und, entsprechend ihrer Schwierigkeit, für alle Klassenstufen festgelegt. Es sollte vom ersten Schuljahr an systematisch vorgegangen werden. Dann ist es ohne Schwierigkeiten möglich, alle geforderten Ordnungsformen so in den Unterricht einzubeziehen, daß nicht viel Zeit dafür verwendet werden muß. (...)
Im Sinne der Vorbildwirkung muß der Kommandierende selbst Haltung einnehmen. Er steht so, daß er die gesamte Klasse gut übersehen kann [...]. Kommandos sind laut und deutlich zu sprechen. Zwischen dem etwas gedehnt gesprochenen Ankündigungskommando und dem Ausführungskommando liegt eine Pause. Eine mögliche Abwechslung und gleichzeitig eine wichtige Erziehungsmaßnahme ist das Kommandieren durch einen Schüler. Dazu muß der Lehrer anleiten und zum Beispiel bei der Meldung des Sportbeauftragten der Klasse zum Stundenbeginn darauf achten, daß alle Kommandos richtig gegeben werden.
Die Eröffnung einer Sportstunde mit der Meldung der Klasse durch einen Schüler umfaßt in korrekter Form folgende Kommandos und Vorgänge:
›Klasse! Achtung!‹ – ›In Linie zu einem Glied antreten!‹ – ›Richt euch!‹ – ›Augen gerade – aus!‹ – ›Zur Meldung Augen rechts!‹ – Meldung des Schülers – Auf Anweisung tritt der Schüler auf den rechten Flügel – Gruß durch den Lehrer: ›Wir beginnen unsere Sportstunde mit Sport – frei!‹ – ›Augen geradeaus!‹ – ›Rührt euch!‹" 20
Wenn bereits Erstkläßler im Sportunterricht mit dem Kasernenhofsdrill vertraut gemacht wurden, um sie auf den "Ehrendienst" in den bewaffneten Organen vorzubereiten, verwundert es nicht, wenn vielen Jugendlichen schon im Kindesalter die Freude am Sport verloren gegangen war.
3. "Diplomaten im Trainingsanzug" mit Parteiauftrag
Der DDR-Leistungssport erhielt laut Beschluß des SED-Politbüros vom 31. Januar 1989 für die Vorbereitungen auf die Olympischen Winter- und Sommerspiele 1992 sowie die Olympischen Winterspiele 1992 und 1994 den Auftrag, "seine Position unter den drei führenden Ländern des Weltsports erneut zu bestätigen."21
So bescheiden hatte sich die Parteiführung zuvor nie gegeben. Noch im gemeinsam vom DTSB und der ZK-Abteilung Sport am 19. Dezember 1988 dem zuständigen ZK-Sekretär Egon Krenz auf dem Dienstweg vorgelegten Entwurf des Politbüro-Beschlusses hieß es noch in gewohnter Manier: Der Leistungssport habe "zur Erfolgsbilanz der sozialistischen Länder beizutragen" sowie "die BRD zu distanzieren und den USA einen harten sportlichen Wettstreit zu liefern".22 Beides strich jedoch Egon Krenz aus dem Beschlußentwurf heraus. Seine Motive lagen auf der Hand. Für Insider war es ein offenes Geheimnis, daß sich die DDR auch in ihrer überproportionalen Förderung des Spitzensports ökonomisch übernommen hatte.23 Außerdem wollte die SED-Führung offenbar die schon längere Zeit unter der Oberfläche schwelenden sportlichen Rivalitäten und politischen Divergenzen mit den Sportführungen der "Bruderstaaten" – insbesondere der Sowjetunion – nicht mehr durch die früher üblichen rituellen Solidaritätsbekundungen verschleiern. Zudem hielt man es jetzt nicht mehr wie noch zu Ulbrichts Zeiten für erforderlich, sich mit sportlichen Erfolgen zu schmücken, nur um damit im Westen Reputation zu erheischen.
