HEFT 57/2007| Friedenswerkstatt in Ost-Berlin | SEITE 37 - 40
Christian Sachse
Der Berliner Appell
Versuch einer historischen Einordnung
Vorgeschichte
Am 25. Januar 1982 veröffentlichten der kommunistische Dissident Robert Havemann und der evangelische Pfarrer Rainer Eppelmann gemeinsam den Berliner Appell »Frieden schaffen ohne Waffen«. Das Erscheinen eines solchen Appells an sich war in der entstehenden unabhängigen Friedensbewegung in der DDR keine Sensation mehr, wenn auch die regionalen Akteure oft zu wenig von einander wussten.1 Beispielhaft sei der Offene Brief der Evangelischen Studentengemeinde Naumburg vom 4. Mai 1978 gegen die Einführung des Wehrunterrichtes genannt.2 Er wurde über den Deutschlandfunk verbreitet und löste eine Welle von Äußerungen zur Friedensfrage aus, die versuchten, die Öffentlichkeit zu erreichen. Die Zahl von Briefen und Appellen steigerte sich, je näher die Stationierung der Pershing II Raketen in Sichtweite kam. Adressiert waren diese Briefe in einer seltsamen Mischung aus Illusion und Anerkenntnis der Realitäten meist an die politischen Führer der Welt oder der europäischen Mächte. Mir sind nur wenige Briefe in der DDR bekannt, in dem sich die Verfasser an die Parlamente – gar an die Volkskammer – gewandt hätten, die doch eigentlich über Krieg und Frieden zu entscheiden hatten. Weniger mutige Briefschreiber, oftmals durch besorgte kirchliche Mitarbeiter geleitet, wandten sich an die Synoden und Kirchenleitungen mit der Bitte, ihre Besorgnisse doch staatlichen Stellen vorzutragen. Eine dritte Gruppe von Briefschreibern hatte keinen besonderen Adressaten. Sie wandte sich einfach »an alle«. Zur letzten Gruppe der Briefe gehört der Berliner Appell.
Die Wahl der Adressaten verrät einiges darüber, wie die Autoren die innenpolitische Situation in der DDR einschätzten. Ob sie sich im Sinne der Fürstenaufklärung, der Eingaben an die Obrigkeit wandten, ob sie sich der Botendienste der Kirche bedienten, oder ob sie sich an die Menschheit im Allgemeinen wandten, immer setzten die Autoren das Fehlen einer relevanten politischen Kraft voraus, die ihre Friedenspläne oder –sehnsüchte hätte umsetzen können. Sicherlich lag einem der letzten Offenen Briefe Robert Havemanns vom 25. März 1982, in dem er eine unabhängige Friedensbewegung in der DDR forderte, diese Einsicht zugrunde.
Aus der Perspektive des Winters 1981/82 war noch nicht unbedingt erkennbar, dass eine DDR-weite Friedensbewegung bereits im Entstehen begriffen war. Es bildeten sich gerade Kristallisationskerne für Netzwerke. Der Soziale Friedensdienst und Frieden ‘833 bildeten 1981 Netzwerke. Frieden konkret4, Frauen für den Frieden entstanden im Jahr 1982. Protagonisten wie Georg Meusel mit seinem bereits 1973 gegründeten Friedensforum oder Pfarrer Rudolf Albrecht5 mit seinem Meißener Friedensseminar und der Friedenskreis der Evangelischen Studentengemeinde von Ost-Berlin wurden nun zu breit nachgeahmten Vorbildern. Das Dresdener Friedensforum im Februar 1982 und die Berliner Friedenswerkstatt im Juli 1982 führten Gruppen und einzelne zu den ersten Massenveranstaltungen zusammen und ermöglichten dadurch die horizontale Kommunikation. Trotz seiner gegen Mitte der achtziger Jahre etwas entpolitisierenden Tendenzen wurde die Friedensdekade seit 1980 ein Mittel, das Engagement über die engen Grenzen der Friedensgruppen hinaus zu tragen. Jochen Garstecki vom Referat Friedensfragen in der Studienabteilung beim Bund der evangelischen Kirchen in der DDR entfaltete eine rege Vortragstätigkeit und sorgte für erste Vernetzungen.6
Die evangelischen Kirchenleitungen und Synoden in der DDR gaben seit Herbst 1978 eine fast unübersehbare Flut von Äußerungen zur Friedensfrage heraus, deren Spektrum von gradualistischen Konzepten der Abrüstung über rein theologische Erwägungen bis hin zum christlichen Radikalpazifismus (Absage an das nukleare Abschreckungssystem/ Wehrdienstverweigerer) reichte. Das Referat Friedensfragen der Studienabteilung beim Bund der evangelischen Kirchen verbreitete 1980 sein Konzept »Erziehung zum Frieden«, dessen innenpolitische Ausrichtung unübersehbar war. Die Friedensfrage hatte längst die internationalen Gremien der Kirchen, wie der Konferenz der Europäischen Kirchen (KEK) und den Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) erreicht.
