Heft 55/2006 | Schauplätze | Seite 65
Leserbrief
zu Hans-Joachim König, "Erinnerungssplitter aus dem Bürgerkomitee", HuG Heft 1/06
Im folgenden zitieren wir aus einem Brief unseres Lesers Harry Ewert (Potsdam):
"Der Bunker in Dammsmühle war kein reiner Nachrichtenknoten. Er war in baulicher- und technischer Ausführung Standard der Ausweichführungsstellen (AFÜSt). Der Bauwerkstyp (V2b) war in allen Bezirken vorhanden und im wesentlichem identisch. Dammsmühle sollte als Reserveausweichführungsstelle (ResAFÜSt) für die AFÜSt dienen. ... Sie sollte im 2 Halbjahr 1988 übergabefertig sein, dies verzögert sich durch Mängel am Bau jedoch. Sie wurde nie offiziell eingeweiht." Weiterhin macht er uns darauf aufmerksam, daß "sich in Biesenthal nicht der Honecker-Bunker befand, wie angegeben. Es ist ja hinlänglich bekannt, dass der Honecker-Bunker sich in Prenden befand und im Jahr 1983 eingeweiht wurde." (Anmerkung der Redaktion: Prenden ist ein kleiner Ort einige Kilometer nordwestlich von Biesenthal). Das in den "Erinnerungssplittern" erwähnte Gelände in Weesow war "die AFÜSt der BV Berlin (SAO II) auf der Gemarkung der Ortes Schönfeld. Dieses Gelände wurde als ›Sport und Ausbildungsobjekt‹ von Dynamo Berlin-Hohenschönhausen legendiert. Das Gelände, einschließlich Sportplatz, war, stellenweise durch zwei Umzäunungen, gegen jegliche Einsicht von außen gesichert.
Innerhalb der inneren Umzäunung befanden sich das Kommandantenhaus, Wachgebäude, die Unterkunftsbaracke mit Unterkunftsräumen für Mitarbeiter, Schulungsraum, Küche, Clubraum (Speiseraum) und Sanitärbereich sowie der Erholungsbereich mit Sportplatz....
Der eigentliche, offizielle, Zugang zur AFÜSt befand sich innerhalb eines weiteren umzäunten Sperrkreises von ca. 1500m². Dieser wurde als Baumateriallager getarnt. Die Eingänge befanden sich in zwei Bungalows vom Typ B36. Diese wurden von oben mit Bretterstapel bzw. mit Sanitärmaterialien und Heizkörper gegen unbeabsichtigte Einsicht abgeschirmt. Innerhalb dieser Umzäunung befanden sich zwei Hundezwinger, die als Notausstiege für den Bunker dienten. Dieser Sperrkreis wurde durch einen Schäferhund bewacht. Seine Hütte befand sich zwischen den zwei Bungalows.
Im abseits gelegenen Kommandantenhaus befand sich im Keller ein getarnter Zugang zur AFÜSt. In einem alten Schrank wurden Gartenmaterialien gelagert. Entfernte man diese und die Einlegeböden, konnten die Auflageleisten der Einlegeböden entfernt werden. Dadurch wurde die Rückwand freigegeben und stellte sich als Tür zu einem 105 Meter langen Tunnel heraus. Dieser führte in den Bunker. Verräterisch waren Fußabdrücke auf dem Boden des Schrankes, die bei eingelegten Böden niemals dort hingelangen konnten...."