In den fünfziger und sechziger Jahren unterhielt die DDR nur zu wenigen, vornehmlich kommunistisch regierten Staaten diplomatische Beziehungen. Infolgedessen kannte man im westlichen Ausland seinerzeit nur ihre Spitzensportler als viel bestaunte Repräsentanten ihres Staates. Vor allem deshalb ignorierten selbst Sportfunktionäre aus mit der Bundesrepublik befreundeten Ländern bald den bundesdeutschen verfassungsrechtlich begründeten sportpolitischen "Alleinvertretungsanspruch". Westliche Befürworter der Aufnahme von DDR-Sportverbänden in die internationalen Föderationen erlagen dabei wieder einmal dem Irrtum, Politik und Sport dürften nicht miteinander verknüpft werden. Demgegenüber betrieb die DDR im Verein mit den Ostblockstaaten und einigen Ländern der Dritten Welt zielstrebig und erfolgreich die internationale sportpolitische Anerkennung als Vorstufe zu ihrer weltweiten staatlichen Anerkennung Anfang der siebziger Jahre. Der Madrider Beschluß des Internationalen Olympischen Komitees vom 8. Oktober 1965 besiegelte das Ende der gesamtdeutschen Olympiamannschaft. Bei den Olympischen Spielen 1972 in München durfte die DDR-Mannschaft dann erstmals mit eigener Flagge und Hymne auftreten.24
Zweifellos trugen die im westlichen Ausland populären DDR-Spitzensportler als "Diplomaten im Trainingsanzug" maßgeblich zur internationalen staatlichen Anerkennung der DDR bei. Sie hatten dafür bereits in den fünfziger Jahren von der SED-Führung den Parteiauftrag erhalten. So verlangte schon damals der Europa-Rekordhalter im Stabhochsprung, Manfred Preußger, von seinen Kameraden und Trainern, "als bewußte Vertreter unseres Arbeiter- und Bauern-Staates" beziehungsweise als "‹Diplomaten‹ im Trainingsanzug - und nicht als Reisende in Sportangelegenheiten" aufzutreten.25 Im gleichen Sinne wandte sich der zweimalige Olympiasieger im Rennschlittensport, der spätere DTSB-Vizepräsident Thomas Köhler, auf dem VII. SED-Parteitag im April 1967 an den "Sportfreund Walter Ulbricht" und erinnerte die Delegierten an dessen Appell, DDR-Sportler auf den Siegerpodesten bei Welt- und Europameisterschaften seien die beste Anwort an die Adresse der "Bonner Alleinvertreter und Revanchisten".26 Köhler fügte hinzu, bei Starts im westlichen Ausland, wo "einem der Feind offen ins Gesicht" schaue, dürfe man nicht nur als Sportler auftreten. Denn es gebe Länder, "die die DDR noch nicht anerkannt haben, in denen aber wir Sportler auftreten. Und dort sind wir Botschafter! Dort sind wir Diplomaten im Trainingsanzug."27
Der ZK-Sekretär für Agitation und Propaganda Werner Lamberz bediente sich hingegen in einer Anweisung vom 30. April 1970 an alle Chefredakteure der SED-Medien keineswegs einer diplomatischen Sprache. In seinen Hinweisen "für die politisch-ideologische Arbeit in Vorbereitung der Olympischen Spiele 1972 in München" hieß es unmißverständlich:
"Der Sport und die Olympischen Spiele sind im imperialistischen Westdeutschland integrierender Bestandteil des staatsmonopolistischen Herrschaftssystems geworden.
Die Zeit bis zum Beginn des Jahres 1972 muß zielstrebig genutzt werden, um ideologische Klarheit über den besonderen [Unterstreichung im Original; G. H.] Charakter Olympischer Spiele im imperialistischen Westdeutschland zu schaffen.
Die Behandlung der Olympischen Spiele in München ist daher nicht Ressortaufgabe der Sportpolitik, denn sie berührt das Gebiet der Innen- und Außenpolitik ebenso wie das der Historiker. Diese ideologische Auseinandersetzung hat nur noch der Form nach mit dem Thema Sport zu tun."28
Hier plädiert Lamberz, der bis zu seinem mysteriösen Tod 1978 bei einem Hubschrauber-Absturz in Libyen als "Hoffnungsträger" und potentieller Nachfolger Honeckers galt, unverhohlen für den gezielten ideologischen und propagandistischen Mißbrauchs des Sport für politische Zwecke. Ganz im Sinne des eingangs zitierten Diktum Honeckers, der Sport sei nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck. So verfuhr die SED-Führung im Zuge ihrer Abgrenzungspolitik seit Anfang der siebziger Jahre bis zum Ende ihrer Herrschaft insbesondere im Hinblick auf den im Grunde von ihr nicht mehr erwünschten innerdeutschen Sportverkehr.29 Wichtiger für das Selbstbewußtsein der SED-Führung blieb es jedoch weiterhin im zunehmenden Maße, auch gegenüber den Verbündeten im kommunistischen Lager, bei Olympischen Spielen, Europa- und Weltmeisterschaften möglichst viele Medaillen zu scheffeln.
Den 1974 auf der Grundlage von jährlichen Sportkalender-Vereinbarungen zwischen dem Deutschen Sportbund (DSB) und dem DTSB wiederbelebten innerdeutschen Sportverkehr betrachtete die DDR dagegen lediglich als ein Zugeständnis an die geänderten außen- und deutschlandpolitischen Rahmenbedingungen. Sie waren mit der wachsenden ökonomischen Abhängigkeit der DDR von der Bundesrepublik in Einklang zu bringen. Im Ergebnis kam es zu einer unfreiwilligen Konzessionsbereitschaft der SED-Führung, den Eisernen Vorhang auch hinsichtlich ihrer Sportpolitik im Zuge des Helsinki-Prozesses durchlässiger machen zu müssen. Dabei widersetzte sie sich jedoch hartnäckig den vom Deutschen Sportbund (DSB) gewünschten Begegnungen von Sportlern unterhalb der Leistungsspitze sowie im Jugendbereich. In der von Honecker am 30. Oktober 1987 gebilligten Direktive des SED-Zentralkomitees für die Verhandlungen des DTSB mit dem DSB über den innerdeutschen Sportkalender im Jahre 1988 werden deshalb die folgenden von bundesdeutscher Seite gewünschten Begegnungen ausdrücklich untersagt:
- "Sportwettkämpfe im allgemeinen Kinder- und Jugendsport außerhalb des Leistungsbereichs;
- Sportwettkämpfe im Rahmen des kleinen Grenzverkehrs;
- Fußballänderspiele zwischen der DDR und der BRD;
- bilaterale Begegnungen von Mannschaften der Kategorie ›Alte Herren‹;
- ein Austausch von Wissenschaftlern, Sportmedizinern und Trainern zum bilateralen Erfahrungsaustausch, da der Stand der Beziehungen 1988 dafür noch keine Voraussetzungen bietet;
- die Aufnahme von Direktbeziehungen zwischen der DHfK Leipzig und der Sporthochschule Köln bzw. anderen Bildungs- und Forschungseinrichtungen des Sports der BRD;
- Sportveranstaltungen mit Vereinen und Clubs des DSB, in denen ehemalige Bürger der DDR tätig sind (Spieler, Techniker usw.), die die DDR illegal verlassen haben."30
Diese Verbotsliste umfaßt die ganze Palette der Restriktionen, mit denen die DDR seit der Wiederaufnahme innerdeutscher Sportbeziehungen im Jahre 1974 die vom Deutschen Sportbund angestrebten Erweiterung der Begegnungen von Hobbysportlern zu torpedieren versuchte. Junge DDR-Sportler durften nur an Welt- und Europameisterschaften teilnehmen und sollten ansonsten "in erster Linie ihrem Sport in der DDR nachgehen, sich ihrer beruflichen Ausbildung widmen."31 Die Unterbindung von Westkontakten von Freizeitsportlern galt indes auch für ältere Jahrgänge – und dies nicht erst seit der Flucht des DDR-Fußballidols Jürgen Sparwasser anläßlich eines Alt-Herren-Fußballturniers Anfang 1987 in Saarbrücken.