Am Symbol der ersten Friedensdekade »Schwerter zu Pflugscharen« lässt sich am deutlichsten nachvollziehen, welcher Art die Bewegung war, die hier im Entstehen war. Die Kirchen bestritten dies zwar in öffentlichen Verlautbarungen oder den Gesprächen zwischen Kirche und Staat, auch die Friedensgruppen distanzierten sich mitunter. Doch das Symbol »Schwerter zu Pflugscharen« geriet unter der Hand zu einem Zeichen des allgemeinen Unbehagens mit den politischen Zuständen in der DDR. Wer es trug, gab sich als »Andersdenkender« öffentlich zu erkennen. Bisher war dieses Verhalten nur über die Kleidung und die Jugendmusikkultur erkennbar gewesen. Hier gab es über die vielen regionalen fast konspirativen Zeichen (sichtbares Tragen einer Zahnbürste zur Bereitschaft ins Gefängnis zu gehen, eines elektronischen Bauteils mit dem Namen »Widerstand« – wahlweise rot oder grün) zum ersten Mal ein Symbol, das die gesamte DDR erfasste. Jugendliche, die weder vom radikalen christlichen Pazifismus oder gradualistischer Abrüstung respektive Sicherheitspolitik etwas wussten, auch nicht von der damals grassierenden Kriegshysterie angesteckt waren, nähten es auf ihre Kutten und Jacken. Damit drohten sie in ihren Reaktionen unkontrollierbar zu werden. Der Staat schlug mit Härte zu.
Inhaltlicher Kontext
In dieser Situation erschien der »Berliner Appell«, verfasst von Robert Havemann und Rainer Eppelmann. Es ist zunächst interessant, dass der Appell in den Grundlinien kaum von den jeweils separaten Offenen Briefen von Havemann an Breschnew (20.9.1981) und Eppelmann an Honecker (24.9.1981) unterschied.7 Auch enthielten Eppelmanns Vorschläge »... sollten wir nicht?« zur inneren Entmilitarisierung der DDR seit der Einführung des Wehrkundeunterrichtes1978 keine neuen Elemente gegenüber früheren Briefen und Appellen anderer Gruppen und Einzelpersonen.8 Havemanns Vorschläge in freiem Rückgriff auf die Abkommen der Alliierten des 2. Weltkrieges, nämlich mit beiden (!) deutschen Staaten Friedensverträge abzuschließen, die Besatzungstruppen abzuziehen und Garantien über die inneren (!) Angelegenheiten der beiden deutschen Staaten abzugeben, wirkten zu diesem Zeitpunkt eher unrealistisch als visionär.9 Das nach dem Breschnew- und Honeckerbrief bereits zwischen Havemann und Eppelmann aufgezeichnete Videogespräch enthält auch mehr moralische Bewertungen und Hoffnungen als Anknüpfungen an die damalige politische Situation. Französische, britische und polnische nationale Sonderinteressen, um nur einige zu nennen, werden nur sehr global berücksichtigt. Was ein entmilitarisiertes Deutschland bei weitergeführter Blockkonfrontation im Zentrum Europas für die Stabilität Europas bedeutet hätte, wird nur als Hoffnung beschrieben – nicht als ein ebenso mögliches Horror-Szenario. Ob eine Entkoppelung amerikanischer und westeuropäischer nuklearer Potenziale bei fortlaufender konventioneller militärischer Überlegenheit der Sowjetunion tatsächlich mehr Sicherheit gebracht hätte, wurde schon damals diskutiert, darf aber füglich bezweifelt werden.
