Heft 55/2006 | Themen | Seite 49 - 52
Achim Beyer
Meine Erfahrungen als Zeitzeuge
"Es ist heute besonders wichtig, die Zeitzeugen, die Opfer, sprechen zu lassen, solange dazu noch die Möglichkeit besteht. Vor allem, um das geschehene Unrecht nicht allgemein, sondern personenbezogen zu thematisieren. Zahlen und Fakten erschüttern, neigen aber dazu, in den Bereich der Relativierung abzugleiten. Erlebnisberichte Betroffener, nachvollziehbare Einzeldarstellungen hingegen lassen uns die Geschehnisse miterleben, geben den Zahlen Gesichter, festzumachende Schicksale."1
Der früher gängige Vorwurf "Zeitzeugen sind die Feinde der Historiker" wurde in den letzten Jahren zunehmend relativiert. Die Bedeutung der "oral history" als historischer Quelle hat zugenommen. Zeithistoriker befassen sich zunehmend positiv mit ihr. Sie stellen fest, dass ein Abgleich der Erinnerungen mit den auffindbaren und aufgefundenen Dokumenten oftmals neue, wichtige, unschätzbare Erkenntnisse erbringt.2
Für die Zeitzeugen selbst bedeutet die Erinnerung und noch mehr das Sprechen darüber eine ungeheuere mentale Belastung und Befreiung zugleich. Nicht selten ist die Belastung größer als vermutet, zunächst befürchtet oder angenommen.
Eine besonders schmerzliche Erfahrung durchlebten nahezu alle ehemaligen politischen Häftlinge der zweiten Diktatur in Deutschland; dazu gehören zahlreiche Sozialdemokraten, welche sich der Zwangsvereinigung mit der KPD vor genau 60 Jahren widersetzten und auch danach mit dem Ostbüro der SPD und/oder mit Kurt Schumacher Kontakt hielten und deswegen als "Schumacher-Agenten" von Sowjetischen Militärtribunalen (SMT), später von der SED-Justiz zu hohen Haftstrafen verurteilt wurden; "Sozialdemokratismus" war ein politischer Vorwurf mit oftmals strafrechtlichen Folgen. Das gleiche Schicksal erlitten in der SBZ und frühen DDR Christdemokraten und Liberaldemokraten, welche sich der beginnenden Gleichschaltung widersetzten.3
Wer nach langjähriger Haft in Bautzen, Waldheim oder Torgau unter den schlimmen, kaum zu beschreibenden menschenunwürdigen Bedingungen überlebt hatte und nach der Entlassung "in den Westen" floh, musste nicht selten erleben, dass ihm nicht geglaubt wurde, wenn er – auf Nachfrage – über seine "Taten", die Verhaftung, die schlimmen Verhöre, die "Verhandlung" und den Strafvollzug berichtete, nur selten larmoyant, sondern sachlich, aber nicht ohne Emotionen. Diese Erlebnisberichte wurden meist abgetan als "unrealistisch", "unglaubwürdig", als "Phantasien eines Menschen, der Schlimmes erlebt haben mag, aber überzeichnet".
Solches geschah sogar dort, wo man es hätte besser wissen müssen. Ein für mich besonders bedrückendes Beispiel ist Dieter Rieke, der als Sozialdemokrat aktiven Widerstand gegen die SED-Diktatur geleistet hatte, abgestimmt mit und im Auftrag des "Ostbüro der SPD". Das für ihn schockierende Erlebnis nach einem Vortrag über seine Haft in diesem Kreis schildert er in seinem lesenswerten, beeindruckenden Buch.4 Aber auch anderen, die aus Überzeugung Widerstand gegen die "zweite deutsche Diktatur" leisteten, verhaftet, verurteilt wurden und viele Jahre inhaftiert waren, erging es selten besser.
Ich erinnere mich noch immer sehr konkret an die Szene, als mir im November 1956 – ich war gerade acht Wochen nach fünfeinhalbjähriger Haft entlassen und in den Westen geflohen – der für meine Rehabilitierung zuständige Generalstaatsanwalt in Bamberg vorwarf: "Hätten Sie sich anständig benommen, wären Sie nicht ins Zuchthaus gekommen!" Der damit verbundene Schock ist bis heute nicht überwunden.
