Heft 55/2006 | Die Westarbeit des MfS | Seite 6 - 9
Georg Herbstritt
Markus Wolfs "Ho-Chi-Minh- Pfad": Agentenstau am Bahnhof Friedrichstraße
Das DDR-Ministerium für Staatssicherheit (MfS) steht in dem Ruf, mit seiner Spionageabteilung, der »Hauptverwaltung Aufklärung« (HV A) einen der weltweit besten Spionageapparate in der Zeit des Kalten Krieges unterhalten zu haben. In der Tat hatte das MfS den Westen Deutschlands mit einem dichten Netz von Agenten überzogen. 1989 spionierten rund 3 000 Bundesbürger als inoffizielle Mitarbeiter, als so genannte West-IM, für die verschiedenen Struktureinheiten der DDR-Spionage – die Häfte von ihnen für die HV A, die übrigen für andere MfS-Diensteinheiten, einige auch für den Militärischen Nachrichtendienst der DDR, der zum Bereich des Verteidigungsministeriums gehörte. Ob das MfS deshalb unter den »top ten« der damals besten Geheimdienste der Welt einzuordnen ist, mag dahingestellt bleiben. Der einseitige Blick auf die enorme Dimension der MfS-Westarbeit birgt auf jeden Fall die Gefahr, dass das falsche Bild eines perfekt funktionierenden Apparates entsteht. Tatsächlich musste auch die DDR-Spionage Niederlagen einstecken und hatte zeitweise ihre Schwierigkeiten sowohl mit der westlichen Spionageabwehr als auch mit hausgemachten Unzulänglichkeiten.
Der folgende Beitrag untersucht ein Problem, das dem MfS und insbesondere der HV A am innerstädtischen Berliner Grenzübergang Bahnhof Friedrichstraße entstanden war: Immer mehr West-IM sollten über den Bahnhof Friedrichstraße heimlich und unauffällig von West nach Ost geschleust werden, um sich mit ihren Führungsoffizieren zu treffen. Doch rein logistisch ließ sich dieser Massenansturm immer schwerer bewältigen. Dem MfS wurde in diesem Fall der eigene Erfolg zum Problem: Als Erfolg kann man aus geheimdienstlicher Sicht die Tatsache ansehen, dass das MfS über sehr viele Agenten im Westen verfügte. Ungewöhnlich und erfolgreich war im Grunde genommen auch die Methode des MfS, alle West-IM direkt aus der DDR heraus zu führen. Denn international war und ist es der Normalfall, die Botschaft des eigenen Landes, andere staatliche Auslandsvertretungen, Handelsniederlassungen und dergleichen mit getarnten Agentenführern zu durchsetzen. Von diesen »legalen Dächern« oder »legal abgedeckten Residenturen« aus wurde und wird Spionagetätigkeit ausgeübt, wurden und werden Agenten geführt. Der DDR standen anfangs solche legalen Dächer in der Bundesrepublik nicht zur Verfügung, so dass es für die Agentenführung kaum andere Möglichkeiten gab, als zum einen in großem Umfang mit Kurieren und Instrukteuren zu arbeiten, andererseits die Westagenten immer wieder in die DDR einzuschleusen oder sie in Drittländern zu treffen. Das war zwar eine sehr personal- und zeitaufwendige Methode, weil beispielsweise ein Kurier aus Gründen der Tarnung oft mehrere Wochen durch Europa reiste, nur um einen kurzen Agententreff in der Bundesrepublik wahrzunehmen. Aber diese Methode bot der westlichen Spionageabwehr weniger Ansatzpunkte als die Arbeit aus einer legal abdeckten Residentur heraus und war daher sicherer. Der langjährige HV A-Chef Markus Wolf pries noch in einem Gespräch im