Der Inhalt des Berliner Appells wurde daher – anders als der SoFd-Aufruf – weder zwischen Staat und Kirche, noch zwischen den Gruppen und der Kirche diskutiert. Der Inhalt war gegenüber seiner politischen Wirkung sekundär. – Der Appell richtete sich also nicht wirklich gegen die »Generäle und Politiker«, wie er vorgab. Er war darauf ausgerichtet, die europäische Friedensbewegung aus dem Osten heraus zu motivieren und zu einer gesamteuropäischen zu verschmelzen. Dazu knüpfte er erkennbar an das Konzept von European Nuclear Disarmament (END) im Jahr 1980 an, das eine gesamteuropäische Solidarisierung der Friedensbewegungen und einen Übergang in ein blockfreies Europa anstrebte. Dem diente im Appell die gesamteuropäische, bzw. gesamtdeutsche Klammer.10 Die Sorge Havemanns, die Amerikaner könnten ihre nukleare Überlegenheit irgendwann ausnutzen, kam sicher auch dem Antiamerikanismus von Teilen der westlichen Friedensbewegung entgegen. In der DDR zielte der Appell darauf ab, eine unabhängige Friedensbewegung zu schaffen. Dies belegt auch die letzte öffentliche Äußerung Havemanns kurz vor seinem Tod »Für eine unabhängige Friedensbewegung« .11
Wirkung und Reaktionen
In dieser Hinsicht hatte der »Berliner Appell« eine große Wirkung, von der vor allem die kirchenleitende Seite überrascht war. Seit seiner Mitarbeit an den Bluesmessen war Eppelmann – wie immer bei problematischen Veranstaltungen – in enge Gesprächzusammenhänge mit der Kirchenleitung eingebunden worden. Er hielt sich auch in diesem Fall daran und besprach den beabsichtigten Appell mit Manfred Stolpe und dem Leiter des Sekretariates des Bundes der evangelischen Kirchen in der DDR, Christoph Demke, die noch einige Änderungswünsche hatten, aber schnell ihr Einverständnis erklärten. Stolpe erteilte, als er ausdrücklich gefragt wurde, keine Genehmigung, den Appell über innerkirchliche Kanäle zu verbreiten.12 Dies war allerdings sowohl in der Frage als auch in der Antwort ein etwas realitätsfernes Spiel. Stolpe musste auf der einen Seite wissen, dass der Appell von innerkirchlichen Kommunikationsstrukturen gar nicht fern zu halten war. Friedensgruppen benutzten sie in hohem Maße mit Selbstverständlichkeit. Andererseits war Stolpe, wenn er konkret gefragt wurde, von Amts wegen verpflichtet, diese dienstfremde Nutzung der Kanäle zu untersagen. U.a. auf den damaligen Bischof der Berlin-Brandenburgischen evangelischen Kirche, Gottfried Forck dürfte die Einschätzung zurückgehen, der Appell entwerfe ein »Zerrbild der politisch Verantwortlichen«; »genauer als es im Appell geschieht, muss die tatsächliche politische und militärische Konstellation bedacht werden.«13 Es ist davon auszugehen, dass Forck eine Friedenssicherung nach dem Muster des Berliner Appells tatsächlich für illusorisch hielt. Sowohl Forck als auch Stolpe haben diese Kritik gegenüber staatlichen Stellen geäußert, was diese zu der Feststellung veranlasste, sie hätten sich von dem Appell distanziert. Dies stimmt so freilich nicht. Beide hatten ganz reale, nachvollziehbare Gründe zur Kritik. Diese ist in offizielle Stellungnahmen und interne Aktennotizen eingeflossen.