Allerdings war Honecker stets geneigt, Ausnahmen für seine alte Heimat zu genehmigen. Die vom DTSB ursprünglich abgelehnte Bitte des Ministerpräsidenten des Saarlandes, Oskar Lafontaine, namhafte DRR-Leichtathleten zur Teilnahme an einem internationalen Pfingstsportfest Ende Mai 1985 im saarländischen Rehlingen zu nominieren, erfüllte der Parteichef schließlich gegen den heftigen Widerstand seiner Sportfunktionäre persönlich mit der ausdrücklichen Maßgabe, eine "gute Delegation" zu entsenden.32 Der Haupteinwand des DTSB gegen den Start in Rehlingen bestand in der angeblichen Gefährdung der Vorbereitungen auf die bevorstehenden Wettkampfhöhepunkte aus "trainingsmethodisch-sportmedizinischen Gründen".33 Damit dürften sicherlich nicht nur die tatsächlich langfristig angelegten Trainingszyklen, sondern vielmehr die auf Auslandseinsätze abgestimmte Verabreichung von Dopingmitteln gemeint gewesen sein.
Andererseits war der DTSB immer dann außerordentlich an Spitzenbegegnungen mit bundesdeutschen Sportlern interessiert, wenn die Überlegenheit der eigenen Mannschaft von vornherein feststand und darüber hinaus die Deviseneinnahmen verlockend waren. So intervenierte Manfred Ewald schriftlich bei Egon Krenz, den Leichtathletik-Vergleich mit der Bundesrepublik im Juni 1988 in Düsseldorf nicht platzen zu lassen, weil die westdeutsche Mannschaft den in die Bundesrepublik übergesiedelten, zuvor in der DDR politisch verfolgten und inhaftierten Diskuswerfer Wolfgang Schmidt aufgestellt hatte. Ewald raisonierte, Schmidts von "unseren Feinden" erzwungener Start sollte schon deshalb kein Hindernis für das Antreten der DDR-Mannschaft in Düsseldorf sein, weil an dem Gesamtsieg nicht zu zweifeln sei.34 Man könne zwar auf eine DDR-Beteiligung beim Diskuswerfen verzichten, aber es bestehe die Gefahr, daß Schmidt auch für das Kugelstoßen nominiert werde. Dann gebe es aber "für uns in Bezug auf die Abrechnung im männlichen Bereich beim Länderkampf bestimmte Schwierigkeiten". Insgesamt, wenn man die Ergebnisse der Männer- und Frauenwettbewerbe addiere, würde man aber doch gewinnen und damit "in gewisser Weise von den Fußball-Europameisterschaften, die gegenwärtig in der BRD stattfinden, ablenken".35
Die SED-Führung schmerzte ihre Hilfs- und Ratlosigkeit angesichts der internationalen Bedeutungslosigkeit des DDR-Fußballs und der diesbezüglichen Erfolge der bundesdeutschen Mannschaften im höchsten Maße.36 So gesehen hatte die DDR-Führung durchaus ein Interesse daran, die Bundesrepublik in anderen Disziplinen bei innerdeutschen Sportvergleichen zu übertreffen. Hans-Dieter Krebs verweist in diesem Zusammenhang auf die vielschichtige Gemengelage, die bei einer Beurteilung der deutsch-deutschen Spitzentreffen aus der Sicht der DDR zu berücksichtigen seien: "Der befriedigende Beweis der Überlegenheit über den Klassenfeind BRD oder die kapitalistische Großmacht USA gehört dazu ebenso wie zahlreiche psychologische Elemente. Dazu zählt das kontinuierlich erhöhte Selbstwertgefühl als erfolgreicher sozialer Aufsteiger, der die Konkurrenz aus der sog. bürgerlichen Oberschicht in Schach gehalten und auch am grünen Tisch besiegt hat. Dies stärkte auch zeitweilig die persönliche Macht und das Prestige der Verantwortlichen oder die Selbstbezüglichkeit der Reisekader. Die sozioökonomische Realtität der Mangelgesellschaft, die auf Kosten des Breitensports in den Hochleistungssport gepumpten Mittel oder die abnehmende Glaubwürdigkeit des Systems und seiner Repräsentanten haben in der Bevölkerung zum Abbau der Legitimität des Regimes beigetragen."37
