HEFT 02/2006 | Editorial | SEITE 81

 

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

als wir uns im Frühsommer letzten Jahres bei der Auswahl der Themen auf einen Schwerpunkt "Zeitzeugen – Zeithistoriker" festlegten, meinten wir einen "Dauerbrenner" gefunden zu haben. Schließlich gehört die Einbindung von Zeitzeugen, die Geschichte erlebt und gestaltet haben, zu unserem redaktionellen Profil. Unser Aufruf an die Leserschaft, Beiträge über eigene Erfahrungen mit Zeitzeugen bzw. Zeithistorikern einzusenden, blieb leider unbeantwortet. Auf andere Weise aktuell ist unser Thema geworden, nachdem die Expertenkommission zur Schaffung eines Geschichtsverbundes "Aufarbeitung der SED-Diktatur" Mitte Mai dieses Jahren empfohlen hat, in diese Aufarbeitung stärker die Erfahrung von Zeitzeugen einzubeziehen. Mehrere Autoren haben in ihren Beiträgen Bezug darauf genommen. In der Rubrik "Schauplätze" sind diese Empfehlungen komplett abgedruckt, zusammen mit Kommentaren von Aufarbeitungsinitiativen der DDR-Basisbewegungen.

Zurück zum Hauptthema: Einem einführenden Text Alexander von Platos über Schwierigkeiten im Umgang mit Zeitzeugen folgt ein Beitrag Ilko-Sascha Kowalczuks über Erfahrungen und Befindlichkeiten eines Zeithisto­rikers, der sowohl mit Zeitzeugen arbeitet als auch selbst Zeitzeuge ist. Barbara Schier schreibt über ihr Feldfor­schungsprojekt, das sie Mitte der 90er Jahre im Auftrag der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität in Merxle­ben durchgeführt hat, wo 1952 die erste LPG gegründet wurde. Schließlich setzt sich Jochen Staadt kritisch mit einem Oral-History-Projekt des westdeutschen Historikers Lutz Niethammer Ende der 80er Jahre in der DDR auseinander.    

Einen Nebenschwerpunkt bildet diesmal mit den Texten von Nicolai Hannig und Andreas Weigelt sowie zwei Rezensionen die Auseinandersetzung mit der Art und Weise, wie in der DDR die Geschichte der NS-Zeit aufgearbeitet wurde. Hinweisen möchten wir auch auf das Interview mit einem ehemaligen Leiter eines Jugendklubs  über Kulturarbeit in der späten DDR zwischen Anpassung und Eigenständigkeit. Illustriert wird es von Fotos aus einer Ausstellung Dietmar Riemanns, die unter den absurd anmutenden Verhältnissen des DDR-Kulturlebens verboten wurde.

Zuletzt möchten wir Sie darüber informieren, dass der Vorstand des Bürgerkomitees "15. Januar" e.V. in Absprache mit der Redaktion zur Unterstützung unserer Arbeit  einen Redaktionsbeirat berufen hat, dem folgende Mitglieder angehören: Edda Ahrberg (Cobbel/Sachsen-Anhalt), Hans-Georg Golz (Bonn), Tobias Hollitzer (Leipzig), Rena­te Hürtgen (Berlin), Carlo Jordan (Berlin), Ilko-Sascha Kowalczuk (Berlin), Ehrhart Neubert (Erfurt). Inhaltlich wird sich seine Tätigkeit ab 2007 niederschlagen.
Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern einen schönen Sommer, einige Tage Entspannung und Zeit für die Lektüre des vorliegenden Heftes.

Im Namen der Redaktion
Dirk Moldt

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