September 1990 die Vorzüge dieser Methode, ohne indes auf die damit verbundenen Schwierigkeiten einzugehen.1 Denn in der praktischen Arbeit entwickelte sich vor allem der Berliner Grenzübergang am S-Bahnhof Friedrichstraße nach dem Mauerbau im August 1961 sehr schnell zu einem riskanten Nadelöhr für Agenten-Grenzübertritte. Aus Sicht des MfS stieg seither die Gefahr der Enttarnung, sowohl gegenüber sachlich nicht zuständigen MfS-Mitarbeitern als auch gegenüber der westlichen Spionageabwehr. Dazu trugen auch die West-IM durch ihr Verhalten bei. Schon ein Jahr nach dem Mauerbau machte der Leiter der »Arbeitsgruppe Passkontrolle und Fahndung«, Oberstleutnant Eduard Switala, eine für das MfS alarmierende Feststellung. Im Rahmen einer internen Umstrukturierung hatte seine Diensteinheit soeben den Grenzübergang Friedrichstraße von der Abteilung XIII der MfS-Bezirksverwaltung Groß-Berlin übernommen, und in diesem Zusammenhang hatte er deren Tätigkeitsbücher eingesehen. Zu seiner Überraschung fanden sich darin die Personalien von hunderten von West-IM, teilweise mit ihren Decknamen, dazu die Namen und die Telefonnummern der Führungsoffiziere. Die Mitarbeiter der Abteilung XIII hatten nichts weiter getan, als jedes besondere Vorkommnis in ihr Tätigkeitsbuch einzutragen. Und im ersten Jahr nach dem Mauerbau meldeten sich zeitweise täglich zwischen fünf und zehn West-IM am Bahnhof Friedrichstraße und verlangten von den DDR-Grenzern, sie mit ihren Führungsoffizieren in Verbindung zu bringen. Die Grenzer kamen diesem Wunsch zumeist auch nach, notierten aber jeden einzelnen Fall ordentlich in ihrem Tätigkeitsbuch. Nach einem Jahr bildete sich in diesem Buch, in das viele Mitarbeiter der Abteilung XIII Einblick hatten, ein ganzer Teil des Westagenten-Netzes des MfS ab.2 Generalmajor Bruno Beater resümierte zwei Jahre später, dass durch »häufige Dekonspirationen von inoffiziellen Mitarbeitern an den Kontrollpassierpunkten« sowohl der DDR insgesamt als auch dem MfS »großer politischer Schaden« zugefügt worden sei, und ermahnte alle MfS-Diensteinheiten, Verbindungen über die Grenze hinweg umsichtiger zu organisieren. Zeitgleich reagierte die inzwischen zur »Hauptabteilung Passkontrolle und Fahndung« umbenannte Diensteinheit mit einer neuen Regelung: Fortan sollte es an jedem Berliner Grenzübergang einen »Mitarbeiter für Filtrierung« geben. Alle Westbürger, die an der Grenze Kontakt zum MfS aufnehmen wollten, mussten unverzüglich an ihn übergeben werden, und er konnte dann entweder die Verbindung zu einem MfS-Mitarbeiter herstellen oder den Betreffenden abweisen.3 Offenbar gelang es dem MfS damit, das Problem einigermaßen in den Griff zu bekommen. MfS-Chef Erich Mielke sprach dieses Thema in einem internen Schreiben 1970 zwar erneut kritisch an, aber die Zahl der IM, die sich gegenüber unbefugten Mitarbeitern der DDR-Grenz- und Zollkontrolle zu erkennen gaben, war zu diesem Zeitpunkt, an allen Berliner Grenzübergängen zusammengenommen, auf einen Vorfall pro Woche zurückgegangen.4