Nicht nur im Falle des "Verräters" Wolfgang Schmidt konnte die SED-Propaganda aus der Naivität von westdeutschen Sportfunktionären und Teilen der bundesdeutschen Medien Kapital schlagen. So übernahm das FDJ-Organ "Junge Welt" im Wortlaut eine längere Passage aus der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", in der es hieß, Schmidt sei nicht nur ein Opfer gewesen, sondern er habe auch die Atmosphäre aufgeheizt, als er bei der Siegerehrung in Düsseldorf seinem ehemaligen Mannschaftskameraden Jürgen Schult die Hand zur Gratulation entgegengestreckt habe. Dies sei unfair gewesen, denn Schmidt hätte doch wissen müssen, daß Schult nicht reagieren durfte.38 Wenig später konnte die "Junge Welt" erneut eine Stilblüte des damaligen bundesdeutschen Zeitgeistes aufspießen, um sie für den propagandistischen Hausgebrauch auszuschlachten. Aus der Dezembernummer 1988 der Zeitschrift der Deutschen Sportjugend "Olympische Jugend" übernahm die "Junge Welt" einen Artikel, der aus ihrer eigenen Redaktion hätte stammen können. Die darin verkündete Botschaft lautete, im DDR-Sport stimme einfach alles – vom sozialen, psychologischen und medizinischen Umfeld bis zur Durchsetzung der Parteitagsbeschlüsse. Eine als richtig anerkannte und gesetzlich sanktionierte Sportpolitik werde in der DDR schlicht und einfach durchgesetzt.39
Außen- und deutschlandpolitisch hat der Sport seine ihm vom SED-Staat zugedachte Funktion durchaus erfüllt. An die Stelle der "Diplomaten im Trainingsanzug" konnten Berufsdiplomaten treten. Die effizient erscheinende Organisation des DDR-Sports stieß auch bei einigen blauäugigen westdeutschen Sportfunktionären und –journalisten auf hohe Wertschätzung. Nicht zuletzt deshalb, weil sie auf Potemkinsche Dörfer hereinfielen, die ihnen bei offiziellen Besuchen im "Sportwunderland" DDR vorgeführt wurden. Erfolgversprechend schienen sich zudem die Aktivitäten der DDR in den supranationalen Gremien des Sports zu entwickeln. Mit der Forderung nach der "Demokratisierung" des Weltsports verschaffte sich die DDR mit politisch gezielter Sport-Entwicklungshilfe in Ländern der Dritten Welt Verbündete. Mit ihnen und im Einklang mit den anderen kommunistischen Staaten verfolgte die DDR damit seit Mitte der siebziger Jahre das Ziel – beispielsweise im Rahmen der UNESCO oder der Europäischen Sportkonferenzen –40, den internationalen Sportverkehr von der Verbands- auf die staatliche Ebene zu verlagern. Ihre damit verbundenen Bestrebungen, die Autonomie der nationalen und internationalen Sportverbände und -gremien zu unterlaufen, blieben jedoch schließlich im Ansatz stecken.
4. Der Leistungssport im Griff des MfS
Der Potsdamer Sporthistoriker Hans Joachim Teichler hält es für gesichert, daß der DDR-Spitzensport mit seinen zahlreichen und regelmäßigen Auslandskontakten und seinem großen Geheimhaltungsbedürfnis zu dem am gründlichsten kontrollierten und abgeschirmten Teilbereichen der DDR-Gesellschaft gehörte.41
Im Vorfeld der Olympischen Spiele von 1972 in München verstärkte das MfS seine Anstrengungen zur flächendeckenden Überwachung und Abschirmung des gesamten Sportbetriebes durch die Aufstockung des hauptamtlichen Personals und der Inoffiziellen Mitarbeiter in der Hauptabteilung XX/3 der Zentrale sowie in den entsprechenden Diensteinheiten seiner 15 Bezirksverwaltungen.42 Den Parteiauftrag, den die "Linie Sport" des MfS zu erfüllen hatte, faßte der Direktor der Stasi-Unterlagen-Behörde Hansjörg Geiger folgendermaßen zusammen:
- "Sicherung des Renommees und der Leistungsfähigkeit des DDR-Sports im internationalen Vergleich
- Sicherung der erzielten Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Trainingsmethoden, der technischen Geräteentwicklung und nicht zuletzt des Dopings
- Verhinderung von Republikfluchten und Abwerbungsversuchen aus dem Westen
- ›Aufklärung‹ des bundesdeutschen Sports und internationaler Sportgremien mit dem Ziel der Abwehr eventueller Ausspähungen und Informationsgewinnung auf dem Gebiet der Sportpolitik, der Sportwissenschaft im allgemeinen und der Sportmedizin im besonderen."43
Zur Erfüllung dieser Aufgaben rekrutierte das MfS vor allem in Ost-Berlin und in Leipzig Heerscharen von Spitzeln unter Sportlern, Trainern, Wissenschaftlern, haupt- und nebenamtlichen Sportfunktionären sowie Sportjournalisten. Selbst unter den ohnehin sorgfältig ausgewählten Touristen, die zu sportlichen Großveranstaltungen ins Ausland reisen durften, befand sich durchschnittlich jeder zehnte im Einsatz für das MfS.44 Giselher Spitzer schätzt, daß DDR-weit jährlich bis zu 3000 Inoffizielle Mitarbeiter zur "Absicherung" des Sports für das MfS tätig waren.45 Außerdem gingen in der Bundesrepublik und in West-Berlin westdeutsche Sportfunktionäre und -wissenschaftler als verpflichtete und bezahlte IMs oder als angeblich unwissende Kontaktpersonen dem MfS willfährig zur Hand.46