Auf Drängen von Professor Hans Lades und meiner Freunde vom Collegium Politicum (CP) Erlangen – ich hatte inzwischen gemeinsam mit anderen politischen Häftlingen in Göttingen einen "Sonderreifelehrgang für Spätestheimkehrer" erfolgreich absolviert und in Erlangen zu studieren begonnen – hielt ich im Dezember 1957 im Rahmen einer Veranstaltungsreihe des CP "40 Jahre Oktoberrevolution, 40 Jahre Bolschewismus" meinen ersten und für lange Zeit letzten Vortrag über die Aktionen der "Werdauer Oberschüler", den aufsehenerregenden Prozess und meine Haftzeit. Als "Quellen" dienten mir seinerzeit lediglich die Anklageschrift, das Urteil und meine persönlichen Erinnerungen – sonst nichts.5 Ich spürte damals Erstaunen und auch Ungläubigkeit angesichts meines Berichtes, obwohl – so die Dokumentation darüber im "Erlanger Tagblatt" vom 21.12.1957 – einige Studenten, "die selbst bis zu 10 Jahren in den Zuchthäusern der Sowjetzone verbracht haben", dazu "wertvolle Ergänzungen bringen konnten."
Die Folge: Ich habe daraufhin (wie viele andere auch) jahrzehntelang über meine "besondere Biographie" geschwiegen, lediglich im engeren Freundeskreis, in geselliger Runde, das heißt bei einem Schoppen Wein diese oder jene "Knast-Story" zum Besten gegeben.
Erst nach der "friedlichen Revolution" im Herbst 1989, nach dem Ende der DDR und der Öffnung der bis dahin verschlossenen Archive des MfS, der DDR-Justiz und der SED wurde ich wieder aktiv. Ich recherchierte und wurde Mitte der 90er Jahre fündig. Das Ergebnis: etwa 5.000 Blatt relevanter Dokumente, darunter auch wichtige Fundstücke, die mir von Freunden zugespielt wurden.
Diese Dokumente vermittelten auch mir völlig neue Erkenntnisse – über das Zusammenwirken von MfS, Justiz und SED-Apparat, über die Vorgaben zur Verhandlung vor dem Landgericht Zwickau, über die (vergebliche) Intervention Grotewohls und die Auseinandersetzungen im Partei-Apparat der SED.
Von der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages "Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland" (12. Wahlperiode) erhielt ich die Einladung, am 2. Juni 1993 in Rostock als Zeitzeuge zu berichten. Ich nahm die Einladung an, da mir inzwischen bereits einige wichtige Dokumente vorlagen. Es war mein eigentlich erster öffentlicher (Kurz-)Vortrag über die "Werdauer Oberschüler".6
Das erste umfassende und durch viele Beweisstücke fundierte Referat über die "Werdauer Oberschüler" hielt ich während einer ganztägigen Veranstaltung am 9. Oktober 1997 anlässlich der Einweihung einer Gedenktafel für unsere Widerstandsgruppe im Alexander-von-Humboldt-Gymnasium in Werdau/Sachsen.7
Als sachkundige Freunde bemerkten, dass ich die umfänglichen Dokumente intensiv durchgearbeitet und ausgewertet hatte, drängten sie mich, als Zeitzeuge die Geschichte der "Werdauer Oberschüler" vorzutragen, wo immer ich dazu Gelegenheit fände. Meine Freunde wussten, dass ich bereits seit Jahrzehnten Erfahrungen in der politischen Bildungsarbeit gesammelt hatte.
In diesem Zusammenhang erinnerte ich mich an das Jahr 1948 in Werdau in Sachsen. Damals erlebte ich als Schüler, wie ehemalige Häftlinge der KZ Buchenwald und Sachsenhausen ihre Erlebnisse während der NS-Zeit als Zeitzeugen schilderten. Deren Berichte beeindruckten mich nachhaltig. Mir wurde die Bedeutung von Zeitzeugen erinnerlich und damit gegenwärtig.
Die Entscheidung war gefallen. In der Folgezeit hielt ich als "Zeitzeuge in eigener Sache" sehr viele Vorträge, an der Akademie für Politische Bildung in Tutzing, in Gymnasien auch der Neuen Bundesländer (organisiert von der BStU) zeitweise gemeinsam mit dem 20 Jahre jüngeren Utz Rachowski, welcher mit seiner Biographie bestätigte, dass die politische Verfolgung von Schülern um die Jahre 1950 und 1970 nahezu identisch war, wenngleich nicht mehr mit so drastischen Folgen wie Anfang der fünfziger Jahre.
