HEFT 01/2008 | TÖDLICHES SYSTEM | SEITE 1

 

MfS-Untersuchungshaftanstalt am Moritzplatz in Magdeburg
Foto: Johannes Beleites

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

ein Titel, der sich mit den Todesopfern kommunistischer Diktaturen beschäftigt, kann nur ausschnitthaft einige Bereiche in diesem weiten Themenfeld beleuchten. Trotzdem wollten wir uns nicht auf die DDR beschränken, sondern legen Wert auf den vergleichenden Blick nach Polen und in die Sowjetunion der siebziger und achtziger Jahre.

Dabei bleiben dann leider manche Opfergruppen unberücksichtigt, beispielsweise die Toten an der innerdeutschen Grenze. Wir haben versucht, uns auf die Todesfälle zu konzentrieren, die etwas weniger im allgemeinen Bewusstsein verankert sind.

Auch auf die verdächtigen, ungeklärten Todesfälle konnten wir natürlich nur zum Teil eingehen. Wem beispielsweise die Erwähnung des Todes von Matthias Domaschk in der Stasi-Untersuchungshaft in Gera am 12. April 1981 fehlt, den weisen wir gern auf das zu diesem Thema 2003 erschienene HORCH UND GUCK-Sonderheft hin.

"An Kontroversen ist das weite Feld der Aufarbeitung kommunistischer Diktaturen ja nicht gerade arm" – so stand es an dieser Stelle im letzten Heft, als wir unsere neue Rubrik "aktuell und kontrovers" vorstellten. Und so sehen wir es mit Freude, wenn solche kontroversen Debatten auch ihren Niederschlag in unserer Zeitschrift finden. In der aktuellen Ausgabe sind es gleich zwei Reaktionen auf Artikel im letzten Heft.

Dort hatten wir auch die Diskussion zwischen der Stasi-Unterlagen-Behörde und dem Bundesarchiv über die beste Zukunft der Stasi-Akten dokumentiert. Jetzt haben uns beide Archive gleichermaßen beeindruckt mit der schnellen und unkomplizierten Bereitstellung der Originale der in diesem Heft veröffentlichten Dokumente – herzlichen Dank.

Es mag für eine Vierteljahresschrift, die sich mit der Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur beschäftigt, ungewöhnlich sein, wenn sie sich mit einem eher tagespolitischen Thema befasst. Doch bei der Diskussion um neue Überwachungsmöglichkeiten und Sicherheitsgesetze ist uns die Perspektive aus der Diktatur-Erfahrung wichtig. Wir dokumentieren eine Debatte, zu der das Bürgerkomitee Leipzig eingeladen hatte.

Zum Schluss möchten wir all die Leser, die nicht in jeder Ausgabe das Impressum studieren, darauf hinweisen, dass sich Redaktionsadresse und Telefonnummer geändert haben. Die Adressänderung bezieht sich nur auf die Redaktion von HORCH UND GUCK, nicht auf den Herausgeber, das Bürgerkomitee "15. Januar".

Eine interessante Lektüre wünscht Ihnen
Die Redaktion

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