HEFT 02/2009 | Editorial | SEITE 1

 

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

an das Ende der kommunistischen Diktatur nach der Friedlichen Revolution wird in diesem Jahr allenthalben erinnert. Viel seltener aber denkt man daran, wie sehr die SED ihren Staat zu diesem Zeitpunkt selbst buchstäblich in den Ruin gewirtschaftet hatte.

In etlichen Publikationen wird eine DDR beschrieben, die zwar keine Freiheit, aber dafür soziale Sicherheiten bot. Und so entsteht auch in vielen Köpfen das Bild von einem sozialen Märchenland, das es nie gegeben hat.

Das Regime hatte abgewirtschaftet. Die Infrastruktur war vollkommen marode und überaltert. Die Betriebe arbeiteten ohne Rücksicht auf die Umwelt mit einem oft Jahrzehnte alten Maschinenpark. Rentabilität spielte nur selten eine Rolle. Es mussten – koste es, was es wolle – Devisen erwirtschaftet werden. Und Innovationen wurden meist von der schwerfälligen Planungsbürokratie verhindert. Das Land war wirtschaftlich am Ende und ironischerweise bewahrte die Friedliche Revolution die Verantwortlichen davor, selbst den Bankrott erklären zu müssen.
Viele Konsequenzen, die sich aus der SED-Misswirtschaft ergaben, haben die Leidtragenden nicht mehr den Genossen zugerechnet, sondern nun war entweder der Westen, die Art der Wiedervereinigung oder die Treuhand schuld. Dabei war selbst die Treuhandanstalt noch ein Kind der letzten SED-Regierung unter Hans Modrow. Ihre Gründung wurde kurz vor den ersten freien Volkskammerwahlen beschlossen.

Natürlich haben wir nicht den Platz für eine umfassende Bilanz der DDR-Wirtschaft. Aber wir haben einige wichtige und gern vergessene Bereiche herausgesucht, an denen sich die Ursachen für das Versagen der SED-Ökonomie, aber auch dessen Folgen sehr gut zeigen lassen.

An dieser Stelle müssen wir aber auch um Entschuldigung für ein falsches Datum in unserer letzten Ausgabe bitten: In dem Artikel über die Besetzung der Erfurter Stasi-Zentrale war von einer „Demo“ auf dem Erfurter Domplatz am 3. Dezember 1989 die Rede, auf die unmittelbar am Folgetag die Besetzung der Stasi-Bezirksverwaltung erfolgt sei. Tatsächlich fand diese Veranstaltung genau einen Monat früher, am 3. November 1989 statt und war somit nicht unmittelbar ursächlich für die Stasi-Besetzung.

Wir bedanken uns bei allen Lesern, die uns auf etwaige Fehler hinweisen oder uns mit Kritik und Zuspruch unterstützen und wünschen Ihnen wie immer eine interessante und spannende Lektüre.

Die Redaktion



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