Der Staat hatte zwei gegenläufige Interessen, die aufeinander bezogen werden mussten. Zum einen war die DDR verpflichtet, nach dem internationalen Bürgerrechtspakt von 1976 im Herbst 1982 vor internationalen Gremien über die Menschenrechtssituation in ihrem Land zu berichten. Als sie 1977 bereits einmal berichtete, hatte sie von der internationalen Presse überaus schlechte Noten bekommen. Hier war also Rücksicht geboten, zumindest bis der Bericht im Herbst 1982 vorgelegt und diskutiert worden war. Zum anderen wuchsen die Friedensgruppen zunehmend zu Netzwerken zusammen, die nach größerer Außenwirkung strebten. Diese galt es zu unterdrücken, was in diesem Jahr dadurch geschah, dass die Staatssicherheit vor allem Nachrichten sammelte. Diesen divergierenden Interessen ist es wohl zu verdanken, dass der am 9. Februar 1982 verhaftete Rainer Eppelmann bereits am 12. Februar wieder entlassen wurde. Die Kirchenleitung hat in diesem Zusammenhang nach innerkirchlicher Aktenlage keine Zusagen an den Staat gemacht. Dies geht aus einem innerkirchlichen Vermerk über ein Gespräch im Staatssekretariat für Kirchenfragen vom 4. März 1982 hervor.14 Während dieses Gespräches beschwerte sich Hauptabteilungsleiter Heinrich, dass Eppelmann sich nicht an die Bedingungen für die Entlassungen gehalten habe. Heinrich wurde sofort von Stolpe entgegengehalten: Es habe von Seiten des Staates keine Bedingungen oder Auflagen für die Entlassung gegeben. Die Kirche habe auch von sich aus keine Zusagen gemacht. Interessanterweise ging Heinrich sofort auf Stolpes Widerspruch ein. Irgendwelche Zusagen von Seiten der Kirche habe es nicht gegeben. Eppelmann habe selbst die Zusage an den Staatsanwalt gemacht, Unterschriftslisten wieder einzuziehen, entgegnete Heinrich. Nach Eppelmanns eigenen Aussagen hat er allerdings die Namen nur mündlich genannt und weitere Nennungen in Aussicht gestellt, sich aber an die Zusage nicht gehalten.15 Nach Propst i.R. Friedrich Winters Erinnerungen hat die Kirchenleitung selbst Unterzeichnerlisten eingesammelt oder einsammeln lassen.16 Hier musste die etwas dürftige Begründung herhalten, man habe Minderjährige schützen wollen. Dennoch – so Heinrich weiter – werde man sich nicht mit weiteren Aktivitäten Eppelmanns abfinden. »Wenn von Seiten der Berlin-Brandenburgischen Kirche Herr Eppelmann nicht zu zähmen ist, wird der Staat seinerseits das Verfahren wieder aufnehmen.«17 Die kirchliche Seite, Propst Grünbaum und Konsistorialpräsident Stolpe rieten von repressiven Maßnahmen ab: Man befinde sich in einem langwierigen Gesprächsprozess, der nicht gestört werden dürfe. Diese Protokollnotizen decken sich in etwa mit späteren Aussagen Stolpes, man habe »Luft aus dem Kessel nehmen wollen«, das Problem gegenüber dem Staat auf die lange Bank schieben wollen. Tatsächlich ist gegen Eppelmann kein förmliches Verfahren eingeleitet worden, wenn er auch den informellen Druck zu spüren bekam, sich in seinen Aktionen zurückzuhalten. Dies entspricht übrigens dem oft geschilderten Verhalten der Kirchenleitungen. Dem Staat gegenüber machten sie sehr wenige Zugeständnisse, schützte ihre Mitarbeiter. Innerkirchlich wurde dann schon einmal Druck ausgeübt.
Nur elf Tage später lenkt die staatliche Seite ein. Klaus Gysi, der Staatssekretär für Kirchenfragen, äußerte gegenüber Bischof Forck Verständnis. Man wisse, dass die Kirche nicht wie die Partei (die SED) gegen ihre Mitarbeiter vorgehen könne. Forck zögerte nicht, den freien Raum zu besetzen. Die Kirche habe keine Möglichkeit, Eppelmann Äußerungen zum Frieden zu verbieten. Allerdings solle er gebeten werden, »seine Erklärungen so deutlich wie möglich als seine private Meinung« zu kennzeichnen.18 Dies war innerkirchlich legitim, entsprach auch dem Rat Stolpes, keine innerkirchlichen Kanäle zu benutzen. Forck weiter: Der Berliner Appell werde mit Sicherheit weiter diskutiert werden. Der Staat solle also dessen konstruktive Seite aufnehmen und sich mit der utopischen kritisch auseinandersetzen. In dem hier skizzierten Gespräch wird wieder deutlich, wovor die staatliche Seite Angst hatte: eine unabhängige oder kirchliche Friedensbewegung. Berliner Appell, Dresdner Friedensforum und »Schwerter zu Pflugscharen« formierten sich – obwohl sie tatsächlich wenig miteinander zu tun hatten – im Berichtswesen der Staatssicherheit zu einer Verschwörung der Kirchen, eine »eigene Friedensbewegung zu formieren«.19 Besondere Aufmerksamkeit dürfte erregt haben, dass hier zum ersten Mal ein Pfarrer und ein kommunistischer Dissident gemeinsam agiert hatten. Die Befürchtung des Staates, in die Zange einer kommunistisch-christlichen Reformbewegung zu geraten, hat sich freilich nicht erfüllt. Die Friedensbewegung, wie auch die späteren Bürgerrechtler waren von unterschiedlichsten politischen Motiven getragen.