Besonders aufschlußreich für das Denken und Verhalten eines von seiner Sache überzeugten Spitzels ist ein in seltener Deutlichkeit geschriebener Brief des hochrangigen DDR-Funktionärs Karl-Heinz Wehr vom 9. Oktober 1988 an den neu bestallten DTSB-Präsidenten Klaus Eichler mit Durchschrift an den Leiter der ZK-Abteilung Sport, Rudolf Hellmann.47 Wehr, der bei seiner Enttarnung im Jahre 1993 kein Hehl daraus machte, daß er – natürlich, ohne jemanden geschadet zu haben – über drei Jahrzehnte als IM "Möve" dem MfS zu Diensten gestanden hatte,48 blieb dennoch bis 1998 Generalsekretär des Internationalen Amateur-Boxsportverbandes (AIBA), weil er vermutlich zuviel über seine Kollegen aus Ost und West wußte. Nach seiner Abwahl aus dieser Funktion widmete er sich der Bekämpfung der Korruption im Amateurboxsport.49
Da Wehr 1988 bei dem skandalträchtigen olympischen Boxturnier in Seoul, bei dem Bestechungsgelder zur Begünstigung koreanischer Boxer an Kampfrichter geflossen waren, mit Rücksicht auf seine Funktion nicht öffentlich die Interessen der dadurch benachteiligten DDR-Boxer vertreten konnte, verlangten DTSB-Funktionäre nach der Rückkehr aus Korea zum wiederholten Male seinen "Abschuß". Darüber zutiefst empört beklagte sich Wehr bei Eichler:
"Diese offensichtlich wenig informierten Menschen begreifen nicht, daß meine Aufgabe nicht darin bestehen kann, lauthals und für alle sichtbar zu protestieren, wenn wir uns ungerecht behandelt fühlen. Sie verstehen nach wie vor auch nicht, daß über das, was tatsächlich von mir gemacht wird, aus vielerlei Gründen nicht einmal gesprochen werden kann."
Mit dem letzteren bezog sich Wehr auf seine MfS-Anbindung, denn nicht nur für ihn, sondern beispielsweise auch für den prominenten Fußballspieler und –trainer Eduard Geyer ist die Spitzeltätigkeit für das MfS bis heute eine völlig normaler Tatbestand, der zum DDR-Leistungssport einfach dazugehörte.50
In seinem an Eichler gerichteten Brief gab Wehr zudem den kaum verschlüsselten Hinweis, daß er selbst im Vorfeld zu den Manipulationen des olympischen Boxturniers in Seoul beigetragen haben muß:
"Vielleicht eine Gedächtnisstütze im konkreten Fall: Präsident Chowdhry und ich erklärten vor mehr als einem Jahr den Vertretern des DBV der DDR, daß die DDR zwei Goldmedaillen in Seoul erkämpfen werde. Ich habe auch in den kritischsten Situationen in Südkorea zu keiner Zeit an diesem Endergebnis gezweifelt."
Der NVA-Obrist Wehr fühlte sich offensichtlich in seiner Offiziersehre von seinen Gegnern im DTSB verletzt. Deshalb erläuterte er Eichler in klassenkämpferisch-martialischer Manier seinen Kampfauftrag bei seinem Eintreten für die Interessen des DDR-Sports im "Wettkampf der Systeme":
"Damit Du verstehst, wie ich mich fühle: Ich habe in Korea täglich und stündlich Fuß an Fuß und Auge in Auge mit dem Gegner um die Durchsetzung unserer Positionen erfolgreich gekämpft.[...] Ich glaube, ich bin es meinem Ruf als Genosse und Offizier schuldig, für klare Verhältnisse zu sorgen. Man kann auf die Dauer nicht erfolgreich ohne gefestigtes Hinterland kämpfen. Und für mich war und ist dieses Hinterland im konkreten Falle der DTSB der DDR und der DBV der DDR."
Soviel Mannesmut besaß der von seinen Untergebenen gefürchtete langjährige DTSB-Präsident, das ZK-Mitglied Manfred Ewald, gegenüber Erich Mielke nicht, als er jenem ungeachtet ihrer gegenseitigen abgrundtiefen Abneigung schmeichelte: "Wir achten und ehren Dich, und wir wissen, daß Du der erfahrenste Mann auf dem Gebiet des Sports bist. Von Dir haben wir alle viel gelernt."51 Ewalds Einfluß auf die Parteiführung war unter Walter Ulbrichts Ägide weitaus größer als nach dem Machtantritt Honeckers. Aus der Aktenüberlieferung ergibt sich eindeutig, daß sich Ewald seither insbesondere in Personalangelegenheiten sowohl dem Parteiapparat als auch dem MfS zu beugen hatte.
