Heft 53/2006 | die ddr und der osten | Seite 42 - 45

Hans-Joachim König

Erinnerungssplitter aus dem Bürgerkomitee

Der Autor arbeitete vom 17. Januar bis zum 12. Juni 1990 im Berliner Bürgerkomitee Normannenstraße in der Arbeitsgruppe Informatik mit.

An einem der ersten Tage im Bürgerkomitee sah ich auf dem Weg vom U-Bahnhof zum Haus 1 des MfS von weitem einen Mitbewohner meines Hauses mir entgegenkommen. Als er mich erblickte, bedeckte er ruckartig sein Gesicht mit der Aktentasche. Mir war der Herr im Hause nie aufgefallen, und ich wußte nichts von seiner Tätigkeit. Seine Reaktion an diesem Morgen zeigte deutlich, daß ihn ein schlechtes Gewissen plagte.

Wiederholt behaupteten Stasi-Angehörige, Oppositionelle wären für die wenigen Randalen am 15.01.90. verantwortlich. Ein Erlebnis, das ich an dem Tage hatte, widerspricht dem. Mit zwei jüngeren Kollegen traf ich mich am 15.01.90, um an der Zusammenkunft vor dem Stasi-Hauptquartier teilzunehmen. Als wir in der Ruschestraße ankamen, waren dort schon viele Menschen. Wir bewegten uns in Richtung Haupteingang. Unweit von uns schlug eine Gruppe von drei oder vier jungen Männern, die so etwas wie eine Bergsteigerausrüstung dabei hatten, den gleichen Weg ein. Anscheinend wollten sie sich als Fassadenkletterer betätigen (um Randale zu verursachen?). Trotz des vielstimmigen Gesangs: »Stasi in den Tagebau, ...« waren meine mit lauter Stimme hervorgebrachten Worte: »Stasi, SED, passee, ...« in der näheren Umgebung nicht zu überhören. Auch die Gruppe der »Fassadenkletterer« hörte das. Meine Worte paßten ihnen überhaupt nicht. Mit wütenden Gesichtern kamen sie auf mich zu. Ob sie handgreiflich werden wollten, weiß ich nicht. Meine beiden Kollegen und andere Demo-Teilnehmer stellten sich dazwischen. Da ließen sie von mir ab. Die »Fassadenkletterer« habe ich danach aus den Augen verloren und nicht mehr wiedergesehen.
Nach der Erstürmung des MfS am 15.01.90 wurden die Fensterscheiben einiger Privatautos der MfS-Mitarbeiter mit der Aufschrift »STASI« besprüht. Nach ein paar Tagen oder Wochen wollten die Besitzer ihre PKWs abholen. Natürlich hatten sie Hemmungen, sich mit der deutlich sichtbaren Besprühung »STASI«  nach Hause zu bewegen. Eifrig machten sie sich dabei, die Beschriftung zu entfernen, was kaum gelang. In den meisten Fällen hatte nur die hintere Scheibe die Aufschrift. Mit einer genügend befestigten Abdeckung dieser Scheibe ergab sich die Möglichkeit, »unerkannt« den Wohnort aufzusuchen.

Die erste Begehung, die ich innerhalb der Arbeitsgruppe »Informatik« des Bürgerkomitees miterlebt habe, war die des Hauses 8. Im Haus 8 war der Großrechner untergebracht. Wir wurden von einem MfS-Angehörigen begleitet, der als Hausmeister mit einem riesigen Schlüsselbund in der Hand fungierte. Als das MfS aktiv war, gab es eine strenge Trennung zwischen den Arbeitsbereichen. Jeder Bereich hatte eine eigene Waffenkammer, eigene Aufenthaltsräume, eine eigene Kleinküche und ein eigenes WC. Jeder MfS-Mitarbeiter hatte nur Zugang zu seinen bereichsinternen Räumen. Der Hausmeister, der uns begleitete, bekam das erste Mal fremde Diensträume zu Gesicht. Beim Betreten einer Küche rief er unvermittelt: »Da ist ja meine Kaffeemaschine«. In einer fremden Abteilung hat er seine seit ein paar Monaten vermißte Kaffeemaschine wiedergesehen.