Auch nach dem Berliner Appell wurden Menschen in der DDR verhaftet, die sich für Veränderungen in der DDR einsetzten. Doch der Berliner Appell hat Maßstäbe gesetzt: Der Westen war aufmerksamer geworden, seine Öffentlichkeit schützte. Die Netzwerke begannen mehr und mehr Informationen auszutauschen. Auch die Kirchen lernten ihre Gruppen schätzen. Sprachen die doch etwas aus, was sie nicht wagten.
Christian Sachse, Dr. rer. pol., geb. 1954 in Halle/Saale, Theologe und Politikwissenschaftler, Mitbegründer des oppositionellen Netzwerkes Arbeitskreis Solidarische Kirche in der DDR, nach 1990: Forschungsarbeiten zur innenpolitischen Funktion der Wehrerziehung in der DDR, zur Biographie und Rezeption Havemanns, Widerstand und Opposition in der DDR. Info: www.christian-sachse.de
Der Verfasser arbeitet zur Zeit an einem Projekt »Bischof Dr. Gottfried Forck – ein politisches Portrait«, in dem die Vorgänge genauer untersucht werden. Das Buch erscheint voraussichtlich im Frühjahr 2008.
1 Bereits oberflächliche Recherchen des Autors ergaben zwischen Mai 1978 und dem Berliner Appell rund dreißig Appelle oder Aktionen, die sich in Sachen Frieden an die Öffentlichkeit wandten. Nicht eingerechnet sind dabei Eingaben an Synoden zum Thema Sozialer Friedensdienst, von denen nur ein geringer Teil öffentlich verbreitet wurde. Sie dürften die Zahl von 5.000 (sic) bei weitem übersteigen. Dieser zeitliche Bereich der DDR-Geschichte ist m.W. bisher nur ungenügend erforscht.
2 Sachse, Christian; Höck, Dorothea u. a.: Wehrkundeunterricht - ein bedrohliches Zeichen. Offener Brief des Mitarbeiterkreises der ESG Naumburg vom 4. 5. 1978. In: Archiv Christian Sachse *92, Abgedruckt u.a. in: Wensierski, Peter [Hrsg.]; Büscher, Wolfgang; Wolschner, Klaus: Friedensbewegung in der DDR. Texte 1978-1982. Scandica-Verlag, Hattingen 1982, S. 64 ff.
3 Frieden ´83 war ein lokales Netzwerk in der Kirchenprovinz Sachsen, das Friedrich Schorlemmer ins Leben gerufen hatte. Es propagierte in der Anfangsphase das Modell der »sozialen Verteidigung«.
4 Nach den Erinnerungen von Uwe Koch fanden die ersten Treffen 1982 statt. Andere Datierungen deuten eher auf 1983. Die Datierung der Gründung ist meist schwierig, da oftmals vorbereitende Treffen oder die Vorgeschichte nicht von der eigentlichen Gründung mit Namensgebung abgrenzbar sind.
5 Rudolf Albrecht und andere sind die Autoren einer Serie von Anleitungen zur Friedenserziehung, die in Sachsen bereits im Jahr 1969 in einer Auflage von vermutlich 2.000 Exemplaren erschien. Dies war eine Leistung, die in der DDR-Aufarbeitung bis heute nicht gewürdigt worden ist.
6 Planungen für eine kirchliche Arbeitsstelle für Friedensforschung gehen auf das Jahr 1970 zurück. Sie entstand in Analogie zur Heidelberger Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST) der EKU. Bis 1978 scheint es in der DDR allerdings keine größeren Aktivitäten gegeben zu haben. Auch dieser Bereich ist noch völlig unerforscht. Vgl. Garstecki, Jochen: Aufgaben der Arbeitsstelle für Friedensforschung. Zur Konzeption des Referates Friedensfragen der Theologischen Studienabteilung beim Bund der evangelischen Kirchen in der DDR [um 1970]. In: Archiv Jochen Garstecki, Kopie in Archiv Sachse *825.