Auf die Frage seines Vernehmers in der MfS-Bezirksverwaltung Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) "Was halten Sie vom Sport?" antwortete im Sommer 1974 ein später zu drei Jahren Haft verurteilter junger Mann:
"Die Entwicklung und Förderung des Leistungssports in der DDR dient meiner Meinung nach in ungerechtfertigter Weise politischen Zielen. Ich vertrete die Auffassung, daß ein gefestigter Staat die Verwendung von Ergebnissen von Leistungssportlern für politische Ziele nicht nötig hat und als nötig erachten sollte. Demnach sind die Erfolge der Leistungssportler der DDR nicht ›politische Ehre‹ für die DDR, sondern Zeugnis einer falschen Innenpolitik auf dem Gebiet des Sports meiner Meinung nach.
Dabei möchte ich, um nicht mißverstanden zu werden, anfügen, daß ich sportliche Wettkämpfe im allgemeinen und international im besonderen begrüße, weil sie der Verständigung der Völker dienen. Ich beziehe mich vor allem auf den Boxsport, wenn ich die Ansicht vertrete, daß es falsch ist, Leistungssportler zu erziehen, weil dies auf Kosten dieser Sportler geschieht, der DDR meiner Ansicht nach sinnlose bzw. zweckentfremdete Mehrausgaben auferlegt werden und die Entwicklung des Breitensports behindert wird."52
Dem Vernehmer des Untersuchungshäftlings war zuvor nicht bekannt, daß dieser als ehrenamtlicher Boxtrainer "gesellschaftliche Arbeit" geleistet hatte, um einen Studienplatz zu erhalten. Er hatte seinen jugendlichen Schützlingen geraten, aus gesundheitlichen Gründen das Boxen nicht über die Ebene der Bezirksspartakiade hinaus zu betreiben. Nicht nur aus solchen Verhören, sondern vor allem aus ungezählten Spitzelberichten dürfte die Parteiführung durch das MfS in Erfahrung gebracht haben, wie sehr sie sich mit der Instrumentalisierung des Sports für ideologische und machtpolitische Zwecke in einer Sackgasse verrannt hatte. Der Legendenbildung tut dies allerdings keinen Abruch. Die einstige Neubrandenburgerin Weltklasse-Sprinterin Katrin Krabbe kann sich nicht mehr daran erinnern, ob man ihr an der Kinder- und Jugendsportschule (KJS) Dopingmittel verabreichte. Von ihrer KJS weiß sie ansonsten nur Positives zu berichten: "Unser Fördersystem war perfekt. Wir haben im Internat vier Mahlzeiten am Tag bekommen, wir durften da zur Schule gehen und zweimal am Tag zum Training, wir konnten da duschen, wir haben da geschlafen, und unsere Eltern haben nur 35 Mark im Monat dafür bezahlt. Es war eben nicht alles schlecht in der DDR."53
Gunter Holzweißig, Dr. phil., Jg. 1939, Historiker und Publizist. 1969 bis 2004 leitender Mitarbeiter im Gesamtdeutschen Institut in Bonn und Berlin sowie im Bundesarchiv Berlin. 1994 bis 1998 Lehrbeauftragter an der Universität Leipzig. Zahlreiche Veröffentlichungen zur DDR-Historiografie. Darunter Monografien zur Medien-, Sport- und Militärpolitik der DDR.
Vorabdruck aus dem Sammelband: Am Ende des realen Sozialismus (6). Herrschaft, Gesellschaft und Alltag im SED-Staat, hrsg. von Eberhard Kuhrt in Verbindung mit Hannsjörg F. Buck und Gunter Holzweißig im Auftrag des Bundesministeriums des Innern.
1. Grundlegende Quelleneditionen zur DDR-Sportgeschichte sind: Giselher Spitzer/ Hans Joachim Teichler/Klaus Reinartz (Hgg.), Schlüsseldokumente zum DDR-Sport. Ein sporthistorischer Überblick in Originalquellen, Aachen 1998 sowie Hans Joachim Teichler, Die Sportbeschlüsse des Politbüros. Eine Studie zum Verhältnis von SED und Sport mit einem Gesamtverzeichnis und einer Dokumentation ausgewählter Beschlüsse. Bundesinstitut für Sportwissenschaft, Wissenschaftliche Berichte und Materialien, Band 2, Köln 2002. Weitere Hinweise zu neuerer Literatur befinden sich in den folgenden Anmerkungen.
2 Neues Deutschland, 24. Februar 1987.
3 Christian Becker bescheinigt zwar bundesdeutschen Autoren, daß es ihnen vor 1989 gelungen sei, ohne Archivzugang aus verstreuten Aufsätzen und grauer Literatur "recht geschlossene Darstellungen zu schreiben, die rein faktisch kaum revisionsbedürftig sind", doch er moniert gleichzeitig: "Fraglich ist jedoch, ob die starre Fixierung auf die ›Instrumentalisierungsthese‹, die für die bundesdeutsche Literatur der achtziger Jahre kennzeichnend gewesen ist (vgl. noch Ende der achtziger Jahre HOLZWEISSIG 1988) und zudem meist mit ›Missbrauch des Sports‹ konnotiert ist, den komplexen Bezügen des Sports zum Gesamtsystem DDR gerecht wird." In: Wolfgang Buss/Christian Becker (Hgg.), Der Sport in der SBZ und frühen DDR. Genese – Strukturen – Bedingungen. Schriftenreihe des Bundesinstituts für Sportwissenschaft, Band 109, Schorndorf 2001, S. 49 f.