Im Haus 43, dem »Nachrichtenwürfel«, sah ich Stasi-Mitarbeiterinnen, die sich eine Rauchpause gönnen wollten. Erleichtert sagte eine von ihnen: »Ach, jetzt können wir überall rauchen und brauchen nicht erst einen nur dafür vorgesehenen Ort aufzusuchen.« Auch diesbezüglich hatte früher ein strenges Regime geherrscht. Weiterhin wurde Erleichterung bekundet, weil die Fenster der zur ebenen Erde liegenden Räume nicht mehr verdunkelt waren. Da in diesen Räumen die in Computern zu verarbeitenden Daten das erste Mal verschlüsselt wurden, hatte man Sichtblenden angebracht, damit von draußen niemand die Klardaten erspähen konnte. Diese Vorsichtsmaßnahme fand Anwendung, obwohl sich auf dem Gelände nur MfS-Leute bewegen durften. Im »Nachrichtenwürfel« war die zentrale Überwachungsstelle des MfS-internen Telefon-Sondernetzes untergebracht, des sogenannte Zweitstellennebennetzes. Alle zu diesem Netz gehörenden Einrichtungen und Räume wurden von hier aus kontrolliert.

Der Nachrichtenbunker in Dammsmühle war ein Übertragungsknoten des MfS-Zweitstellennebennetzes. Am 02. 02. 1990 inspizierten Vertreter des Runden Tisches diesen Bunker. Es waren auch Vertreter vom Runden Tisch in Schönwalde anwesend (Dammsmühle gehörte zu Schönwalde). Von den ehemaligen Stasi-Leuten wurden wir mit wenig plausiblen Ausflüchten etwa acht Stunden lang hingehalten. Unter anderem wurde versucht, mit einer Schloßbesichtigung vom Nachrichtenbunker abzulenken. Das Schloß hatte Mielke als Gästehaus gedient.
Schließlich waren wenigstens die Mannschaftsräume zugänglich. Man konnte aber durch kleine Öffnungen in die technischen Räume sehen, und es waren die eingeschalteten Übertragungsleitungen zu erkennen. Nach beharrlichem Druck auf die Stasi-Mitarbeiter wurde auch der Zugang zu den technischen Räumen erzwungen. Die Übertragungseinrichtungen wurden von mir als Vertreter der Arbeitsgruppe Sicherheit des Rundes Tisches außer Betrieb genommen. Da von der zentralen Signalisierung im »Nachrichtenwürfel« in der Gotlindestraße noch das gesamte Zweitstellennebennetz überwacht wurde, kamen durch diese Abschaltung dort alle möglichen akustischen und optischen Alarmmeldungen. Als ich am nächsten Tag in die Gotlindestraße kam, erfuhr, daß die zum Zeitpunkt der Abschaltung im »Nachrichtenwürfel« Anwesenden in eine panische Stimmung versetzt worden waren. Aber es wurde dort auch bekannt, daß ich der »Bösewicht« war, der die Einrichtungen außer Betrieb gesetzt hatte.
Am 15.03. ging das Objekt in die Verfügungsgewalt der Gemeinde über, die Einrichtungen wurden in den Folgetagen von Postlern abgebaut. Später stellte sich heraus, daß im Schloß Dammsmühle noch eine Nebenstellenanlage in Betrieb war. Unter anderem existierten von dort Fernmeldeverbindungen zum Honecker-Bunker in Biesenthal.

Am 06.02.90 suchten wir die zur Waldsiedlung in Wandlitz gehörenden Telefonzentrale auf. Dabei fiel auf, daß ein Telefonanschluß in Wandlitz eine Pankower Rufnummer hatte. Von den Stasi-Mitarbeitern wurde dafür eine einfache Erklärung gegeben: Erich Honecker wollte bei seinem Aufenthalt in Wandlitz dieselbe Rufnummer haben wie bei seinem Aufenthalt in Pankow. Zu diesem Zweck war eine von der Pankower Vermittlungszentrale nach Wandlitz laufende Sonderleitung eingerichtet worden.