Andererseits überwachten die westlichen Geheimdienste in den siebziger Jahren verstärkt die Verbindungswege aus der DDR in den Westen, beispielsweise im Rahmen der Reisewegsuchmaßnahmen. Markus Wolf forderte daher in einer Rede im März 1971, möglichst wenige Grenzübertritte und Schleusungen von IM durchzuführen. Namentlich der Grenzübergang am S-Bahnhof Friedrichstraße, den er »unseren sogenannten Ho-Chi-Minh-Pfad« nannte, sollte gemieden werden.5 In der Praxis scheinen solche Ermahnungen wenig bewirkt zu haben. Ein Indiz dafür sind die überlieferten Statistiken über »Avisierungen« an den DDR-Grenzübergängen. Eine Dienstanweisung Erich Mielkes legte 1972 fest, dass aus bestimmten Gründen Pass- und Zollkontrollen ganz oder teilweise entfallen konnten. Solche Ausnahmen konnten aus politischen Rücksichtnahmen angeordnet werden, etwa bei ausländischen Politikern, aus wirtschaftlichen Erwägungen, um beispielsweise bestimmten Wirtschaftsvertretern entgegenzukommen, oder eben aus »politisch-operativen Gründen«: um IM durchzuschleusen, um günstige Voraussetzungen für die Anwerbung neuer IM zu schaffen, aber auch um Kontroll-Lücken vorzutäuschen oder um DDR-Kritiker mit einer scheinbaren Bevorzugung in den Verdacht der Zusammenarbeit mit dem MfS zu bringen.6 Die MfS-Hauptabteilung VI, die an den DDR-Grenzen die Grenzkontrolleure stellte, zählte für das Jahr 1980 DDR-weit insgesamt 16 977 durchgeführte Avisierungen, also bevorzugte Grenzabfertigungen auf Wunsch anderer MfS-Diensteinheiten bzw. in geringerem Umfang auch auf Wunsch anderer DDR-Behörden. Zum Vergleich: Insgesamt reisten 1980 2,7 Millionen Menschen aus dem Bundesgebiet in die DDR, ferner gab es 1980 2,6 Millionen Einreisen von Westberlinern nach Ostberlin und in die DDR sowie 1,4 Millionen Tagesaufenthalte von Westdeutschen in Ostberlin. Im Herbst 1980 reisten täglich zwischen 10 000 und 20 000 westliche Staatsbürger (Deutsche und Nichtdeutsche) nach Ostberlin ein, an Samstagen bis zu 40 000.
Bei 3 197 der genannten 16 977 Avisierungen des Jahres 1980 ging es darum, hauptamtlichen Mitarbeitern des MfS das Betreten der DDR-Grenzübergangsstellen zu ermöglichen. Den relativ größten Anteil an den Sonderabfertigungen hatte der Bahnhof Friedrichstraße. Dort erfolgten im Jahre 1980 insgesamt 4 429 Avisierungen. Von denen 1 946 auf hauptamtliche MfS-Mitarbeiterentfielen.7 Diese Zahlen veranschaulichen die fortdauernde Funktion des Bahnhofs Friedrichstraße als Nadelöhr im geheimdienstlich gesteuerten Ost-West-Reiseverkehr. Zu bedenken ist dabei auch, dass die Mehrzahl der IM bei ihren Ein- und Ausreisen nicht bevorzugt behandelt wurden, sondern sich wie alle anderen Reisenden den üblichen DDR-Grenzkontrollen unterziehen mussten. In manchen Fällen hatten die Führungsoffiziere dafür gesorgt, dass den IM besonders gut präparierte Verstecke für den gefälschten Zweitpass oder andere geheimdienstliche Utensilien zur Verfügung standen. Solche Verstecke in Reisetaschen, Brieftaschen und anderen »Containern« mussten so perfekt gearbeitet sein, dass sie dem geübten Blick der MfS-Grenzkontrolleure und DDR-Zöllner nicht auffielen, was aber nicht immer gelang. Das MfS befand sich an diesem Punkt gleichsam in einem absurden Wettstreit mit der eigenen Sicherheitsdoktrin: Perfekte Verstecke mussten einer ebenso perfekten Kontrolle standhalten.8 Eine