HEFT 01/2007| Editorial | SEITE II.US

 

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

am 22. Juni 1982 stimmte Honecker dem Vorschlag seines Staatssekretärs für Kirchenfragen zu, Manfred Stolpe die Gelegenheit zu geben, "gegen Eppelmann anzutreten." (Dokument siehe Horch und Guck, Nr. 50, III. US) Die laut SED-Wertung "realistischen Kräfte (Stolpe u. a.)" sollten eine Spielwiese bekommen, um "die Wirksamkeit der negativen Kräfte zurückzudrängen." Gemeint war die erste Friedenswerkstatt in der Ostberliner Erlöserkirche, die jedoch zur wichtigsten Präsentationsform gerade oppositioneller Basisgruppen wurde und somit dem Kalkül der Einheitssozialisten zuwiderlief. 25 Jahre sind inzwischen vergangen. Aus diesem Anlass erinnern in unserem Schwerpunkt damals aktiv Beteiligte an Wirkungen und Konflikte dieser jährlich stattfindenden, halböffentlichen Veranstaltung.    

Die Rubrik "Themen" beginnt mit einer Betrachtung, die direkt an das Hauptthema anschließt. Georg Meusel berichtet über den Schöpfungsakt des Aufnähers "Schwerter zu Pflugscharen", staatliche Übergriffe und darauf folgende phantasievolle Reaktionen.    

Helmut Müller-Enbergs gibt einen Überblick über Einflussnahmeversuche der HV A auf bundesdeutsche Gewerkschaften mittels willfähriger Funktionäre. Erich Schmidt-Eenboom wirft einen "holzschnittartigen" und streitbaren Blick auf den Umgang bundesdeutscher Geheimdienste mit Parteien und sozialen Bewegungen. Fundiert resümiert Christian Booß die Hintergründe und Interessen im Streit um die Geltung des von der frei gewählten Volkskammer beschlossenen Stasi-Unterlagengesetzes, der 1990 zur zweiten Stasi-Besetzung in Berlin führte.    

Im "Feuilleton" berichtet der Dresdener Autor Bernd Theilmann vom repressiven DDR-Kulturbetrieb. In der Rubrik "Schauplätze" gibt Heidi Bohley einen lebendigen Einblick in das Wirken und die Konfliktbewältigungsstrategien der Hallenser Aufarbeitungsinitiative. Schließlich fasst Jens Planer-Friedrich vom Bürgerbüro e.V. die entscheidenden Entwicklungslinien der aktuellen Debatte um eine Ehrenpension zusammen.

Ein herzliches Dankeschön allen Autorinnen und Autoren, denjenigen, die Fotos und Grafiken zur Verfügung stellten, Martina Gräser für das Korrekturlesen, Christiane Schidek für den bisher unbezahlt geleisteten Abo-Service und vor allem Christine Dreßler, die kurzfristig das Layout dieser Ausgabe übernahm. Die Gestaltungs- und Druckkosten dieses Heftes konnten nur aus Eigenmitteln und Spenden finanziert werden. Besonders bedankt seien die privaten Spender.

Das Bürgerkomitee "15. Januar" e.V., unser Herausgeber, hat im Mai einen neuen Vorstand gewählt (siehe Impressum). Die Stelle des verantwortlichen Redakteurs wurde ausgeschrieben. In diesem Jahr wird es noch eine in ehrenamtlicher Arbeit produzierte Ausgabe geben. Die Abonnementlaufzeiten verlängern sich entsprechend. Stimmen zum Konflikt um "Horch und Guck" finden Sie unter www.havemann-gesellschaft.de in der Rubrik Aktuelles. Verwiesen sei zudem auf die kurze Leserumfrage (S. 64 in diesem Heft). Das Bürgerkomitee freut sich über Ihre rege Anteilnahme.

Eine angenehme Lektüre und einen schönen Sommer wünschen im Namen der Redaktion
Gerold Hildebrand (Gastredakteur) und Dirk Moldt

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