7 Alles abgedruckt in: Wensierski, Peter [Hrsg.]; Büscher, Wolfgang; Wolschner, Klaus: Friedensbewegung in der DDR. Texte 1978-1982. Scandica-Verlag, Hattingen 1982, S. 242 f.
8 Vgl. etwa: Wehrkundeunterricht - ein bedrohliches Zeichen. Offener Brief des Mitarbeiterkreises der ESG Naumburg vom 4. 5. 1978. In: Archiv Christian Sachse *92, In: Wensierski, Peter [Hrsg.]; Büscher, Wolfgang; Wolschner, Klaus: Friedensbewegung in der DDR. Texte 1978-1982. Scandica-Verlag, Hattingen 1982, S. 64. Oder: Offener Brief der Studentenschaft des Katechetischen Oberseminars Naumburg vom 16. Dezember 1980 zur Friedensfrage. In: Archiv Christian Sachse *6810, Karton Frieden Aktionen, Informationen, Ordner Briefe.
9 Vgl. dazu die ausführliche Diskussion in der Enquetekommission, sowie den Beitrag von Stephan Bickardt »Der ‚Berliner Appell’ und die Neutralitätsthese Robert Havemanns« in: Materialien der Enquete-Kommission »Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland« (12. Wahlperiode des Deutschen Bundestages). Hrsg.: Deutscher Bundestag, Nomos Verlag, Baden-Baden 1995, Bd. VII/1, S. 462 ff.
10 Die »gesamtdeutsche Klammer« erwies sich in ganz Deutschland als wenig tragfähiger – besser: tabuisierter – Ansatz. Vgl. dazu den sogenannten Prager Aufruf von Charta 77 an die END-Konferenz von 1985, über eine Selbstbestimmung der Deutschen nachzudenken und die Reaktionen in der DDR-Opposition.
11 Havemann, Robert: Brief von Robert Havemann für eine unabhängige Friedensbewegung in der DDR vom 25. März 1982. Wensierski, Peter [Hrsg.]; Büscher, Wolfgang; Wolschner, Klaus: Friedensbewegung in der DDR. Texte 1978-1982. Scandica-Verlag, Hattingen 1982, S. 285 ff.
12 Eppelmann, Rainer; Ditfurth, Christian, von: Fremd im eigenen Haus. Mein Leben im anderen Deutschland. Kiepenheuer und Witsch, Köln 1993, S. 189.
13 Stellungnahme der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche in Berlin Brandenburg (Ost) vom 13. Februar 1982 zum Berliner Appell. In: edition transit, In: Wensierski, Peter [Hrsg.]; Büscher, Wolfgang; Wolschner, Klaus: Friedensbewegung in der DDR. Texte 1978-1982. Scandica-Verlag, Hattingen 1982, S. 283 f.
14 ELAB 027/108 (ELAB = Evangelisches Landeskirchliches Archiv in Berlin)
15 Dies wird auch von Eppelmann bestätigt, der sich freilich nicht an die Zusage gehalten hat. Eppelmann, Rainer; Ditfurth, Christian von: Fremd im eigenen Haus. Mein Leben im anderen Deutschland. Kiepenheuer und Witsch, Köln 1993, S. 201, 205.
16 Gespräch des Autors mit Friedrich Winter am 21. Februar 2007.
17 Vermerk über ein Gespräch im Staatssekretariat für Kirchenfragen am 4. März 1982 [anwesend: Manfred Stolpe, Hartmut Grünbaum, Peter Heinrich]. In: ELAB 027 [Forck] Nr. 108.
18 Forck, Gottfried: Gedächtnisprotokoll über das Gespräch mit Staatssekretär Gysi am 15. März 1982 von 10.45 bis 12.00 Uhr im Staatssekretariat. In: ELAB 027 [Forck] Nr. 108.
19 Ministerium für Staatssicherheit, Erich Mielke: [Analyse der Aktivitäten von kirchlichen Friedensgruppen und Vorschläge für Gegenmaßnahmen] vom 17. März 1982, MfS Nr. 4/82. In: MfS BdL/ Dok. Nr. 007604.