Während der ersten Tage nach dem 15. Januar 1990 konnten die Stasi-Mitarbeiter nur in Begleitung eines Angehörigen des Bürgerkomitees zum Aufsuchen ihrer Arbeitsräume das Gelände durchqueren. Im Bürgerkomitee wurde jeder aufgenommen, der dafür Interesse zeigte und früher keine MfS-Beziehungen hatte. In einem Fall ist dadurch eine peinliche Situation eingetreten. Das Sekretariat des Bürgerkomitees erhielt aus dem Haus 43 einen dringenden Anruf: Eine neu ins Bürgerkomitee aufgenommene junge Frau, die eine Begleitung zum Nachrichtenwürfel übernommen hatte, war nicht zurückgekehrt. Sie machte sich auf den Weg durch den Nachrichtenwürfel, betätigte alle möglichen Schalter und Tastaturen und war mit einem Mal nicht mehr zu finden. Wir haben uns gleich in das Haus 43 begeben. Schließlich haben wir die junge Frau in den Kellerräumen gefunden. Natürlich wurde sie sofort aus dem Bürgerkomitee entlassen und erhielt Hausverbot.

Im Zuge des Personalabbaus verschaffte die Kaderabteilung des MfS einer großen Anzahl von MfS-Mitarbeitern eine Arbeitsstelle in einer staatlichen Einrichtung der DDR. Jeder wollte so schnell wie möglich einen neuen Job bekommen. Das hatte zur Folge, daß sich vor der Kaderabteilung (Haus 48/49 in der Gotlindestr.) eine Warteschlange aus 4 bis 5 Personen nebeneinander und mit einer Länge von etwa 50 m bildete. Um in den Nachrichtenwürfel zu gelangen, mußte ich an diese Schlange vorbei gehen. Das erste Mal war mir beim Passieren dieser personellen Stasi-Konzentration doch recht mulmig zumute.

Am 07.02.90 besichtigten wir ein MfS-Areal in Gosen. Der Bunker, der sich auf diesem Gelände befand, diente dem Unterstellen von Lastkraftwagen des MfS, die mit VP-Nummernschildern gekennzeichnet waren. Den Anwohnern des Ortes sind natürlich die vielen Kraftfahrzeugbewegungen der »VP« aufgefallen. Wie auf anderen Gebieten traten früher auch Engpässe bei den verfügbaren Lastkraftwagen auf. Die an die VP gestellte Bitte der Bewohner, mit Fahrzeugen auszuhelfen, da, wie zu sehen, die VP eine große Anzahl von Fahrzeugen besitzt, brachte die VP-Dienststelle in Schwierigkeiten. Wie sollten sie den Bewohnern erklären, daß sie keine Fahrzeuge besitzen, obwohl laufend »VP«-LKWs umherfahren?
Einen weiteren Bunker haben wir am 20.02.90 in Weesow inspiziert. Er befand sich auf einem als Dynamo-Sportplatz getarnten Gelände. Die Jugendlichen des Ortes hatten früher versucht, ein Fußball-Freundschaftsspiel mit denen, die auf dem Sportplatz trainierten, durchzuführen. Aber es gab keine Möglichkeit, in dieser Hinsicht etwas zu erreichen. Auf dem »Sportplatz« waren nur Männer in Arbeitskleidung zu sehen, und die waren nicht ansprechbar. Von dem Bunker selbst war nichts zu sehen. Der Zugang zum Bunker war nur über einen langen Gang möglich. In den Gang gelangte man durch eine Tür, die hinter einem alten wackligen Schrank in einem Schuppen versteckt war.

Als ich dem Bürgerkomitee angehörte, habe ich mich ab und zu in meinem Betrieb sehen lassen. Von den Leuten, die noch das Sagen hatten, bekam ich mitunter unschöne Worte wegen meiner Tätigkeit in der Normannenstr. zu hören. Auf dem Wege zu meiner Arbeitsstelle traf  ich einmal einen Kollegen, den ich nur flüchtig kannte. Erstaunt vernahm ich von ihm die Worte: »Ich war ein IM«. Dann erinnerte ich mich. Ein paar Jahre früher, als wir gemeinsam einen Lehrgang besucht hatten, war er mir wegen seiner Fragerei merkwürdig vorgekommen. Anscheinend hatte er meine Verwunderung über seine Neugier mitbekommen und wollte nun sein Gewissen erleichtern. Eigenartig ist es doch, daß er ausgerechnet mich über seine IM-Vergangenheit in Kenntnis setzte.
Anmerkung: In meinen Akten habe ich über die Befragung durch diesen IM nichts gefunden. Somit enthalten die Akten nicht alles, oder es sind noch nicht alle Akten gefunden.