4 Ausführlicher dazu: Gunter Holzweißig, Sport und Politik in der DDR. Berlin 1988, S. 17 ff.
5 Schreiben mit Anlagen der Cheflektorin des Verlages "Neues Leben", Irma Radandt, vom 14. Juni 1973 an die ZK-Abteilung Sport und Stellungnahme des ZK-Abteilungsleiters Sport, Rudolf Hellmann, vom 28. Juni 1973, in: SAPMO-BArch, DY 30/IV B2/18/18.
6 Für die überarbeitete Fassung vgl. Klaus Ullrich: Monika Zehrt erzählt. Protokoll einer Jugendstunde in: Der Sozialismus siegt. Hg. vom Zentralen Ausschuß für Jugendweihe in der Deutschen Demokratischen Republik. Ost-Berlin 1975, S. 439-443.
7 Auszüge aus der von Siegfried Müller und Heinz Schwidtmann verfaßten Instruktion "Ausgewählte Schwer-punkte der politisch-ideologischen Vorbereitung von Leistungssportlern auf die Olympischen Winterspiele 1988" in der nur an einen kleinen Kreis von Sportfunktionären als vertrauliche Dienstsache verteilten Zeitschrift "Theorie und Praxis des Leistungssports" (Nr. 285/1987) finden sich bei Gunter Holzweißig, Sport und Politik in der DDR. Berlin 1988, S. 142 ff.
8 Siegfried Müller/Heinz Schwidtmann, Zu Schwerpunkten der politisch-ideologischen Vorbereitung der Leistungssportler und ihrer Kollektive auf die Olympischen Sommerspiele in Seoul, in: Theorie und Praxis des Leistungssports, Nr. 292/1987, S.17.
9 Vgl. dazu Hans Joachim Teichler, Konfliktlinien des Sportalltags. Eingaben zum Thema Sport. In: Hans Joachim Teichler (Hg.), Sport in der DDR. Eigensinn, Konflikte, Trends. Köln 2003, S. 535-560.
10 Im vorliegenden Heft von Horch und Guck, S. 17f.
11 Vgl. dazu Hans-Dieter Krebs, Das Ewald-Urteil ist kein Schlussstrich. Genugtuung für Dopingopfer der DDR steht noch aus, in: Deutschland Archiv 33 (2000)-5, S. 708 – 710.
12 SAPMO-BArch, DY 30 (ZK-Abteilung Sport) vorl. 415.
13 Harry Müller, Lebenswerte und nationale Identität, in: Walter Friedrich und Hartmut Griese (Hgg.), Jugend und Jugendforschung in der DDR; Gesellschaftspolitische Situationen; Sozialisation und Mentalitätsentwicklung in den achtziger Jahren. Opladen 1991, S. 132.
14 Zitiert nach: Grit Hartmann, Goldkinder. Die DDR im Spiegel ihres Spitzensports. Leipzig 1997, S. 17.
15 Hinweise dazu finden sich in der Berichterstattung der Bezirke an das Ministerium für Volksbildung über die vormilitärische Ausbildung an Erweiterten Oberschulen und der Spezialschulen in den Jahren 1981/82 (BArch DR 2 46-02-03).
16 Vgl. dazu Hans Joachim Teichler, Sport unter der Herrschaft der Ideologie – Sport im Nationalsozialismus, in: Irene Diekmann und Hans Joachim Teichler (Hgg.), Körper, Kultur und Ideologie; Sport und Zeitgeist im 19. und 20. Jahrhundert. Bodenheim 1997, S. 110.
17 SAPMO-BArch, DY 30/IV 2/3/1418.
18 Ebenda, Bl. 18.
19 Hartmut Preuß, Zur Bedeutung des Wehrsports an allgemeinbildenden polytechnischen Oberschulen, in:Wissenschaftliche Zeitschrift der Wilhelm-Pieck-Universität Rostock, G-Reihe 37 (1988), S. 68 ff.
20 Hajo Bernett, Körperkultur und Sport in der DDR. Dokumentation eines geschlossenen Systems, Schorndorf, 1994, S. 221 f. Dort zitiert nach: Günther Stiehler (Leiter des Autorenkollektivs), Methodik des Sportunterrichts. 2. Aufl. Ost-Berlin 1973, S. 316 f.
21 SAPMO-BArch, DY 30/IV 2/2/2313.
22 Ebenda, DY 30/IV 2/2.039/256, Bl. 11.
23 Vgl. dazu Hans Joachim Teichler, Staatsplan ohne "Sportobjekte". Anmerkungen zur wirtschaftlichen Talfahrt, in: a.a.O., Anm. 12, S. 243-248.
24 Vgl. dazu Gunter Holzweißig, Diplomatie im Trainingsanzug. Sport als politisches Instrument der DDR in den innerdeutschen und internationalen Beziehungen. Mit einem Exkurs von Manfred Messing und Dieter Voigt über: Die Olympischen Spiele in Montreal und Moskau in der Berichterstattung der Medien. München, Wien 1981, S.33-44.
25 Manfred Preußger, Der gesellschaftliche Auftrag des Leistungssportlers in der Deutschen Demokratischen Republik, in: Theorie und Praxis der Körperkultur, Heft 6 (1958), S. 491.
26 Neues Deutschland, 21. April 1967.
27 Ebenda.
28 SAPMO-BArch, DY 30/IV 2/2.033/10. Vgl. dazu auch Klaus Reinartz, Das manipulierte Echo; Presselenkung am Beispiel von Olympia 1972, a.a.O. Anm. 12, S. 90-97.