Möglichkeit, schriftliche Unterlagen und andere Materialien unkontrolliert in die DDR zu schaffen, bestand für West-IM darin, sie bei der Gepäckaufbewahrung im Westteil des Bahnhofs Friedrichstraße zu deponieren und nach erfolgter Einreise nach Ostberlin dem Führungsoffizier den Gepäckschein auszuhändigen, der sich dann um die Abholung der Dokumente kümmerte.9 Daneben konnten Führungsoffiziere ihre West-IM auch persönlich im Westteil des Bahnhofs abholen und mit ihnen unkontrolliert nach Ostberlin gelangen. Aus der Perspektive des MfS bestand das Risiko in diesen Fällen darin, dass etwaigen fluchtwilligen hauptamtlichen Mitarbeitern der Weg in den Westen offen stand, wovon aber kaum einer von ihnen tatsächlich Gebrauch machte. Bekannt wurden zwei gelungene Fluchten auf diesem Weg, die des Leutnants Ullrich Altmann von der MfS-Hauptabteilung VIII am 15. April 1963 und die des HV A-Oberleutnants Werner Stiller am 18. Januar 1979. Insbesondere die Flucht Stillers bedeutete eine große Niederlage für die HV A.10 Obwohl hauptamtliche Mitarbeiter auch bis dahin nur mit besonderen Berechtigungskarten Grenzübergangsstellen betreten durften, erließ die HV A nach Stillers Flucht umgehend neue, noch strengere Regelungen. Dazu gehörte eine Vereinbarung zwischen der HV A und der MfS-Hauptabteilung VI vom 28. Februar 1979 über die Durchführung von Personen- und Gepäckschleusungen für die HV A am Grenzübergang Bahnhof Friedrichstraße. Ihr erklärtes Ziel war die »Einschränkung des Betretens der Grenzübergangsstelle Bahnhof Friedrichstraße durch operative Mitarbeiter der HV A«11.
Ein anderes Problem des MfS mit dem Nadelöhr Friedrichstraße beschreibt der frühere Leipziger Agentenführer Manfred Bols in seinen Erinnerungen. Bols hatte Anfang der siebziger Jahre einen westdeutschen Studenten als IM angeworben, den er hier »Asta« nennt. Bei einer seiner Einreisen nach Ostberlin habe »Asta« am Grenzübergang Bahnhof Friedrichstraße einen ihm bekannten Studenten getroffen. Die beiden hätten sich unterhalten, und »Asta« habe zutreffend vermutet, dass sein Bekannter ebenfalls in geheimdienstlichem Auftrag unterwegs sei. »Asta« habe daraufhin den Kontakt zum MfS abgebrochen.12 Um solche Situationen zu vermeiden, wurden Agenten auch unter Umgehung der offiziellen Übergänge an verschiedenen Stellen über die Grenze geschleust. Selbst in Berlin erschien es dem MfS mitunter sicherer, Agenten mit einer Leiter über die Mauer klettern zu lassen oder sie durch den Grenzzaun zu schleusen, als sie durch den Bahnhof Friedrichstraße zu schicken. Das MfS wollte damit unter anderem vermeiden, dass sie an einem Grenzübergang zufällig Kollegen oder Bekannten begegneten. Wie der Rüstungsspion Dieter Feuerstein berichtet, wollte ihn das MfS selbst noch sechs Wochen nach dem Mauerfall unter Umgehung der offiziellen Grenzübergänge über den Berliner Forst Düppel im Südwesten des Westberliner Bezirks Zehlendorf in die DDR einschleusen.13 Diese Form des Grenzübertritts illustriert nebenbei eindrücklich das, was die bundesdeutsche Spionageabwehr unter anderem mit der »fehlenden Waffengleichheit« meinte. Während DDR-Agenten unbehelligt von Westberlin in die DDR und zurückgehen konnten, verhinderten MfS und Grenztruppen umgekehrt fast lückenlos jeden nicht genehmigten Grenzübertritt in Richtung Westen, allzu oft mit tödlichen Konsequenzen.14