Eine unangenehme Situation trat bei einem Halt vor dem Kreisgericht in Bernau ein. Wir waren mit einem typischen Stasi-PKW unterwegs, einem neuen Lada. Ein paar Bernauer hielten uns für Stasi-Angehörige und nahmen eine drohende Haltung ein. Glücklicherweise hatten wir eine Pappe mit der Aufschrift »Bürgerkomitee« dabei. Die Pappe befestigten wir sichtbar an der Frontscheibe. Daraufhin ließen die Bernauer von uns ab.

Von Interesse war auch eine Visite im Berliner Fernsehturm am 26.02.90. Außer einem Büroraum in 10 m Höhe und einem Raum für Richtfunktechnik in 241 m Höhe wurde früher ein Raum in 238 m Höhe von der Stasi genutzt. Dort war ein kleiner Nebenraum mit Tonaufzeichnungstechnik versehen. Über den Raum bei 238 m waren alle internen Telefonanschlüsse des Fernsehturms geschaltet, d.h. jedes Gespräch von jedem Nebenstellenapparat konnte dort abgehört oder gespeichert werden. Außerdem waren dort früher Kameras installiert. Das letzte Mal kamen sie am 04.11.89 zum Einsatz, um die Demonstration zu filmen. Als wir den Fernsehturm in Augenschein genommen haben, war fast die gesamte Technik der Stasi von MfS-Leuten abgebaut. Es war lediglich noch der Verteiler vorhanden, zu dem alle Nebenstellenapparate geschaltet waren.

Eine frühere MfS-Produktionsstätte (OTS) hatte Ende Februar 1990 die Bezeichnung »Ingenieurbetrieb Wissenschaftlicher Gerätebau (IWG)«. Die Aufgaben des ehemaligen MfS-Betriebes waren sehr umfangreich. Beispielsweise wären zu nennen:
– Softwareentwicklung;
– Telefonüberwachungstechnik;
– Sicherungstechnik;
– Fernbeobachtungstechnik;
– Leiterplattenfertigung;
– Atomüberwachung und Strahlenschutz.
Für die Produktion von Abhörtechnik gab es genaue Vorschriften. In Übereinstimmung mit den Anforderungen der Diensteinheiten erfolgten im OTS die entsprechenden Entwicklungen, oder gab es Zulieferungen von außen. Vom OTS wurden nur kleine Stückserien gefertigt.
In früheren Jahren gelangten sogenannte NSW-Importe, also Importe aus dem nichtsozialistischen Währungsgebiet, zum OTS (beispielsweise 1987/88 Rechnertechnik über Mielkes Stellvertreter Schwanitz).
Ende Februar 90 hatten wir ein Gespräch mit einem Stellvertreter des Leiters des IWG. Zu diesem Zeitpunkt war von einer Wiedervereinigung noch keine Rede. Es bestand die Vorstellung, noch bis Ende 1990 den IWG von staatlicher Seite zu stützen. Der leitende Vertreter des IWG, mit dem wir sprachen, meinte, er werde eine Managerschule besuchen. Nach Absolvierung des Manager-Lehrganges könne er den Betrieb leiten und und ohne strukturelle Veränderungen übernehmen.
Dazu hatte ich meine Bedenken. Während andere Werke in der DDR laufend  Materialschwierigkeiten am Hals hatten, konnte OTS unter dem Deckmantel »LVO-Vorhaben« (LVO = Landesverteidigungsobjekt) beliebig in die Kiste »NSW-Importe« greifen. Die staatliche Unterstützung mußte unter den Bedingungen der Marktwirtschaft natürlich wegfallen. Auch wäre ein Erhalt der betrieblichen Struktur bedenklich. Nach meiner Meinung war bei dieser vorgesehenen Weiterführung des IWG die Pleite schon vorgezeichnet.