29 Vgl. dazu Jutta Braun, Klassenkampf im Flutlicht – Innerdeutscher Sportverkehr 1974-1989, a. a. O. Anm. 9, S. 61-132.
30 SAPMO-BArch, DY 30/IV 2/2.039/261.
31 So der Leiter der ZK-Abteilung Sport Rudolf Hellmann in einer Hausmitteilung vom 1. Oktober 1987 an Egon Krenz, in: SAPMO-BArch, DY 30/IV 2/2.039/261.
32 Vgl. dazu: SAPMO-BArch, DY 30/IV 2/2.039/261 Bl. 54-60.
33 Ebenda, Bl. 57.
34 Ebenda, Bl. 132.
35 Ebenda, Bl. 133.
36 Vgl. dazu Giselher Spitzer, "Beim Geld setzt das Schweigen ein" – Die Sonderrolle des Fußballsports in der DDR, a. a. O. Anm. 14, S. 147-168.
37 Hans-Dieter Krebs, Das deutsch-deutsche Sportprotokoll. Entwicklungsgeschichte und politische Bedeutung – eine quellenhistorische Analyse. Dissertation angenommen vom Fachbereich Sport der Johannes Gutenberg-Universität Mainz 2001, S. 321 f.
38 Junge Welt, 6. Juli 1988 und Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. Juni 1988.
39 Junge Welt, 3. Januar 1989.
40 Vgl. dazu Gunter Holzweißig, Die Rolle der DDR auf den Europäischen Sportkonferenzen, in: Sportwissenschaft 13 (1983) - 2, S. 227-233.
41 Hans Joachim Teichler, Die Ausspähung des westdeutschen Sports durch das Ministerium für Staatssicherheit der DDR, in: Giselher Spitzer/Harald Braun (Hgg.), Der geteilte deutsche Sport. Tagung der dvs-Sektion Sportgeschichte vom 24.-26.3.1995 in Potsdam. Berichte und Materialien des Bundesinstituts für Sportwissenschaft, Band 3, Köln 1997, S. 65 - 97, hier S. 68.
42 Vgl. dazu Jochen Staadt, Die SED und die Olympischen Spiele 1972, in: Klaus Schroeder (Hg.). Geschichte und Transformation des SED-Staates; Beiträge und Analysen, Berlin 1994, S. 211-232, hier S. 224 ff.
43 Hansjörg Geiger, Das Ministerium für Staatssicherheit und der Leistungssport, in: a. a. O. Anm. 15, S. 217-247, hier S. 220.
44 A. a. O. Anm. 40, S. 230.
45 Vortrag am 18. April 1997 im Bundesinstitut für Sportwissenschaft in Köln.
46 Hans Joachim Teichler, a. a. O. Anm. 40. Vgl. auch Giselher Spitzer, Inoffizielle Mitarbeiter im Sport: Fallstudie Leipzig, a. a. O. Anm. 12, S. 188-204.
47 SAPMO BArch, DY 30 (ZK-Abteilung Sport) vorl. 427.
48 Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. und 9. November 1997; Der Spiegel, Nr. 45, 8. November 1993, S. 287.
49 Berliner Morgenpost, 18. September 2000.
50 Eduard Geyer wurde vom "Tagesspiegel" (11. August 2002) in einem Interview darauf angesprochen, kurz nach der "Wende" habe sich herausgestellt, er habe als "IM Jahn" Berichte über andere Fußballer geschrieben, wofür auch Geld geflossen sein soll. Darauf entgegnete Geyer: "...und das ist gelogen. Ich habe nie Geld erhalten. Wer nie im DDR-Leistungssport war, kann meine Situation sicher nie verstehen. Ich hätte damals viele Dinge hinterfragen müssen. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen." Auch renommierte westdeutsche Fachjournalisten, wie der langjährige kritische Beobachter des DDR-Sports, Willi Ph. Knecht sind heute der Meinung, daß die "Schnitzeljagd" auf IMs aus dem Kreis ehemaliger DDR-Spitzensportler, Funktionäre und Trainer beendet werden müsse (Sächsische Zeitung, 23./24. März 2002). Knecht geriet zudem in die öffentliche Kritik, weil er im "NOK-Report" die Glaubwürdigkeit der Dopingopfer bezweifelte (Der Tagesspiegel, 21. Juni und 22. August 2002). Vgl. dazu auch Willi Ph. Knecht, Die Zwiespältigkeit der Entschädigung von Folgen des DDR-Dopings, in: Deutschland Archiv 34 (2001) – 4, S. 568 – 570.
51 Niederschrift der ZAIG 2 des MfS über ein Gespräch zwischen Manfred Ewald, Rudolf Hellmann und Erich Mielke am 31. März 1986, in: Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, Abteilung Bildung und Forschung (Hg.), MfS und Leistungssport; Ein Recherchebericht, Reihe A: Dokumente Nr. 1/1994, S. 87-113, hier S. 92.
52 Als Kopie im Besitz des Verfassers, dem der Betroffene, der auch in der DDR verbotene Literatur wie beispielsweise die Schriften George Orwells weitergegeben hatte, bestätigte, daß die Wiedergabe seiner Äußerungen im Vernehmungsprotokoll zutreffend sei.
53 Der Tagesspiegel, 16. November 2003.
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