Obwohl der Bahnhof Friedrichstraße dem MfS im Prinzip außergewöhnlich günstige Möglichkeiten bot, ergingen bis zum Schluss immer wieder Ermahnungen an die operativen Mitarbeiter, ihre West-IM sowie die Kuriere und Instrukteure möglichst von diesem Ort fernzuhalten.15 Im März 1988 versuchte Werner Großmann als Leiter der HV A, einen Strategiewechsel einzuleiten. In einem Schreiben vom 16. März 1988 an die leitenden Mitarbeiter der HV A forderte er dazu auf, die Anzahl der Grenzübertritte von West-IM, insbesondere aber von Kurieren und Instrukteuren deutlich zu reduzieren. Die HV A, so gab Großmann unmissverständlich zu verstehen, war endgültig an die Grenzen ihrer Möglichkeiten gestoßen. Der »operative Reiseverkehr« der HV A-Diensteinheiten habe sich in den letzten Jahren ständig vergrößert und sei allein von 1985 auf 1986 um 30 Prozent gestiegen, um von 1986 zu 1987 nochmals um 13 Prozent zuzulegen. Die Reisewege zwischen Ost und West seien aufgrund gegnerischer Abwehrmaßnahmen nur begrenzt nutzbar, außerdem seien zukünftig Probleme wegen der neuen, maschinenlesbaren und stärker fälschungsgeschützten Personalausweise in der Bundesrepublik zu erwarten. Reisen in geheimdienstlichem Auftrag ließen sich zudem in den meisten Fällen nicht an die »natürlichen Reiseströme« anpassen. Es sei nicht damit getan, einfach immer mehr legendierte DDR-Reisepässe einzusetzen, denn jede Reise müsse auch aufwendig vorbereitet werden. Den Ausweg aus dieser Situation sah Großmann darin, die operative Arbeit der HV A verstärkt in den Westen zu verlagern: Nicht mehr Instrukteure aus der DDR, sondern Residenten und Führungs-IM mit festem Wohnsitz in der Bundesrepublik sollten die West-IM anleiten, und für die Kommunikation und den Informationstransfer zwischen Westagenten und Führungsoffizieren sollten mehr unpersönliche, insbesondere operativ-technische Verbindungsarten eingesetzt werden.16 Folgerichtig erließ Großmann daher am 20. September 1989 eine Dienstanweisung, in der er es der HV A zur Aufgabe machte, verstärkt qualifizierte DDR-Bürger als »Übersiedlungs-IM« in den Westen einzuschleusen, die sich dort vor allem als Residenten und Werber betätigen sollten.17
Zur gleichen Zeit hatte ein anderer sozialistischer Staat jedoch eine sehr viel radikalere Entscheidung getroffen: Ungarn öffnete faktisch die Grenzen zum westlichen Nachbarn und beschleunigte damit auch den Fall der Berliner Mauer. Der Bahnhof Friedrichstraße verlor seine Funktion als exponierte Agentenschleuse und dient heute wieder als normaler innerstädtischer Verkehrsknotenpunkt.
Georg Herbstritt, geb. 1965, Historiker, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Behörde der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR in Berlin.
1 Runge, Irene; Stelbrink, Uwe: Markus Wolf: »Ich bin kein Spion«. Gespräche mit Markus Wolf. Berlin 1990, S. 10f.
2 BStU, MfS, AS 254/66, Bl. 2, 8-708. Die APF war eine Vorläufereinrichtung der späteren MfS-Hauptabteilung VI; die Abteilung XIII wurde später zur (Haupt-)Abteilung XIX.