Anfang März 1990 suchten wir das EDV-Zentrum des Innenministeriums auf, in dem drei Räume vom MfS belegt waren. Es hielten sich dort noch Stasi-Mitarbeiter auf, die voll mit dem Häckseln beschäftigt waren. Sie mußten sofort ihre Tätigkeit unterbrechen. Diese Stasi-Angehörigen wurden schnurstracks nach Hause geschickt und erhielten Hausverbot. Vom Staatsanwalt wurden die in Frage kommenden Räume versiegelt.

Um die Übergabe der Technik zu kontrollieren, war ich am 15.03.90 das erste Mal bei einer Diensteinheit der HA II in der Rheingoldstr. 10 in Karlshorst. Der für das Objekt verantwortliche MfS-Mitarbeiter hatte auf seinem Schreibtisch pflichtgemäß das ND und die Junge Welt als Lektüre zu liegen. Als ich eine Woche später dort wieder auftauchte, verdeckte er schnell die auf dem Tisch liegende Zeitung, aber trotzdem war zu erkennen, daß dort eine Ausgabe vom Playboy lag.

Zeitweise haben Angehörige des Bürgerkomitees und Polizisten gemeinsam die Ein- und Ausgänge  des MfS-Objektes kontrolliert. Einmal war ich mit einem Polizeischüler zusammen am Eingangstor. Der Polizeischüler erzählte mir, daß er während der großen Veränderungen in der DDR vom September 89 bis Dezember 89 in einer Kaserne untergebracht war und nicht herausgekommen ist. Mit freudiger Erregung sprach er über die ersten Tage nach der Entlassung aus der Kaserne. Er wohnte in Leipzig. Als sehr angenehm hatte er die veränderte freundliche Haltung der Bevölkerung gegenüber der Polizei empfunden. Im Gegensatz dazu waren die Leute, bevor er im Frühherbst 1989 in die Kaserne kam, zu Polizisten sehr reserviert und ablehnend, was er wiederholt selbst zu spüren bekommen hat.

Ein erwähnenswertes Erlebnis hatte ich noch 1992. Auf einem ehemaligen MfS-Areal, auf dem zu diesem Zeitpunkt einige Verwaltungen und Firmen ihren Sitz hatten, waren fernmeldetechnische Ungereimtheiten zu klären, und ich hatte mich darum zu kümmern. Mir wurde gesagt, ein Herr Schulz weiß auf dem Gelände bezüglich des Telefonnetzes bestens Bescheid. Somit setzte ich mich mit Herrn Schulz in Verbindung. Auf meine Frage, seit wann er auf dem Areal tätig sei, antwortete er mir, daß er 1991 das erste Mal dort war. Nun hatte ich Kenntnis über einen auf dem Gelände befindlichen Bunker. Als wir durch das Objekt gingen, bemerkte ich eine Baustelle. Ich richtete an Herr Schulz die Frage, ob dort der Bunker gestanden hat. Unvermittelt antwortete er: »Nein, der Bunker befindet sich dahinten«. Gleichzeitig zeigte er mit der Hand in eine Richtung. Dann merkte er wohl, daß er sich verplappert hatte, und erklärte stotternd, er kenne den Bunker, weil er dort einen Nebenstellenanschluß einzurichten hatte. Die Antwort war vollkommen unlogisch. Was sollte ein Telefonanschluß in dem überflüssig gewordenen Bunker?

Hans-Joachim König, geb. 1930 in Halle, lebte aber immer in Berlin. Telegraphenbauhandwerkerlehrling, danach Arbeit als Fernmeldebauhandwerker bei der Deutschen Post, Studium, 1958 Abschluß als Diplomphysiker, bis 1989 im Institut für Post- und Fernmeldewesen bei der Vorbereitung des Einsatzes neuer Technik tätig, u.a. Mitwirkung bei der Inbetriebnahme des Berliner Fernsehturms. Januar bis Juni 1990 Mitarbeit im Bürgerkomitee Normannenstraße, danach Berufung in das neu gebildete Büro für Sicherheit im Ministerium für Post- und Fernmeldewesen.

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