Die Erfahrungen waren sehr unterschiedlich, meist positiv und erfreulich: Gern erinnere ich mich an eine Veranstaltung am Berufsbildungszentrum in Aschaffenburg im November 2000. Nichtsahnend betrat ich den den "Vortragsraum": eine Mehrzweckhalle, besetzt mit etwa 250 (!) Berufsschüler(innen). Doch selten erlebte ich eine so gut vorbereitete Veranstaltung, die Teil des Schulprojektes "Widerstand" war. Auf mehreren Tischen waren Bücher aus der Schulbibliothek über die DDR ausgelegt. Eine Schülergruppe hatte auf mehreren Tafeln mit eigenen Texten, Zeitungsausschnitten, Fotos etc. die Geschichte der DDR dargestellt, darunter auch über Opposition und Widerstand sowie Repression. Das Podium war von den Gärtnerinnen geschmückt worden, der Rednertisch war mit Hopfen-Girlanden so drapiert, dass es wie Stacheldraht aussah. Auch die Schul-Band und ein kleiner Chor waren aktiv: in Absprache mit dem sehr engagierten Lehrer unterbrach ich mehrmals meinen Vortrag, damit das Lied "Die Gedanken sind frei" gespielt und mit eigenem Text (über Ulbricht und Honecker etc.) gesungen werden konnte. Selbst die Gastronomie-Schüler waren einbezogen: In der Pause vor der Diskussion wurde eine schmackhafte Suppe angeboten. Erstaunlich für mich waren die Aufmerksamkeit und Disziplin sowie die Diskussionsfreudigkeit der Schüler; selbst nach dem offiziellen Ende wurde ich noch über eine Stunde lang weiter befragt.
Bei einer Vortrags-Rundreise in Mecklenburg-Vorpommern im Herbst 2002 erlebten Utz Rachowski und ich in Waren/Müritz an einem Gymnasium, wie die über 90 Schüler(innen) uns gebannt und aufmerksam zuhörten und sachkundige Fragen stellten. Unser nächster "Einsatzort" war Wismar, eine wunderschöne Stadt. Die Veranstaltung sollte im Geschwister-Scholl-Gymnasium stattfinden. Der Hausmeister hatte auf Anweisung der Schulleitung die Bestuhlung, Einrichtung der Mikrofone usw. vorgenommen. Aber dann waren wir beiden Referenten ganz allein mit ihm und dem Leiter der BStU-Außenstelle Rostock. Kein Lehrer, kein Schulleiter, kein Schüler, kein Politiker, keine Presse! In meiner mehr als 40-jährigen Vortragstätigkeit hatte ich eine solche Situation noch nie erlebt. Diese "Panne" hatte ein politisches Nachspiel.
Im Herbst 2001 referierte ich in einem Chemnitzer Gymnasium. Mir wurde vor meinem Vortrag eine von Schülerinnen gestaltete Ausstellung über das MfS, seine Strukturen (besonders auf Chemnitz bezogen), seine Methoden, seine umfassende Observierung und anderes gezeigt, eine für Schüler beachtliche Arbeit, die auch von der Außenstelle der BStU übernommen wurde. Nach einer angeregten Diskussion kam der Schulleiter auf mich zu und informierte mich darüber, dass dieses Gymnasium mitten in einem Wohngebiet liegt, wo noch immer (mehrheitlich) ehemalige MfS-Mitarbeiter (vor allem Offiziere) leben. Und auch darüber, dass einige der politisch und zeitgeschichtlich aktiven Schülerinnen aus solchen Elternhäusern stammten.
Es gab im Laufe der Jahre zwei Veranstaltungen, die mich mental besonders belasteten, zugleich aber "befreiend" wirkten.
1999 referierte ich im Kinosaal der Haftanstalt Bautzen II, heute Gedenkstätte; allein der Aufstieg in den 5. Stock an den vielen Zellen vorbei ist mehrfach beschwerlich, die Atmosphäre des Raumes schockt noch immer, die unangenehmen Erinnerungen werden schlagartig wach. Mir half ein dankbarer Zuhörerkreis, die Belastung zu meistern.
Im Januar 2001 durfte ich auf Einladung des Landgerichtspräsidenten Kränzlein im Landgericht Zwickau/Sachsen sprechen. Auf meinen ausdrücklichen Wunsch hin fand der Vortrag in jenem Verhandlungs-Saal statt, in welchem ich zusammen mit meinen Freunden 1951 verurteilt worden war. Ein übervoller Saal, gebannte Aufmerksamkeit, erklärte Zustimmung – dieser Abend war wirklich eine "Befreiung".