3 BStU, MfS, BdL/Dok 4036, Bl. 1-4.
4 BStU, MfS, BdL/Dok 4388, Bl. 1f.
5 BStU, MfS, ZAIG 7691, Bl. 30f, 45f.
6 BStU, MfS, BdL/Dok 2359, Bl. 2-5.
7 BStU, MfS, HA VI, 11710, Bl. 5f; die Anzahl der eingeleiteten Avisierungen lag mit 27.859 im gleichen Zeitraum deutlich höher, vgl. ebenda, Bl. 1-4. Zu den übrigen DDR-Behörden gehörten insbesondere das Außen- und das Außenhandelsministerium sowie das ZK der SED. Die Anweisungen 2/79/I und 2/79/II des Leiters der HA VI vom 19.2.1979 regelten die Zugangsberechtigung von MfS-Mitarbeitern zu den DDR-Grenzübergangsstellen; BStU, MfS, HA VI, 61, Bl. 157-175, sie entstanden offenbar in Reaktion auf die Flucht Werner Stillers. Zur Praxis der Avisierungen vgl. auch Tantzscher, Monika: Die Hauptabteilung VI: Grenzkontrollen, Reise- und Touristenverkehr (MfS-Handbuch III/14). Hg. BStU. Berlin 2005, S. 14, 21f. Weitere statistische Angaben in BStU, MfS, HA II 28864, Bl. 11.und Deutschland Archiv 15(1982)3, S. 237: Deutsch-deutscher Reiseverkehr 1981.
8 BStU, BV Berlin, AIM 4951/91, Bd. I/2, Bl. 28-34, 39-43.
9 Ebenda. Dieses Verfahren beschrieb auch Werner Stiller schon 1986 in seinem Buch »Im Zentrum der Spionage«, 4. Auflage, Mainz 1986, S. 133f. Auch operativ-technische MfS-Diensteinheiten wie die Abteilung »Bewaffnung und Chemischer Dienst« (BCD) nutzten für ihre Materialbeschaffung die Gepäckaufbewahrung im Westteil des Bahnhofs Friedrichstraße; vgl. BStU, MfS, BCD 8, Bl. 31f.
10 Bergh, Hendrik van: ABC der Spione. Pfaffenhofen/Ilm, 1965, S. 98-100; Stiller: Im Zentrum der Spionage (1986), S. 362f. Zu Stillers Motiven für die Flucht in den Westen vgl. Glocke, Nicole: Werner Stiller – Versuch eines Porträts. In: Zeitschrift des Forschungsverbundes SED-Staat 7(2002)11, S. 102-109.
11 BStU, MfS, HA VI, 1424, Bl. 7f; zwei Wochen zuvor hatten HV A und Hauptabteilung VI bereits eine Vereinbarung über die Modalitäten beim Betreten der DDR-Grenzübergangsstellen Richtung Westen geschlossen, vgl. ebenda, Bl. 2-5.
12 Bols, Manfred: Ende der Schweigepflicht. Aus dem Leben eines Geheimdienstlers. Berlin 2002, S. 94f.
13 Feuerstein, Dieter: »Die Toten bleiben jung«. In: Eichner, Klaus; Schramm, Gotthold (Hg.): Kundschafter im Westen. Spitzenquellen der DDR-Aufklärung erinnern sich. Berlin 2003, S. 196-232, hier 220, 223f.
14 Den Begriff der fehlenden »Waffengleichheit« gebraucht der langjährige Leiter der Abteilung Spionageabwehr beim Bundesamt für Verfassungsschutz, Dirk Dörrenberg; vgl. Dörrenberg, Dirk: Erkenntnisse des Verfassungsschutzes zur Westarbeit des MfS. In: Herbstritt, Georg; Müller-Enbergs, Helmut (Hg.): Das Gesicht dem Westen zu... DDR-Spionage gegen die Bundesrepublik Deutschland. Bremen 2003, S. 72-111, hier 92, 109.
15 BStU, MfS, HA VIII, 5992, Bl. 104, 106.
16 BStU, BV Potsdam, BdL 521, Bl. 1. Zu den hier angesprochenen Verbindungsarten zählen u.a. Agentenfunk, Transport von mikroverfilmten Dokumenten in Verstecken in West-Ost-Reisezügen (Interzonen- und Transitzüge, sog. rollende tote Briefkästen), codierte Datenübermittlung per Telefon (mittels so genannter Schnellgeber) usw. Großmann zählt die Möglichkeiten nicht einzeln auf.
17 BStU, BV Frankfurt/O., BdL 2566.