Eine "neue Qualität" meiner Aktivitäten als Zeitzeuge begann nach der Veröffentlichung meines Buches über die "Werdauer Oberschüler".8 Seitdem verbinde ich meinen Vortrag mit Lesungen aus diesem Buch, mit dem Erfolg, dass ich allein bei diesen Veranstaltungen etwa 300 meist signierte Exemplare verkauft habe.
Zur öffentlichen Buchvorstellung im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig im April 2003 hatte die Stadt Erlangen den ehemaligen Bundesminister und Bundesvorsitzenden des Kuratorium Unteilbares Deutschland, Dr. Dieter Haack, entsandt, während meine alte Heimatstadt Werdau das offizielle Einladungsschreiben des Sächsischen Landesbeauftragten durch Nichtantwort ignorierte und (trotz des kürzeren Weges) auch keinen Vertreter nach Leipzig delegierte.
Im Jahr 2004 musste ich eine gesundheitlich bedingte Zwangspause einlegen. Erst allmählich kamen danach wieder Anfragen, dann aber Ende 2005/Anfang 2006 gehäuft.
Im Nürnberger Neuen Gymnasium warteten 100 Schüler und 10 Lehrer, Journalisten und Fotografen von zwei Zeitungen auf meinen Vortrag, eingeleitet vom Schulleiter. Die Nürnberger Nachrichten vom 18.3.2006 berichteten mit Bild: "Es ist eine besondere Geschichtsstunde – keiner schwätzt oder kippelt mit dem Stuhl. Fast scheint es, als würden die Schüler im vollgestopften Musiksaal die Luft anhalten. Schließlich war Achim Beyer damals so alt wie sie..."
Nach Vortrag und Diskussion interviewte mich total professionell (vorbereitete Fragen, Diktiergerät) eine nette Schülerin für die Schülerzeitung; das Ergebnis soll in die Homepage des Gymnasium eingestellt werden.
Ähnliche Erfahrungen machte ich in zwei Bamberger Gymnasien, wohin man mich aufgrund der "Mundpropaganda" unter den Lehrern eingeladen hatte.
Im Maria-Ward-Gymnasium überraschten mich drei Schülerinnen, die in Bamberger Archiven recherchiert hatten mit Zeitungsausschnitten über eine Veranstaltung Mitte Oktober 1951, als kurz nach meiner Verurteilung etwa eintausend Jugendliche gegen das Terror-Urteil in einer Resolution protestierten.
Im Leistungskurs Geschichte wurden einige Arbeiten über "Widerstand in der DDR" vergeben. Mit den interessierten Schülerinnen gab es ein Fachgespräch.
Bei den genannten Gymnasien fanden bereits und finden weiterhin Fahrten nach Berlin statt; zum Programm gehören auch Besuche in der Gedenkstätte Hohenschönhausen.
Mein Fazit nach den (mental) durchaus anstrengenden Vorträgen lautet: Das Interesse, die Aufmerksamkeit der Schüler für DDR-Themen, speziell auch die Repression, vorgetragen von Zeitzeugen, hat gegenüber der Situation vor etwa drei oder vier Jahren enorm zugenommen. Sie sind auch bereit, mit eigenen Projekten aktiv zu sein.
Bei den Bautzen-Foren – einer interessanten Mischung von Kameradschafts-Treffen ehemaliger Bautzen-Häftlinge und wissenschaftlicher Tagung, dankenswerterweise organisiert von der Friedrich-Ebert-Stiftung, Büro Leipzig – welche ich fast regelmäßig besuche, stellen seit einigen Jahren Schüler und Schülerinnen (diese in der Mehrzahl!) jeweils Projekte vor, die sie unter Anleitung einer engagierten Lehrerin erarbeitet haben. Mit Aufsätzen, Wandzeitungen, Interviews mit Zeitzeugen und Videos werden die Ergebnisse teils souverän, teils aufgeregt vorgetragen und von den ehemaligen Bautzen-Häftlingen mit ganz herzlichem Applaus belohnt.
Meine Zeitzeugenberichte haben nicht nur bei den Schülern Eindruck hinterlassen. Auch Lehrer haben dazugelernt. Im Erlanger Ohm-Gymnasium war eine Lehrerin schockiert darüber, dass ich auch im Westen (als Mitarbeiter des IGW Erlangen und DDR-Forscher) von der Stasi observiert wurde und dies sogar mit Fahndungsnummer.
Ein Lehrer schrieb mir: "Auch bei mir selbst hat der Vortrag den Blick verändert – dass die DDR schon zu einem so frühen Zeitpunkt eine erbarmungslose Diktatur gewesen ist, ist mir so noch nicht klar gewesen."
Die Aufmerksamkeit der Schüler(innen) über die gewohnte Schulstunde hinweg, die wachsamen Augen, die interessanten und klugen Fragen entschädigen für die mentale Belastung, die solche Vorträge als Zeitzeuge mit sich bringen – es dauert oft Stunden, bis eine Beruhigung eintritt, zumindest in der folgenden Nacht wird man von schlimmen Träumen geplagt. Aber das ist das Schicksal von Zeitzeugen, keiner kann sich davon befreien. Wir aktiven Zeitzeugen der SED-Diktatur sind dennoch bereit, so lange wir gesundheitlich dazu in der Lage sind, über unsere Erfahrungen zu berichten, sachlich, fundiert und nachweislich anhand der aufgefundenen Dokumente.
Achim Beyer, geb. 1932 in Dresden; Besuch der Oberrealschule Werdau, dort 1950 Mitgründer einer Widerstandsgruppe gegen die SED-Herrschaft, im Mai 1951 Verhaftung, beim Prozeß gegen die "Werdauer Oberschüler" am 3./4.10.1951 zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt, 1956 vorzeitige Haftentlassung, Flucht in die Bundesrepublik Deutschland, von 1963 bis 1993 als Wissenschaftlicher Mitarbeiter in Erlangen in einem Institut der DDR- und Vergleichenden Deutschlandforschung tätig; anhand zahlreicher Aktenfunde in DDR-Archiven entstand das Buch: Achim Beyer, Urteil: 130 Jahre Zuchthaus. Jugendwiderstand in der DDR und der Prozess gegen die "Werdauer Oberschüler" 1951; Evangelische Verlagsanstalt Leipzig 2003 (2.Auflage 2004); Schriftenreihe des Sächsischen Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, Band 1.
Der vorstehende Text ergänzt die Beiträge zum Hauptthema des letzten Heftes, "Zeitzeugen und Historiker", aus Zeitzeugen-Sicht.
1 Gneist, Gisela / Heydemann, Günther: "Allenfalls kommt man für ein halbes Jahr in ein Umschulungslager". Nachkriegsunrecht an Wittenberger Jugendlichen, Leipzig 2002, S.83
2 Besonders bemerkenswert dazu ist die Untersuchung von Boll, Friedhelm: Sprechen als Last und Befreiung. Holocaust-Überlebende und politisch Verfolgte zweier Diktaturen. Ein Beitrag zur deutsch-deutschen Erinnerungskultur, Bonn 2001
3 Vergleiche dazu: Bouvier, Beatrix: Ausgeschaltet! Sozialdemokraten in der Sowjetischen Besatzungszone und in der DDR 1945 - 1953, Bonn 1996 und Buchstab, Günter (Hrsg.): Verfolgt und entrechtet. Die Ausschaltung Christlicher Demokraten unter sowjetischer Besatzung und SED-Herrschaft 1945-1961. Eine biographische Dokumentation, Düsseldorf 1998
4 Rieke, Dieter: Geliebtes Leben. Erlebtes und Ertragenes zwischen den Mahlsteinen jüngster deutscher Geschichte, Berlin 1999
5 Dennoch bedarf der Text, welcher in meinem Privat-Archiv vorliegt, keiner inhaltlichen Korrektur, allerdings vielfältiger Ergänzungen.
6 Mein Vortrag ist dokumentiert in: Deutscher Bundestag (Hrsg.): Materialien der Enquete-Kommission "Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland", Frankfurt am Main 1995, Band IV, S.247 ff.
7 Der Vortrag ist dokumentiert im Deutschland Archiv 1/1998, S.86 ff.
8 Beyer, Achim: Urteil: 130 Jahre Zuchthaus. Jugendwiderstand in der DDR und der Prozess gegen die "Werdauer Oberschüler" 1951, Leipzig 2003 (2.Auflage 2004), Schriftenreihe des Sächsischen Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, Band 1


